Bild: Alexandra Bruckner

Jäten ist in, düngen ist hip, der Garten en vogue: Urban Gardener erobern die Stadtviertel, Ackerhelden retten mit Spaten und Harke die grünen Paradiese der Cities. In den Schreberkolonien stoßen Rentner-Paare immer häufiger auf junge Familien, Arbeiter auf Akademiker, Deutschland auf die Welt. Wenn der Gartenzwerg mit dem Trampolin flirtet, landen die Klischees meistens - auf dem Komposthaufen.

Wir haben junge Menschen in ihren Gärten besucht und gefragt: Wie kam eure Lust auf Laube? Welches grüne Wunder habt ihr dort bereits erlebt? Was blüht euch zwischen Haselnusshecke und Rhodendronstrauch? 

Orlando, 37, arbeitet bei der Deutschen Bahn
(Bild: Alexandra Brucker)

Aus dem Smartphone röhrt Musik. Eine Kiste alkoholfreies Bier lugt unter der Holzbank hervor. Der Blick durch den Rosenbogen führt, vorbei an Radieschen- und Fenchelbeet, schnurstracks zu Orlando. Dieser kniet am Boden und schwitzt. Sein heutiges Projekt: Die Terrasse. 

Ich arbeite bei der Deutschen Bahn. Das heißt unter der Woche: Stress, Stress, Stress. Der Garten ist mein Ausgleich. 

Wer Garten sagt, muss auch Grill sagen - aber wie gut bist du am Rost?

Am liebsten arbeite ich an der Grenze zwischen Beet und Weg. Das versteht keiner. Die anderen hacken dort normalerweise alle wie wild herum. 


Ich setze mich hin und zupfe das Unkraut schön raus.

Das ist meine Entspannung. Ich weiß auch nicht, warum.

Mein Onkel in Italien pflanzt alles selber an. Dort habe ich immer ein bisschen mitgegärtnert und mit der Zeit noch mehr Lust auf Garten bekommen. Was ich hier anpflanze? 



Tomaten, Kohlrabi, Radieschen, lange Zucchini, runde Zucchini, Erdbeeren, Salat, Bohnen, Fenchel. Fenchel ist meine Lieblingsspeise.

Hier gibt es einen gewissen Zusammenhalt. Wenn etwas ist, geht man zum Nachbarn und leiht sich Geräte aus oder hilft dem Anderen. Der Name passt deshalb gut: Es ist eine Gartengemeinschaft.

Anja, 36, zahnmedizinische Fachangestellte, mit ihren Töchtern Zoe und Linn
(Bild: Alexandra Brucker)

Ab ins Bett? Nö. Ab ins Beet? Ok! Lauthals plappernd hangeln sich die zwei Blondschöpfe Zoe und Linn wie flinke Äffchen über Klettergerüst und Schaukel, während Anja im Kürbisbeet die Erde beackert. Anjas Ehemann, unter der Woche Polizist, bringt die die Laube auf Vorderman.  

Der Schrebergarten ist für mich ein Hobby. Unter der Woche kommen wir nicht viel raus – außer zur Arbeit oder zum Kindergarten. Dort, wo wir leben, gibt es auch keinen guten Spielplatz. Hier sind wir an der frischen Luft, können uns bewegen oder auch einfach mal nichts tun. 

Die zwei Mädels freuen sich die ganze Woche über, am Wochenende ihre Freunde zu sehen. Manche Menschen fahren in den Urlaub, machen Fahrradtouren oder wandern – wir haben den Garten, der ist nicht so weit entfernt. Mit dem Auto fahren wir 10 Minuten.

Andreas, 32, Logistiker
(Bild: Alexandra Brucker)

Andreas lehnt am Gartenzaun. Hinter ihm eine imposante Holzlaube, über die lautes Gelächter und russisch-deutsche Gesprächsfetzen wabern. Freunde und Familienmitglieder sitzen, stehen und hocken um einen Tisch, Kinder spielen zwischen den Obstbäumen Fangen. 

Der Garten bedeutet für mich ein kleines Stück Freiheit. Hier kann ich den ganzen Alltagsstress hinter mir lassen, locker sein, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, den Grill anschmeißen, Rasenmähen. Klar! Rasenmähen ist auch Freiheit. 

Warum nicht? Dabei schalte ich einfach ab. In dieser Gartengemeinschaft geht es nicht so streng zu. Du solltest nicht unbedingt eine große Villa bauen wollen, aber ansonsten bekommst du deinen Freiraum. 


Mein Lieblingsort ist am Grill.

Dort drehe ich gerne meine Steaks um.

Meine Familie ist 1997 aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Das war eine riesige Umstellung für uns. Fünf Jahre lang haben wir einen Garten gesucht. Zwischenzeitlich hatten meine Eltern es bereits aufgegeben. Mit dem Garten haben wir uns mehr oder weniger hier eingebürgert. Mehr Einbürgerung  geht nicht.

Julia, 30, Projektingenieurin
(Bild: Melanie Schwab)

Julia badet im Pflanzenmeer. Stachel- und Johannisbeeren buhlen um ihre Aufmerksamkeit, Bohnen und Rucola flattern im Wind um die Wette, Ringelblumen und Talglilien raunen ihr von allen Seiten des Trampelpfades zu: Wer ist die Schönste im ganzen Land? Ja mei, was für eine Frage. Die Bayernkiwi natürlich.

Meine halbe Kindheit habe ich hier verbracht. Ich habe mit Matsch und Unkraut „gekocht“, in Mauerritzen mit Lego und Playmobil gespielt und von allem genascht, was gerade reif war. 

Mit meinem Vater habe ich mich manchmal auf eine kleine Bank gegenüber einer Trockenmauer gesetzt und ganz leise gewartet, bis die Mäuse aus den Löchern kamen und ihnen dann beim Herumhuschen zugeschaut. Später habe ich dann eigene Gartenfeste gemacht mit Sonnenbaden, Grillen und Stockbrot am Lagerfeuer. Ich habe hier viele Lieblingsorte.

Nirgends kann ich so gut abschalten wie im Garten. Ohne Strom und mit schlechtem Empfang liest man eher ein Buch als im Internet zu surfen. 

Die Zeit läuft langsamer.

Der Garten bedeutet mir sehr viel. Ein Stück Heimat, das immer da ist – eine Zuflucht, die ich nicht verlieren will. 

Damit der Garten nicht verwildert, muss er gehegt und gepflegt werden. Zurzeit übernehmen das vor allem meine Eltern, irgendwann werde ich das machen. Das bedeutet Arbeit und räumliche Gebundenheit. Wie ich das beruflich und zeitlich in Einklang bringe, wird sich erst zeigen müssen.

Und wie sieht es mit deinen Gartenkenntnissen aus?Erkennst du dieses Gemüse?



Haha

Wenn Gollum die Tweets von Donald Trump vorliest

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