Bild: Daniel Bockwoldt / dpa
Aber du bist aus Plastik

Erstmal klingt die Nachricht gut: Mehr als 290 Konzerne haben ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie die Reduzierung von Plastikmüll und mehr Recycling versprechen, ganz freiwillig. Eine britische Stiftung hat das New Plastics Economy Global Commitment zusammen mit den Vereinten Nationen entworfen. Die Stiftung von Weltumseglerin Ellen MacArthur setzt sich für eine Kreislaufwirtschaft ein. Ende Oktober wurde das Abkommen auf Bali vorgestellt.

Gegenüber bento kritisieren zwei Umweltverbände das Abkommen aber – es geht ihnen nicht weit genug

Was versprechen die Konzerne?

  • Verringern: Sie wollen unnötige Verpackungen vermeiden und von Einweg- auf Mehrweg-Verpackungen umstellen.
  • Neuerungen einführen: Bis 2025 sollen alle Plastikverpackungen wiederverwendet, recycelt oder kompostiert werden können.
  • Zirkulieren: Das produzierte Plastik soll wesentlich häufiger wiederverwendet, recycelt oder zu neuen Verpackungen oder Produkten verarbeitet werden.

Die Ziele des Abkommens sollen alle anderthalb Jahre geprüft und "zunehmend ambitionierter" werden. Die Unternehmen wollen jährlich über ihren Fortschritt berichten.

Wer macht alles mit?

Insgesamt haben zum Start über 290 Unternehmen das Abkommen unterzeichnet. Diese Konzerne produzieren nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation 20 Prozent aller Plastikverpackungen weltweit. Auch auf der Liste: H&M, Coca Cola, Pepsi, L'Oreal und Unilever

Und - bringt das was?

Wir haben zwei Umweltverbände gefragt, was sie von der Aktion halten. Sandra Schöttner ist Meeresbiologin und arbeitet für Greenpeace Deutschland. Sie war Teil einer großen Greenpeace-Delegation, die bei der Unterzeichnung des Abkommens auf Bali vor Ort war. Sie will die Vereinbarung "nicht komplett verteufeln", findet aber, dass es den Konzernen noch viel zu viel Spielraum lässt.

Es konzentriert sich nur auf Recycling und nicht auf die Reduzierung. Wenn es so weiter geht, wird sich die Plastikproduktion in den nächsten 20 Jahren verdoppeln.
Sandra Schöttner, Greenpeace Deutschland

Außerdem sei Recycling nicht immer wirklich umweltfreundlich, weil nicht alle Kunststoffe nachhaltig recycelt werden könnten, so Schöttner. Sie fordert: "Wir brauchen konkrete und verpflichtende Ziele, um Einweg-Kunststoffe zu reduzieren." Grundsätzlich seien Selbstverpflichtungen von Unternehmen zwar "besser als gar nichts". Im Vergleich zu gesetzlichen Regelungen seien sie aber nicht viel wert: Unternehmen könnten schließlich jederzeit wieder aussteigen. 

Deutlicher wird Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe: Man könne von "Greenwashing und der Verhinderung wirksamer gesetzlicher Regelungen" sprechen. Er unterstellt den Unternehmen, solche Abkommen nur aus Angst vor der Plastikverboten abzuschließen. 

So weit hergeholt sind die Sorgen nicht: Die Europäische Union ist gerade dabei, Einweg-Plastikgeschirr abzuschaffen. "Unternehmen wie Coca-Cola, Danone, Nestle oder Pepsi treiben solche Regelungen den Schweiß auf die Stirn, weil sie befürchten müssen, dass weitere Regelungen folgen könnten", sagt Fischer.

Freiwillige Vereinbarungen sind ein Instrument, um der Politik und breiten Öffentlichkeit vorzutäuschen, dass man Probleme selbst lösen will und kann.
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe

Besonders einem Unterzeichner des Abkommens kauft Schreiber die Sorge um die Umwelt nicht ab: "Es ist ein Skandal, dass sich ausgerechnet Coca-Cola als ein um die Weltmeere besorgtes Unternehmen darstellt."

Für Fischer und die Umwelthilfe ist der Konzern mit dafür verantwortlich, dass die Mehrweg-Quote bei Getränken in Deutschland auf 43 Prozent gesunken ist. Früher waren es mal 70 Prozent, doch dann kamen die Plastik-Einwegflaschen. Er fordert deshalb gesetzliche Regelungen für weniger Plastikabfälle. (FR)

Konzerne wollen etwas gegen Plastikmüll tun – aber Umweltverbände glauben, dass die Selbstverpflichtung nicht reicht und die Politik stattdessen jetzt strenge Regeln vorgeben muss.


Food

Alle wollen nur noch schlafen: Was bringt das "Sonnenvitamin" D?

Müde, schlapp, ausgelaugt – wegen der herbstlichen Dunkelheit fühlen sich viele von uns ab November nicht mehr so fit wie im Sommer. Und wenn man der Pharma-Industrie glaubt, dann liegt das vor allem an einer Sache: 

Vitamin-D-Mangel. 

Dieses "Wundervitamin" soll nicht nur die Knochen stärken sondern auch gegen Müdigkeit helfen, Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen und uns vor Diabetes und Krebs schützen. Das Problem: Im Gegensatz zu anderen Vitaminen nehmen wir Vitamin D nur zu einem kleinen Teil über die Nahrung auf. Bis zu 80 Prozent bildet unser Körper in der Haut hingegen selbst – und zwar mithilfe von Sonnenlicht. Im Winter nimmt unsere körpereigene Vitamin D-Produktion also automatisch ab. 

Um dem entgegenzuwirken, greifen immer mehr Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Für Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D haben Deutsche im Jahr 2017 allein in Apotheken rund 177 Millionen Euro ausgegeben. 

Aber was bringen Vitamin D Präparate wirklich? Und warum sind Nahrungsergänzungsmittel eigentlich so gefragt? Das haben wir bei Helmut Schatz nachgefragt – er ist Direktor a.D. der Medizinischen Klinik Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.