Bild: Flickr: PV KS - CC BY 2.0

Palmöl hat in der westlichen Welt ein denkbar schlechtes Image. Der Anbau zerstört die Natur und nimmt bedrohten Tierarten wie den Orang-Utans, Nashörnern und Elefanten den Lebensraum, sagen Umweltschützer von Greenpeace.

In Italien ist jetzt ein Kampf um die ökologische Wahrheit entbrannt. Während etliche Unternehmen wie der Nahrungsmittel-Konzern Barilla ihre Produkte künftig ohne Palmöl produzieren, wirbt der Süßwaren-Riese Ferrero ganz offensiv für ebendiesen Rohstoff. ("Süddeutsche Zeitung")

Rückendeckung bekommt Ferrero von ungewöhnlicher Stelle. Der World Wide Fund for Nature (WWF) warnte in der kürzlich veröffentlichten Studie "Auf der Ölspur" vor einem Boykott des umstrittenen Öls. Die Alternativen wie Soja- und Kokosnussöl seien für die Umwelt noch katastrophaler. ("Die Zeit") Nutella freute sich über das Lob:

Doch so einfach ist es nicht. Was steckt hinter der WWF-Studie und wie gefährlich ist Palmöl nun wirklich? Ein Überblick:

Was ist Palmöl überhaupt?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Auf 17 Millionen Hektar – fast ausschließlich in Indonesien und Malaysia – werden jährlich mehr als 60 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent gehört Palmöl zu den begehrtesten Pflanzenölen weltweit. Die größten Abnehmer: China, Pakistan und die Europäische Union. (WWF)

Und wo steckt es drin?

Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff für ganz unterschiedliche Industriezweige. In Deutschland werden pro Jahr etwa 1,8 Millionen Tonnen verbraucht. Ein großer Anteil wandert in die Produktion von Biodiesel und in das Futter der Masttiere.

Aber auch in jedem zweiten Produkt im Supermarkt findet sich das umstrittene Pflanzenöl. Ob Margarine, Pizza, Süßigkeiten, Kosmetika oder Waschmittel – etliche Dinge, die wir täglich benutzen, sind mit Palmöl angereichert. (WWF)

Warum ist sein Ruf so schlecht?

So groß der Nutzen, so groß auch die Kritik: Seit Jahren warnen Umweltschützer und Experten vor dem maßlosen Anbau. Um den ständig steigenden Bedarf an Palmöl zu decken, werden gigantische Regenwaldflächen abgeholzt und Moore trockengelegt. Die Folge: Waldbrände und erhöhte Treibhausgase. Gleichzeitig verlieren bedrohte Tierarten ihren Lebensraum. Auch die Ausbeutung der Arbeiter auf den Plantagen gerät immer wieder in die Kritik.

Hier ein paar Zahlen:

  1. Die Abholzung der Regenwälder führt dazu, dass Indonesien mittlerweile der drittgrößte CO2-Emittent weltweit ist (Rettet den Regenwald e. V.).
  2. Jeden Tag gehen etwa 20 Quadratkilometer Wald verloren. Pro Stunde entspricht das einer Fläche von 100 Fußballfeldern (Greenpeace).
  3. In Sumatra leben nur noch 14.600 Orang-Utans in freier Wildbahn (Max-Planck-Gesellschaft). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es noch 85.000 (WWF).
Warum verzichten wir nicht einfach auf Palmöl?

So einfach ist das nicht. Der WWF schreibt in seinem Bericht:

"Der Ersatz von Palmöl durch andere tropische Pflanzenöle würde nicht zu den gewünschten Zielen führen. Das Problem wird nur verlagert und teilweise sogar verschlimmert."
WWF

Tatsächlich ist Produktion von Palmöl trotz ihres schlechten Rufes vergleichsweise sparsam was den Flächenbedarf anbelangt. Pro Hektar liegt der Ertrag bei 3,3 Tonnen Öl. Für die gleiche Menge Soja- oder Kokosnussöl bräuchte man deutlich mehr Anbaufläche. Dies wiederum sei noch schlechter für die Ökobilanz – wir hätten also noch größere Probleme als zuvor mit dem Anbau von Palmöl.

Noch mehr Umweltschutz:

Sollen wir uns also mit dem kleineren Übel abfinden?

Weder der WWF noch Greenpeace setzen sich für einen leichtfertigen Anbau von Palmöl ein. Aber eben auch nicht für einen völligen Boykott. Die Umweltschützer fordern allerdings eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion.

Etliche Konzerne, unter anderem auch Ferrero, sind mittlerweile Mitglied bei Organisationen, die sich für den nachhaltigen Anbau von Palmöl engagieren. So setzt beispielsweise der "Roundtable on Sustainable Palm Oil" ökologische Standards fest. Wer sie einhält, darf seine Produkte speziell kennzeichnen. Die entsprechenden Zertifizierungssysteme findest du hier.

Was können wir noch tun?

Wie ökologisch in fernen Ländern produziert wird, hängt letztlich auch von unserem Konsum ab. Laut WWF-Studie könnte Deutschland seinen Palmöl-Verbrauch um 50 Prozent kürzen.

Dafür müsste zum einen die Industrie auf Palmöl als Biokraftstoff verzichten. Zum anderen wären auch wir als Verbraucher in der Pflicht: Wir könnten unseren Konsum einschränken indem wir auf unsere Ernährung achten. Das meiste Palmöl wird nämlich in der Produktion von Schokolade und Fertiggerichten verwendet. Auch in Nutella.

Mehr zum Thema Umweltschutz auf bento findet ihr hier.

Streaming

Eddie Redmayne, was wäre, wenn du zaubern könntest?
Eddie, wenn du tatsächlich zaubern könntest, was würdest du mit dieser Fähigkeit als erstes anfangen?

Wenn ich so nach Amerika blicke, dann würde ich wohl vermutlich als erstes mal einen gewissen Wahlausgang ungeschehen machen. Wie vermutlich sehr viele es sich dieser Tage wünschen.