Rindfleisch oder Avocado, Glas oder Plastik? Unser großer Nachhaltigkeits-Check

Nachhaltig einkaufen und leben wollen viele. Aber wie es richtig geht, ist umstritten: Sind Verpackungen aus Glas oder Plastik besser? Sollten wir die eingeschweißte Bio-Gurke kaufen oder lieber die konventionelle, die immerhin unverpackt ist? 

Wir haben nachgefragt: Bei Nils Rettenmaier, Experte für Ernährung und Biomasse am Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, und bei Benedikt Kauertz, der sich dort mit der Umweltbewertung von Verpackungen beschäftigt.

Was haben wir in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz eigentlich selbst in der Hand?

Der Planet wird immer wärmer, Brasiliens Präsident will den Regenwald abholzen, Plastik verdreckt die Meere. Können wir da mit unseren kleinen Entscheidungen überhaupt etwas bewirken? Ja – sagt Nils Rettenmaier. "Die Ernährung hat einen relevanten Anteil an den Treibhausgas-Emissionen eines Bundesbürgers: etwa 15 Prozent", erklärt er. "Pro Kopf liegen die Emissionen bei durchschnittlich etwa 11,6 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr – davon macht die Ernährung im Durchschnitt etwa 1,74 Tonnen aus." Natürlich ist die Bandbreite dabei groß: Wer sich extrem fleischlastig ernährt, hat höhere Werte als bewusste (und vielleicht sogar vegane) Bio-Käufer.

Mindestens genauso wichtig ist übrigens unser Reiseverhalten. "Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, aber dann mehrmals pro Jahr fliegt, macht die Vorteile schnell wieder zunichte", sagt Rettenmaier. (Hier kann jeder den eigenen CO2-Ausstoß in einem Jahr errechnen: CO2-Rechner)

Was ist nachhaltiger: Deutsche Äpfel aus dem Lager oder frische aus Neuseeland?

Wenn wir im Sommer unbezwingbare Lust auf Äpfel haben: Ist Lagerware aus Deutschland dann die beste Wahl? "Nach unseren Berechnungen sind gelagerte Äpfel bis weit ins Folgejahr besser als importierte Äpfel aus Neuseeland", sagt Rettenmaier. Die Saison geht von etwa August bis November, danach müssen Äpfel gekühlt aufbewahrt werden. 

In den ersten Monaten des Folgejahres sind die deutschen Äpfel dann nachhaltiger. Aber irgendwann kippt das Verhältnis, im Juni kommt ein deutscher Apfel dann vermutlich schlechter weg als die neuseeländische Alternative – denn dann musste er bereits über ein halbes Jahr gelagert werden. In dieser Situation könnte der weite Transportweg die nachhaltigere Alternative sein. (Umweltbundesamt).s

Bei Tomaten sieht es anders aus: "Es bringt nichts, wenn man im Winter Tomaten aus der Region kauft, die vermutlich in einem beheizten Gewächshaus produziert wurden“, sagt Rettenmaier. "Dann wären Tomaten aus Spanien noch die bessere Wahl, wenn diese in einem Folientunnel gewachsen sind." Denn durch die eingesparte Beheizung wird der energieintensive Transport locker ausgeglichen.

Avocado oder ein Stück Rindfleisch?

"Avocados haben einen sehr hohen Wasser-Fußabdruck. Die oft als Superfood gepriesene Frucht ist bezüglich ihrer Umweltauswirkungen gar nicht super", stellt Rettenmaier klar. Ist es dann tatsächlich besser fürs Klima, mal ein Stück Rindfleisch zu essen? Der Experte will das aus Ernährungssicht nicht vergleichen, "unter anderem, weil Avocado ein Fettlieferant ist und Fleisch viel Eiweiß liefert". Wirklich ersetzen sollten wir das Eine also nicht durch das Andere.

Fest steht: "Rinder tragen massiv zur Klimaerwärmung bei, gleichzeitig sind sie aber als Wiederkäuer in der Lage, Gras von Grünlandflächen zu fressen und diese somit offen zu halten.“ Eine wichtige Aufgabe – aber ihre CO2-Bilanz macht das nicht besser: "Rinder brauchen heutzutage auch Kraft- und Proteinfutter, sie fressen unter anderem importiertes Sojaschrot. Einen noch größeren Beitrag zum CO2-Fußabdruck von Rindfleisch als die Futtermittelbereitstellung leisten die Methan-Emissionen aus dem Verdauungstrakt der Tiere."

Wenn das Fleisch dann noch aus Argentinien kommt statt vom Bauern um die Ecke, wird es noch schlimmer. Bedeutet: Avocado und Fleisch sind beide nicht wirklich nachhaltig. Wir sollten uns beides also nur ab und zu mal gönnen.  

Gurken eingeschweißt oder unverpackt kaufen?

Gurken sind ein Sonderfall im Supermarkt: "Bei ihnen erfüllt eine Plastikhülle hauptsächlich den Zweck, Transportschäden und damit Lebensmittelverluste zu reduzieren", sagt Rettenmaier. "Eine österreichische Studie geht davon aus, dass die Verluste im Handel bei eingeschweißten Gurken um die Hälfte geringer ausfallen, was in der Ökobilanz mehr ins Gewicht fällt als die Plastikhülle.“

Außerdem hat eine Untersuchung gezeigt, dass eine eingeschweißte Gurke deutlich länger haltbar ist und weniger Gewicht und Farbe verliert als Gurken ohne Hülle (nbci). Und was im Supermarkt nicht lange hält, verkauft sich nicht gut und landet möglicherweise im Müll – obwohl ihre Produktion so viele Emissionen verursacht hat. 

In dieser Hinsicht ist also die eingeschweißte Gurke nachhaltiger als die unverpackte.

Bei der Nachhaltigkeit von Gurken spielt außerdem der Anbau – je nach Produktionsbedingungen – eine größere Rolle als die Verpackung. Vor allem, wenn Gemüse im Winter in beheizten Gewächshäusern angebaut wird, sorgt das für einen miesen ökologischen Fußabdruck (wie in dieser Studie am Bespiel von Tomaten zu sehen ist).

Am besten ist es natürlich, wenn die Gurke aus dem eigenen Garten oder vom regionalen Biohof stammt. Auch auf dem Markt können wir unverpackt einkaufen – doch auch dafür müssen Gurken im Winter einen langen Weg zurücklegen. Ob es ohne Plastikhülle Verluste durch Transportschäden oder Gewichtsverlust gab, können wir nicht beurteilen.

Einige Supermärkte nutzen die Verpackung aber auch, um das Bio-Gemüse an der Kasse von konventionellen Produkten zu unterscheiden. "Da Bio-Produkte den kleineren Massenstrom ausmachen, wird die Bio-Ware verpackt – was unter diesen Randbedingungen zu einem geringeren Plastikverbrauch führt", sagt Rettenmaier. Wenn jedes konventionelle Produkt eingeschweißt würde, gäbe es deutlich mehr Müll. Helfen würden alternative Kennzeichnungsmethoden, mit denen manche Supermärkte experimentieren. (bento)

Mandel- oder Kuhmilch: Was ist nachhaltiger?

Bei Pflanzendrinks kommt es immer auf den Inhalt an: "Mandeln haben grundsätzlich einen schlechten Wasser-Fußabdruck, weil sie in Kalifornien oder Südeuropa angebaut werden, wo Wasser relativ knapp ist", sagt Rettenmaier. "Wenn man betrachtet, wie gering der Mandelanteil in einem Liter Mandelmilch ist, relativiert sich dies zwar, kann aber immer noch zu einem höheren Wasser-Fußabdruck führen im Vergleich zur Kuhmilch." Wieder kommt es bei unserer Entscheidung darauf an, welcher Aspekt uns besonders wichtig ist. Denn beim CO2-Fußabdruck ist die Sache dem Experten zufolge eindeutig: "Hier schneidet die Mandelmilch klar besser ab." 

Eine bessere Wahl fürs Klima wäre Hafermilch – viele Hersteller werben damit, dass sie nur Hafer aus Deutschland für die Produktion verwenden. Der Albert-Schweitzer-Stiftung zufolge verbraucht ein Haferdrink in der Produktion nur 39 Prozent so viel Energie wie Kuhmilch, bei den Treibhausgasen liegt die Hafervariante bei 31 Prozent (bezogen auf 100 Prozent bei der Kuhmilch).

Joghurt im Glas oder Plastikbecher?

Wenn wir Joghurt im Glas kaufen, ist das nur nachhaltiger, wenn die Gläser nach unserer Rückgabe noch häufig benutzt werden. "Mehrwegsysteme brauchen für eine gute Bilanzbewertung hohe Wiederverwendungsraten", sagt Benedikt Kauertz. Außerdem sollten die schweren Glasbehälter nur kurze Strecken zurücklegen – vor allem, weil sie durch Pfandsysteme hin und wieder zurück transportiert werden müssen. Das sehen wir im Supermarkt nicht auf den ersten Blick. Und je weniger Hersteller Joghurt im Mehrweg-Glas anbieten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit.  

Und vor allem Gläser, die später im Container landen, sind problematisch: Zum Beispiel, wenn wir uns für Mais im Glas statt in der Konservendose entscheiden. Zwar lässt sich das Glas später einschmelzen und so recyceln, allerdings ist das auch das sehr energieintensiv – da wäre eine dünne Konservendose die bessere Wahl. (Süddeutsche Zeitung)

* Die Studie zur Haltbarkeit von Gurken und die Rolle der Produktionsbedingungen haben wir ergänzt. 


Fühlen

Darf man Blut spenden, wenn man schwul ist?

Hannes* ist 21, er ist schwul und hat mehrmals pro Jahr Sex. Trotzdem geht er regelmäßig Blut spenden. Eigentlich darf er das nicht.

Homosexuelle Männer waren bis 2017 völlig von der Blutspende ausgeschlossen. Das galt unter anderem ebenso für männliche und weibliche Prostituierte, sowie für Heterosexuelle mit häufig wechselnden Sex-Partnern. 

Diese Regelung wurde von Schwulenverbänden als "diskriminierend" bezeichnet, schließlich ging sie davon aus, dass Homosexuelle grundsätzlich häufig ihre Sex-Partner wechselten. Es war wie ein Generalverdacht: Du bist schwul, dann bist du ein potenzielles HIV-Risiko. (SPIEGEL ONLINE)

Die Bundesärztekammer überarbeitete diese Richtlinie mit dem Paul-Ehrlich-Institut, einem Bundesinstitut des Gesundheitsministeriums: 

Seit August 2017 sind in Deutschland auch homosexuelle Männer zur Blutspende zugelassen – allerdings erst, wenn sie zwölf Monate lang keinen Sex hatten.

Aber: Wer bleibt ein Jahr enthaltsam, um Blut spenden zu dürfen? "Auch durch eine zeitlich befristete Rückstellung bleiben sexuell aktive Männer, die mit Männern schlafen, faktisch von der Blutspende ausgeschlossen", gibt die Bundesärztekammer zu. (Bundesärztekammer)