Bild: The Ocean Cleanup
Sechs Fragen und Antworten zum jungen Umweltschützer und seinem Projekt

Der Plastikmüll in den Ozeanen ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Doch nun setzt sich ein 24-Jähriger für die Säuberung der Meere ein: Boyan Slat hat ein Konzept entworfen, das das Müllproblem in den Meeren lösen könnte.

Wer ist Boyan Slat?

Slat ist Niederländer. Er ist 1994 geboren und hat bis Anfang 2013 Luftfahrt-Ingenieurwesen studiert. Seit dem hat er sich der Rettung der Meere verschrieben. Er gründete sein Start-Up "Ocean Clean Up" und kämpft seit dem für plastikfreie Ozeane.

Um seine Idee umzusetzen, hat er in den vergangenen Jahren über 27 Millionen Euro gesammelt, wie Focus Online berichtet. Lange hat er an der Umsetzung getüftelt, und hat dafür zahlreiche Preise erhalten. Die Vereinten Nationen zeichneten ihn 2016 mit dem "Champion of the Earth"-Award aus, der höchsten Auszeichnung für Umweltschutz. 

Warum setzt sich Slat so sehr für den Umweltschutz ein?

In einem Interview berichtet er, er sei auf das Plastikmüll-Problem zum ersten Mal gestoßen, als er mit 16 Jahren in Griechenland beim Tauchen war. Damals hielt er die Plastikteile zunächst für Fische und fragte sich, als er erkannte, dass es Plastik ist, warum niemand etwas gegen den Müll unternimmt. Seit dem informierte er sich über das Problem und dachte über Lösungen nach.

So gründete er 2013 sein Start Up. Die Stiftung beschäftigt mittlerweile 70 Angestellte. Dazu kommt noch ein wissenschaftlicher Beirat mit Professorinnen für Ozeanografie und andere Fachrichtungen.

Was hat Slat vor, um den Plastikmüll aus den Meeren zu holen?

Das System, das er zusammen mit seinen Kollegen entwickelt hat ist so simpel, wie kompliziert: Zwischen zwei Bojen wird eine insgesamt 600 Meter lange, biegsame Röhre gespannt. Von dieser Röhre hängt der sogenannte "Vorhang" nach unten ins Wasser. So kann der Müll weder über die Röhre, noch darunter her schwimmen.

Durch die Strömung, Wind und Wellen werde sich ein "U" bilden, so die Hoffnung der Forscher. In dieser künstlichen Bucht sammelt sich der Müll. Durch Sensoren wird dann signalisiert, wann sich genug Müll angesammelt hat. Alle sechs bis acht Wochen soll dann der Müll mit einem Schiff aus dem Wasser gesaugt und an Land gebracht werden. Dort wird er recyclet.

Dieses Video zeigt, wie das funktionieren soll:

Wo wird das System eingesetzt?

Zuerst wollen sich Slat und sein Team ein riesiges Müllfeld im Pazifik vornehmen. Das sogenannte "Great Pacific Garbage Patch" ist ungefähr dreimal so groß wie Frankreich, rund 1,6 Millionen Quadratkilometer. 

Slat hat ausgerechnet, dass die Konstruktion innerhalb von fünf Jahren knapp 50 Prozent des Plastikmülls aus dem Pazifik fischen könnte.

Sollte das System diesen ersten Härtetest bestehen, wäre es möglich, es bald in allen Meeren auf der ganzen Welt einzusetzen. 

(Bild: The Ocean Cleanup)

Funktioniert das?

Darüber streiten viele Experten. Die meisten begrüßen es, dass Slat sich so für seine Idee einsetzt, um die Entwicklung in diesem Bereich weiter voranzutreiben. Einige glauben aber, er werde kaum Erfolg damit haben. Zwar sei die Konstruktion genau durchdacht, allerdings sei sie ineffizient, sagte der Forscher Marcus Eriksen dem Sciencemag.

(Bild: The Ocean Cleanup)

Das Problem sei, dass viele sich vorstellen würden, der Müll auf den Meeren würde sehr konzentriert und auf vergleichsweise kleinen Flächen schwimmen. Dem sei aber nicht so. Eriksen betont: "In manchen Teilen des Meeres kommt auf einen Quadratkilometer ein Plastikteil." Somit sei es ein unmögliches Unterfangen, den gesamten Plastikmüll aus den Meeren zu entfernen. 

Eriksens Meinung nach, sei das Ocean Clean Up Projekt nur Ablenkung von dem eigentlichen Problem: Man müsse verhindern, dass mehr Plastik in die Meere gelangt.

Warum ist das Projekt überhaupt so wichtig?

Im Meer treibt unglaublich viel Plastikmüll. Von Tüten, über Flaschen, bis hin zu sehr kleinen Teilchen. Laut Ocean Clean Up sind es etwa fünf Billionen Einzelteile. Daran sterben etwa 100.000 Meeressäuger und Vögel, weil sie Plastik fressen und sich vergiften oder sich in Netzen verfangen, berichtet der Deutsche Naturschutz Bund

(Bild: The Ocean Cleanup)

Doch der Tod der Tiere ist nicht das einzige Problem. Plastik braucht unglaublich lange, bis es zersetzt ist. Bei dieser Zersetzung werden viele Giftstoffe frei und gelangen in die Nahrungskette. Die Folge können Schäden im Hormonhaushalt oder in der Erbmasse von Tieren sein. 

Genau diese Folgen will Boyan Slat jetzt verhindern.


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