Bild: Pete Bellis / Unsplash
Was soll das? 4 Fragen, 4 Antworten

Pelz hat einen sehr schlechten Ruf – aus gutem Grund: In meist extra für das Luxusgut angelegten Farmen werden die Tiere häufig unter schlimmen Bedingungen gehalten, bevor ihnen qualvoll das Leben genommen und das Fell abgezogen wird. Heimliche Aufnahmen von Tierschützern sind nur schwer zu ertragen. Wer es versuchen will, kann sich dieses Peta-Video ansehen. 

In Deutschland gibt es – auch dank lauter Proteste – inzwischen nur noch eine große Pelzfarm (Vier Pfoten). Trotzdem werden weiter Pelze aus Ländern wie China oder Polen importiert, in denen die Herstellung dieser Produkte nach wie vor erschreckend ist.

Nun soll ein deutschlandweites Projekt das Image des Pelzes verbessern. Aber ist das eine gute Idee?

Worum geht es?

Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat eine Tochtergesellschaft gegründet. Die "Fellwechsel GmbH" soll nun in Deutschland Pelze herstellen – aber nicht so, wie es auf den Pelzfarmen geschieht, sondern eigenen Aussagen zufolge "nachhaltig".

Das soll so ablaufen:

  • Jäger erlegen wie bisher nach den gesetzlichen Vorschriften Tiere – und dürfen nun Füchse, einige Marderarten, Waschbären, Bisams, Minks, Iltisse und Nutria an "Fellwechsel" abgeben. Dafür bekommen die Jäger Geld.
  • Von den etwa 260 Abgabestellen werden die Tierkadaver dann tiefgefroren nach Rastatt in Baden-Württemberg transportiert.
  • Dort kommen die Felle der Tiere in die neue Abbalgstation. So nennt man einen Ort, ab dem Felle abgezogen werden. Nachdem dies geschehen ist, werden die Felle noch geprüft und mit einer Kennnummer registriert.
  • Danach gehen sie an deutsche Gerber und Kürschner, die daraus Kissen, Jackenkragen, -futter oder Taschen herstellen.
  • Geld soll "Fellwechsel" dann durch Auktionen verdienen, auf denen die Felle an Pelzhändler versteigert werden. Auch im Online-Shop des DJV soll es die Pelzwaren geben.
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Warum soll das gut sein?

Jedes Jahr erlegen Jäger in Deutschland mehrere Millionen Wildtiere. Laut offizieller Statistik des Jagdverbandes waren es im Jagdjahr 2016/2017 gut vier Millionen – darunter nicht nur Tiere mit Fell, sondern auch Wildschweine und Vögel.

Rechnet man die für das Projekt "Fellwechsel" infrage kommenden Tierarten zusammen, wären das 2016/2017 etwa 660.000 Tiere gewesen. Ihr Fell wurde allerdings nicht weiter verwendet: "Bislang wurden nur etwa zehn Prozent der Felle von Tieren aus der Jagd nachhaltig genutzt", sagt DJV-Sprecher Reinwald. Der Rest landet meist im Müll

Das will der DJV mit dem Projekt ändern. Wenn schon Tiere töten, dann immerhin die dabei entstehenden Ressourcen weiterverwenden.

Fell aus heimischer Jagd wird bei uns verarbeitet - kein Fell aus Massentierhaltung, kein Tier aus Qualhaltung.
Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband

Langfristig soll "Fellwechsel" das Fell von etwa hundert Tieren pro Tag weiterverwenden und auf den Markt bringen. "Ab 7000 bis 10.000 Fellen pro Jahr rechnet sich das", sagt Frederik Daniels, Leiter der Abbalgstation in Rastatt. 

Ein Kunde der Station ist die Blaser Jagdwaffen GmbH aus Isny im Allgäu. Sie verzichtet eigenen Angaben zufolge bewusst auf Importfelle und bietet im Herbst drei Jackenmodelle mit Pelz aus Rastatt an. Die Chefin von Blaser Outfits sagt: "Eine sinnvolle und nachhaltige Verwendung natürlicher Ressourcen ist uns ein Anliegen."

Was sagen Tierschützer dazu?

Sie haben wenig Verständnis. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie die Jagd an sich bereits ablehnen. Es sei weder nachhaltig noch notwendig, Wildtiere zu töten, heißt es auf den Websites vieler Tierrechtler und Umweltschutz-Organisationen. (Hier eine Anti-Jagd-Liste von Peta.) 

Die Jagd an sich füge Tieren schon unnötiges Leid zu, findet Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Für sie sind sogenannte Ökopelze:

Nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere.
Lea Schmitz, Deutscher Tierschutzbund

Denn auch für diese Pelze müssten Tiere sterben. Außerdem würden etwa beim Gerben keinesfalls nur natürliche Stoffe eingesetzt, wie es auf der Website von "Fellwechsel" heißt.

Und überhaupt: Normalisiert man Pelz nicht durch das Tragen von Fellen in der Öffentlichkeit – so dass wiederum die Nachfrage nach Pelz steigen könnte?

Wenn Menschen ohnehin Pelz kaufen – ist es dann nicht besser, ihn auf diese Art zu produzieren?

Immerhin stammen in deutschen Wäldern erlegte Tiere aus freier Wildbahn und nicht aus Pelzfarmen in Ländern wie China oder Polen. Die Hoffnung des DJV: Käufer von Pelzprodukten sollen dank "Fellwechsel" ein gutes oder zumindest besseres Gefühl haben als beim Erwerb von Billigpelzen.

Könnte das Projekt nicht helfen, den Verbrauch der mit großem Tierleid erkauften Pelze zu verringern?

Der Deutsche Tierschutzbund bezweifelt das. Die meisten Kunden griffen weiter zu den günstigen Jacken mit Echtfellkragen oder Mützen mit Echtfellbommeln aus China und nicht zur teureren Jacke mit echtem Fuchsfell aus heimischen Gefilden – davon ist Sprecherin Schmitz überzeugt. 

"Solange Verbraucher sich auf Billigware stürzen, hat Fell aus nachhaltiger Haltung keine Chance", sagt auch DJV-Verbandssprecher Reinwald.

Mit Material von dpa


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