Bild: dpa/Christoph Schmidt

Die Plastiktüte verschwindet aus Deutschland. Der deutsche Einzelhandel hat sich verpflichtet, Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr abzugeben, um den Verbrauch zu drosseln. Wer heute zum Beispiel bei H&M oder Media Markt einkauft, muss zwischen fünf und 50 Cent für eine Tüte bezahlen – je nach Größe. Tragetüten für lau gibt es kaum noch.

Warum verlangen viele Unternehmen plötzlich Geld für Plastiktüten?

So plötzlich kam die Gebühr gar nicht: Einige Ketten in Deutschland verlangen schon seit Jahren eine Gebühr für Plastiktüten, andere ziehen nun nach. Der Deutsche Handelsverband hat die Initiative im Februar ins Leben gerufen – 60 Prozent aller Plastiktüten sind nun bereits kostenpflichtig. Innerhalb von zwei Jahren sollen es 80 Prozent sein. (einzelhandel.de)

Müll im Überfluss. Wie das in der Kunst aussieht:
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Warum macht der Handel das?

Die Europäische Union (EU) will mit Rücksicht auf die Natur den Verbrauch von Kunststofftüten in der gesamten Union reduzieren (Meldung des EU-Parlaments). Dafür gibt sie zwei Ziele vor:

  1. Der Verbrauch von derzeit knapp 200 pro Kopf und Jahr soll auf 40 ab dem Jahr 2025 reduziert werden.
  2. Oder: Plastiktüten sollen ab Ende 2018 nur noch kostenpflichtig ausgegeben werden, wenn keine anderen Maßnahmen greifen.

Wenn nun der Einzelhandel gleich selbst auf den Verkauf umstellt, dann vor allem in der Hoffnung, so Gesetze und Regeln verhindern zu können. Denn die könnten am Ende viel strenger ausfallen, als es die beiden Ziele jetzt vermuten lassen. Und noch viel wichtiger: Der Verkauf der Plastiktüten ist bislang ein reiner Gewinn für die Unternehmen – eine Zwangspauschale hingegen würde in die Staatskasse fließen. Media Markt & Co. hätten dann den Aufwand, aber Deutschland die Knete.

Wie verhält sich Deutschland zu dem EU-Anliegen?

Die Bundesregierung will erstmal kein Gesetz beschließen. Zum einen, weil sich ja der Handel selbst schon Beschränkungen auferlegt hat. Zum anderen, weil Deutsche schon relativ sparsam sind. Jeder lässt sich pro Jahr gut 70 Tüten mitgeben. Im EU-Spitzenreiter Portugal kommen hingegen 400 Tüten pro Jahr auf eine Person. (tagesschau.de)

Wie schlimm ist Plastik?

Schon die Produktion von Plastik ist umweltschädlich: Für ein Kilo Plastik werden zwei Liter Öl verbraucht. Schlimmer noch ist der Müll, der übrig bleibt. Plastik lässt sich zwar recyclen – mehr als die Hälfte wird jedoch stattdessen verbrannt. In Deutschland hat sich die Menge an Kunststoffabfall nach Angaben des Naturschutzverbandes BUND zwischen 1994 und 2013 nahezu verdoppelt. (BUND)

In den meisten Ländern der Erde wird Plastikmüll noch nicht mal verarbeitet – sondern bleibt in Halden liegen oder findet seinen Weg in Flüsse und schließlich in die Weltmeere. Afrikanische und arabische Länder, vor allem aber China und die südostasiatischen Länder sind die traurigen Vorreiter im Erzeugen von Plastikmüll. ("Science")

Welche Initiativen gibt es gegen Plastikmüll in den Meeren?


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