Wer heute einen Caffè Latte ohne Extrawünsche bestellt, wird fast schräg angeguckt. Nicht mit Mandel- oder Sojamilch? Hafer vielleicht? 

Milch-Alternativdrinks wollen gesund, grün, nachhaltig sein – zumindest sagt das häufig ihre Verpackung. Man könnte meinen, man schadet seinem Körper mutwillig, wenn man herkömmliche Milch aus dem unspektakulär designten Tetrapak trinkt. Aber sind pflanzliche Alternativen wirklich gesünder? Wir haben uns Studien angeschaut und mit Monika Bischoff gesprochen, sie ist Ökotrophologin und Vorstandsmitglied im Berufsverband Ökotrophologie.

Was ist das Problem mit Milch?

Veganer kritisieren vor allem die schlechten Haltungsbedingungen der Kühe und verzichten deshalb auf Milch. Dabei geht es vorrangig um Tierschutz. Geht’s um die Gesundheit, heißt es häufig, Milch enthalte schädliche Transfette, könne Prostatakrebs verursachen und sogar das Risiko von Osteoporose erhöhen. (Spiegel Online)

So ist zum Beispiel Bodo Melnik, Professor an der Universität Osnabrück, absoluter Milch-Gegner. Er bezeichnet sie als "grundsätzlich gefährlich", glaubt, dass sie Krebs auslösen kann und unsere Gene verändert. Das könne unter anderem dazu führen, die natürliche Sättigung abzuschalten, zitiert der Deutschlandfunk den Wissenschaftler. 

Ist Milch denn wirklich ungesund?

Das Max-Rubner-Institut, das zu Ernährung und Lebensmitteln forscht, veröffentlichte 2015 eine ausführliche Stellungname zur "ernährungsphysiologischen Bewertung von Milch" (MRI). Die Kurzfassung: Milch kann unter anderem den Blutdruck senken, das Risiko für Typ2-Diabetes reduzieren und die Gefahr von Dickdarmkrebs verringern. Außerdem hat Milch demnach keine Auswirkungen auf die Knochenmasse und -dichte. Nur das Risiko von Prostatakrebs kann der Stellungnahme des Instituts zufolge bei einem sehr hohen Milchkonsum steigen. Das ist die einzige Einschränkung der Experten.

Auch Ernährungsexpertin Monika Bischoff sagt: 

Milch ist weiterhin ein sehr wertvolles Lebensmittel.

Zumindest, wenn man nicht übertreibe und zwei Liter täglich trinke – dann könne das erwähnte Prostatakrebsrisiko zum Problem werden. Aber bis dahin gelte: "Milch enthält sehr viele Vitamine und Mineralstoffe, außerdem hochwirksames Protein und leichtverdauliche Fette." 

Klingt gesund. Aber:

Wie sieht es bei pflanzlicher "Milch" aus? Ist die vielleicht noch gesünder?

Die Alternativgetränke auf Kokos-, Soja-, Mandel- oder Haferbasis dürfen den Namen "Milch" nicht tragen – der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass diese Bezeichnung nur für Milch erlaubt ist, die aus einem Euter kommt. Was in den Pflanzendrinks steckt und wie gesund sie sind, hängt davon ab, aus welchem Lebensmittel sie hergestellt werden

  • Mandeldrinks liefern viele ungesättigte Fettsäuren, aber nur wenig Protein. 
  • Die Hafervariante enthält zwar Ballaststoffe, hat aber einen relativ hohen Zuckeranteil. 
  • Dinkeldrinks liefern kaum Vitamine und Mineralstoffe, dafür aber auch eine gute Ladung Ballaststoffe. (ndr.de)

Vor allem die gesundheitlichen Folgen für den Verzehr von Sojamilch werden immer wieder diskutiert. Ein Kritikpunkt: In Soja enthaltene Pflanzenstoffe haben eine ähnliche Wirkung wie Östrogen und können so den Hormonhaushalt beeinflussen. Gleichzeitig kommen andere Studien zu dem Schluss, dass Soja Krebs vorbeugen kann und bei Frauen Wechseljahresbeschwerden abdämpft – genau aufgrund dieser hormonähnlichen Inhaltsstoffe. (Albert-Schweitzer-Stiftung)

Was ist zum Beispiel mit Kalzium – ist da Kuh- oder Pflanzenmilch der bessere Lieferant?

Früher hieß es immer, Milch stecke voller Kalzium, das sei wichtig für die Knochen. Dann wurde behauptet, Milch könne die Knochen sogar schwächen. Beides Unsinn? "Studien zeigen, dass Milch das Osteoporose-Risiko weder fördert noch verringert", sagt Bischoff. Kalzium ist aber grundsätzlich wichtig für die Knochen, auch wenn man sich mit hohem Milchkonsum nicht vor Knochenbrüchen schützen kann. 

Außerdem enthält Kuhmilch Vitamin D. "Das braucht der Körper, um Kalzium in die Knochen einzubauen – das macht Milch zu einem sehr hochwertigen Lieferanten", sagt Bischoff. 

Und wie ist das bei Kokos-, Hafer- oder Mandelmilch? "In den pflanzlichen Alternativen ist nur wenig oder kein Kalzium enthalten", sagt Bischoff. "Teilweise wird es zugesetzt, aber das ist eine künstliche Variante – und die kann der Körper nicht so gut absorbieren wie natürliches Kalzium." 

Das wäre also ein Punkt für die klassische Milch.

Worauf sollten wir bei Pflanzenmilch achten?

"Am wichtigsten ist es, dass kein Zucker zugesetzt ist, was bei Mandel- oder Haferdrinks teilweise der Fall ist", sagt Bischoff. Und auch, wenn wir eine pflanzliche Alternativmilch ohne Zuckerzusatz kaufen oder selbst herstellen, enthält diese von Natur aus relativ viel Zucker. Bei Haferdrinks zum Beispiel sind es oft mehr als fünf Prozent. Bei Kuhmilch mit 3,5 Prozent Fett liegt der Anteil hingegen bei unter drei Prozent. 

Dann kommt noch die Ökobilanz hinzu: Während man beim Kuhmilch-Kauf noch ziemlich gut darauf achten kann, ob die Kühe auf einer Weide in der Nähe grasten, ist das bei einem Reis-, Kokos- oder Mandeldrink kaum möglich. Diese exotischen Zutaten kommen von weit her – und sind häufig entsprechend schlecht fürs Klima.

Besser sieht es bei Soja und Hafer aus. Das kann in Europa angebaut werden. Viele Hersteller versprechen, dass das bei ihren Produkten der Fall ist. Laut Albert-Schweitzer-Stiftung kommen Soja- und Haferdrinks in diesem Fall im Bezug auf Treibhausgase und Landverbrauch sogar deutlich besser weg als Kuhmilch. (Albert-Schweitzer-Stiftung)

Pflanzliche Drinks enthalten ebenfalls viele Nährstoffe, aber völlig andere als Kuhmilch. Allgemeine Ernährungsempfehlungen anzuschauen und die darin enthaltene Milch-Empfehlung eins zu eins durch eine Mandelvariante zu ersetzen funktioniert also nicht. 

Und: Vorsicht bei Milch-Alternativen mit zugesetztem Zucker. Da ist der Anteil bei Kuhmilch deutlich geringer. 

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Gerechtigkeit

Ein 17-Jähriger starb, als er einen Obdachlosen rettete. Jetzt soll er dafür geehrt werden
Warum ein Mann, dessen Schwester vor vier Jahren ums Leben kam, dafür kämpft.

Frankfurt trauert um Mustafa Alptuğ Sözen. Der 17-Jährige kam Mitte November an der S-Bahn-Station Ostendstraße ums Leben, als er einem obdachlosen Mann helfen wollte. Eine Petition auf change.org fordert nun, die Haltestelle in "Alptuğ Sözen Station" umzubenennen. 

Was war passiert?

Am 13. November entdeckte Alptuğ an der S-Bahn-Station Ostendstraße einen obdachlosen Mann, der hilflos auf den Gleisen lag – wie sich später herrausstellte, war der Mann stark betrunken. Alptuğ sprang auf die Gleise, um ihn zu retten, ein weiterer Obdachloser half ihm dabei. Kurz darauf konnte eine einfahrende S-Bahn nicht rechtzeitig bremsen und erfasste Alptuğ, der noch am Unfallort starb. Die beiden anderen Männer überlebten verletzt. (Frankfurter Rundschau)

Wer hat die Petition gestartet? 

Um Alptuğ Sözen zu ehren und seiner zu gedenken, soll die S-Bahn-Station in Zukunft seinen Namen tragen. Das fordert eine Petition, die von Doğuş Albayrak gestartet wurde. 

Albayrak steht in Kontakt mit Alptuğs Familie, denn er kann nachempfinden, wie es ihr gerade gehen muss. Seine Schwester Tuğçe wollte 2014 einen Streit auf einem Parkplatz schlichten und bekam dabei einen harten Faustschlag ab. Sie stürzte und erlitt schwere Hirn- und Schädelverletzungen. Zwei Wochen lag sie im Koma, dann wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt. Tuğçe Albayrak starb an ihrem 23. Geburtstag. (SPIEGEL ONLINE)

Tuğçes Familie hat damals den Verein Tuğçe Albayrak e.V.  gegründet. Der Verein soll laut Website dazu beitragen, "dass Gewalt in der Gesellschaft ganz unten steht und Nächstenliebe ganz oben". 

Doğuş Albayrak ist der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins. 

Auf der Petitionsseite schreibt er: 

"Vor fast genau 4 Jahren ist meiner Schwester Tuğçe Albayrak ähnliches widerfahren. Auch Tuğçe hat anderen Menschen in Not geholfen. Sie hat nicht weggeschaut, als Sie zwei minderjährige in Not gesehen hat. Sie ist eingeschritten und auch Tuğçe hat Ihren Mut mit Ihrem Leben bezahlen müssen. Deshalb haben wir als Tuğçe Albayrak Verein den Kontakt zu den Eltern von Alptuğ gesucht und gefunden. Wir haben mit ihnen gesprochen und wissen, dass die Umbenennung der Station in "Alptuğ Sözen" der Familie immer als ein Trostpflaster dienen wird. Alptuğ Sözen darf nicht vergessen werden."

Welche Reaktionen gibt es?

Das Vorhaben erhält prominente Unterstützung: Peter Feldmann, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, schrieb auf Facebook, dass er sich für die Umbenennung der Station oder ein "anderes würdiges Gedenken" einsetze.