Bild: Leon Neal / Getty Images

Fliegen ist schlecht fürs Klima – klar. Laut neuen Zahlen des Emissionshandelssystems der EU ist jetzt sogar erstmals eine Fluggesellschaft unter den zehn Unternehmen, die in Europa am meisten Treibhausgase ausstoßen. 

Billigflieger Ryanair belegt den zehnten Platz des Klimasünder-Rankings. 

Im Vergleich zum Vorjahr steigerte Ryanair seine Emissionen um knapp sieben Prozent, in den letzten fünf Jahren um fast 50 Prozent

Die ersten neun Plätze des Rankings gehen an Braunkohlekraftwerke, sieben davon in Deutschland. Danach folgen weitere Kraftwerke, die Ryanair überholt hat. (Sandbag)

Woher stammen die Zahlen? 

Firmen in der Europäischen Union müssen angeben, wie viele Tonnen Treibhausgase sie ausstoßen. Liegen sie über einem bestimmten Wert, müssen sie Zertifikate kaufen - sonst drohen Strafen. Liegen sie drunter, können sie Zertifikate verkaufen. So will die Europäische Union den Klimawandel bremsen. Die Daten sind öffentlich. (EU Emissions Trading System)

Der Flugverkehr ist insgesamt für etwa drei Prozent der europäischen Emissionen verantwortlich. Die von Flugzeugen ausgestoßene Menge an Treibhausgas könnte sich jedoch bis 2050 um bis zu 700 Prozent steigern, weil der Sektor immer weiter wächst. (Guardian)

Was kann man dagegen tun?

Klar, du und ich könnten – und sollten – aufhören, so viel zu fliegen. Besonders, wenn es um kürzere Strecken geht, die sich auch mit anderen Verkehrsmitteln zurücklegen lassen. Wenn man dann doch mal fliegt, könnte man die Emissionen per Spende an Klimaprojekte ausgleichen, bei Anbietern wie Atmosfair oder Myclimate

Das wird aber alles nichts nutzen, solange Flüge oft weniger kosten als ein Mittagessen zu zweit

Die Politik muss aufhören, die Verantwortung für Klimaschutz auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abzuwälzen. Sie muss Bedingungen schaffen, in denen es sich lohnt, auf klimafreundlichere Fortbewegungsmittel umzusteigen.

Fliegen muss wieder Luxus werden!

Denn Ryanair kann es sich nur leisten, dich für unter 20 Euro durch Europa zu jetten, weil der Flugverkehr im Vergleich zu anderen Fortbewegungsmitteln massive Steuervorteile genießt. 

Der Flugzeugtreibstoff Kerosin ist seit einem internationalen Abkommen von 1944 steuerfrei. Das Ziel war damals – noch während des Zweiten Weltkriegs –, "die Freundschaft und Verständigung unter den Völkern und Nationen dieser Erde zu schaffen und zu bewahren". Das klingt heute zwar völlig aus der Zeit gefallen, die Steuerfreiheit gilt jedoch immer noch. Zudem wird auf Tickets für internationale Flüge keine Mehrwertsteuer erhoben. (Freitag)

Das Umweltbundesamt fordert seit Jahren, diese indirekten Subventionen zu streichen, passiert ist bisher trotzdem nichts. (SPIEGEL ONLINE)

Die Schweiz plant gerade eine andere Möglichkeit, die Preise zu erhöhen. Bei Starts von Schweizer Flughäfen sollen pro Flugticket mindestens 20 Franken (derzeit 17,87 Euro) Klimaabgabe erhoben werden. Bei längeren Reisen und in der Business Class und ersten Klasse erhöht sich die Abgabe noch einmal deutlich. 

Preiserhöhungen kommen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern meistens schlecht an. Flugtickets sind aber so absurd günstig, dass sogar die, die sie bezahlen müssen, noch vor der Politik verstanden haben, dass sich etwas ändern muss. In einer repräsentativen Umfrage aus dem März 2019 fanden 55 Prozent der Befragten, dass Flugreisen zu billig seien. (Welt)

Die EU-Umweltministerinnen und -minister diskutierten Anfang März immerhin über eine EU-weite Steuer auf Flugreisen. Die deutsche Amtsinhaberin Svenja Schulze (SPD) verwies darauf, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bald ein Konzept zur CO2-Einsparung im Verkehr vorlegen müsse. Sie könne sich "vorstellen, dass auch der Flugverkehr da eine wichtige Rolle spielen wird." (SPIEGEL ONLINE

Diese vage Aussage wirkt angesichts der Dringlichkeit des Problems geradezu lächerlich. Das Problem ist seit Jahren bekannt, es muss jetzt etwas passieren. 

Damit wir gar nicht mehr in Versuchung kommen, mal eben übers Wochenende irgendwo hinzujetten.


Grün

Das hilft keinem Schwein – die neuen Tierhaltungs-Labels im Supermarkt sind nur Heuchelei

Ein halbes Kilogramm Hackfleisch für 1,79 Euro. Wie kann das eigentlich sein? Ab jetzt finden Kunden und Kundinnen bei den größten Supermarkt-Ketten, wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl, ein einheitliches Label, das beschreibt, woher Fleisch kommt, und unter welchen Bedingungen ein Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde.

Mit diesem freiwilligen Label kommen die Supermärkte dem Bundeslandwirtschaftsministerium zuvor, das einen ähnlichen, staatlichen Aufdruck für das Jahr 2020 angekündigt hat (Westfälische Rundschau).

Die meisten Supermärkte arbeiten schon seit Längerem mit eigenen Labels, um die Kunden über Haltungsstandards der Tiere zu informieren. Das neue einheitliche Siegel soll es nun einfacher machen, genau das Fleisch zu kaufen, das man wirklich möchte, egal in welchem Supermarkt. Das Stichwort ist Transparenz.

Auf dem Papier eine gute Idee – bei genauerem Hinsehen wird aber deutlich: 

Die neuen Labels sind nur eines: Eine Marketing-Kampagne der Supermärkte.

Die vier Stufen nennen sich bei vielen Anbietern nun "Stallhaltung", "Stallhaltung Plus", "Außenklima" und "Premium". Nette Namen für eine katastrophale Haltung der Tiere, die mit dem Wort "artgerecht" nichts zu tun hat.

Die mit Abstand billigste Form der Fleischproduktion ist die Stallhaltung. Hier gelten die Minimalvorgaben der Regierung (Landwirtschaftsministerium). 

Das bedeutet: Einem Mastschwein steht bis zu seiner Schlachtung mit ungefähr 110 Kilogramm Gewicht ein Lebensraum von 0,75 Quadratmetern zu. Eine Grundfläche, die kleiner ist als die eines Dixie-Klos. Bei einem Rind oder einem Bullen sind es bei einem Gewicht von 150 bis 220 Kilogramm zwischen 1,5 und 1,8 Quadratmetern Stallfläche, also etwa so viel wie ein Bett für einen Menschen.

Bei Hühnern werden die Vorgaben nicht mehr in Tieren, sondern in Kilogramm pro Quadratmeter Bodenfläche angegeben. 

Maximal 39 "Kilogramm Hühner" dürfen laut der Vorgaben des Labels in Stallhaltung pro Quadratmeter leben. Das entspricht ungefähr 26 bis 28 Tieren, bei einem typischen Schlachgewicht zwischen 1,4 und 2,2 Kilogramm.

Klar, wer billiges Fleisch kauft, muss auch damit rechnen, dass es zu einem möglichst günstigen Preis hergestellt wurde. Aber auch wenn man das teurere Fleisch der anderen Kategorien kauft, bedeutet es noch lange nicht, dass die Tiere ein erfülltes Leben hatten.

Auch die zweite Kategorie der Labels stellt alles andere als eine artgerechte Haltung dar. Tiere aus der Kategorie "Stallhaltung Plus" hatten etwa zehn Prozent mehr Platz zum Leben und ein Anspruch auf "organisches Beschäftigungsmaterial". Das ist nichts anderes als Stroh oder Picksteine. Offenbar reicht das schon aus, um eine neue Kategorie der Tierhaltung einzuführen.

Die dritte Stufe "Außenklima" suggeriert eine grüne Weide, auf der die Tiere grasen und ein friedliches Leben führen können.

An dieser Vorstellung ist aber nicht viel dran. Tiere aus "außenklimatischer" Aufzucht haben bis zu ihrer Schlachtung vermutlich ebenso wenig in der Sonne gelegen, wie ihre Artgenossen aus der Stallhaltung. Für Mastschweine bedeutet "Außenklima" nämlich keine grünen Wiesen, das Tier soll "Außenklimareize" bekommen, also frische Luft und Sonneneinstrahlung durch eine offene Seite des Stalls.

Eine solche Beschreibung ist nichts Anderes als die Irreführung des Kunden, der eigentlich darauf achten will, Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen. 

Aber all das steht natürlich nicht auf der Verpackung.