Bild: Frederike Wetzels / Montage: FaceApp

Etwa 1400 junge Menschen kommen zum Sommerkongress von "Fridays for Future" nach Dortmund. Fünf Tage lang will sich die Bewegung austauschen und vernetzen, es gibt Workshops und Diskussionsrunden mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Und es soll um die Zukunft der Bewegung gehen: Innerhalb von nicht einmal einem Jahr ist aus kleinen Schülerstreiks eine Massenbewegung geworden. Doch die Politik reagiert noch immer zögerlich auf ihre Forderungen. Daher wird es auch darum gehen, wie "Fridays for Future" den Druck auf die Regierung nach den Sommerferien weiter erhöhen kann.

Beim Kongress geht es um die nächsten Wochen und Monate – doch wie blicken die Aktivistinnen und Aktivisten in die Zukunft?

Was die gesamte Bewegung antreibt, ist die Angst um ihre Zukunft und die der nachfolgenden Generationen, die Angst davor, zukünftig nicht mehr leben zu können wie heute. Wie stellen sie sich ihr Leben vor, wenn in 50 Jahren die Auswirkungen der Klimakrise noch spürbarer werden? Wir haben Ragna Diederichs und Jakob Blasel, zwei der Organisatoren des Sommerkongresses, gefragt. 

Ragna, 18

(Bild: Frederike Wetzels / Montage: FaceApp)

"Wenn wir es nicht schaffen, die Klimaziele einzuhalten, weiß ich auch nicht weiter. Das wäre absolut katastrophal. Denn wir wissen jetzt schon, dass dies zu einer Kettenreaktion führen kann, durch die wir die Welt irreversibel zerstören würden.

Selbst wenn wir jetzt sofort handeln und drastische Schritte ergreifen, wird es zunehmende Wetterextreme geben. In 50 Jahren werde ich zum Beispiel bei mir zu Hause in Göttingen im Winter sicher nicht mehr Schlitten fahren können. Selbst das finde ich traurig. Das ist vielleicht banal, können aber bestimmt viele Leute verstehen.

Das Leben an den Küsten wird unangenehmer werden, denn Sturmfluten haben bereits zugenommen und werden weiter zunehmen. Im Sommer wird uns außerdem die Hitze noch mehr zu schaffen machen – mit den neuen Rekorden merkt man ja jetzt schon, dass sich hier gerade massiv etwas verändert.

Ich glaube auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergehen wird, wenn wir unsere jetzige Klimapolitik so fortführen. Wir könnten dann auch sicher nicht mehr alle Produkte aus der ganzen Welt importieren – während wir selbst die Getreidemengen, die wir benötigen, nicht mehr produzieren könnten, weil nicht mehr alles wachsen würde.

Ich wurde einmal gefragt, wo ich leben werde, wenn die Klimakrise nicht aufgehalten wird – ob ich mich dann einfach zurückziehen würde auf eine einsame Insel? Das wäre ja nicht einmal möglich, bei einem steigenden Meeresspiegel. Ich kann mir vorstellen, irgendwo zu leben, wo ich es schaffe, mich selbst zu versorgen – auch wenn das sehr schwierig sein wird.

„Das alles klein zu reden, ist einfach arrogant“

Vor allem wenn es von Leuten kommt, die jetzt vielleicht 68 Jahre alt sind und im Bundestag sitzen. Die sich jetzt irgendwie denken: 'Ach, aber lass uns da doch lieber nochmal ein bisschen warten.' Dass überhaupt nicht darauf gehört wird, was Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sagen, die teilweise sogar vom Staat bezahlt werden. Es geht hier um Fakten, darum ist es einfach krass, wenn dann niemand die entsprechenden Schlüsse daraus zieht.

Ich glaube, ich wäre dann auch sehr traurig, weil ich sehen würde, was alles kaputt gegangen ist. Weil wir es nicht geschafft haben, die Klimakrise zu verhindern. Tatsächlich das Resultat zu erleben, stelle ich mir heftig vor. Ich hoffe nicht, dass das passiert. Zu sehen, dass wir es hätten schaffen können, aber nicht in der Lage waren."

Jakob, 18

(Bild: Frederike Wetzels / Montage: FaceApp)

"Es hängt natürlich ganz viel davon ab, was jetzt in der Klimapolitik passiert.

Wenn es aber so weiter geht wie jetzt und sich der Kurs nicht massiv verändert, dann wird vieles, was jetzt gerade im Mittelpunkt steht, fast egal sein. Es geht dann nicht mehr darum, den besten Abschluss oder das höchste Gehalt zu haben, und schon gar nicht mehr um schöne Reisen und große Autos, sondern ums Überleben.

„Aus Kiel, wo ich im Moment wohne, müsste ich wohl wegziehen, weil die Innenstadt einen halben Meter unter Wasser stehen wird.“

Ich kann mir vorstellen, in die Berge zu ziehen, obwohl ich eigentlich gerne in der Stadt lebe – doch in den Städten wird es wohl unerträglich werden, bei den steigenden Temperaturen. Trotzdem will ich dann mit Menschen zusammen daran arbeiten, die Probleme für die Menschen so gering wie möglich zu halten, vielleicht bei einer NGO oder in der Regierung. 

Ich würde mich stark dafür einsetzen, dass wir alle am gleichen Strang ziehen und alle das gemeinsam ausbaden müssen, was wir angerichtet haben. Und nicht, dass einige Privilegierte ihr Leben weiterleben können, wie bisher. Auch ich – als Privilegierter – müsste anfangen, die knappen Ressourcen noch mehr zu teilen.

Es wird auch sehr große Herausforderungen durch Fluchtbewegungen geben: Die meiste Migration gibt es nicht zwischen Kontinenten, sondern innerhalb von Kontinenten – in afrikanischen Metropolen wird es unvorstellbare Flüchtlingslager geben. Einige würden weiterhin versuchen, nach Europa zu kommen – wie geht man dann damit um? Das wäre natürlich eine riesige gesellschaftliche Herausforderung, sich da nicht spalten zu lassen. Menschen werden das Gefühl haben, zu verlieren, nur weil sie gemeinsam mit knapperen Mitteln auskommen müssen. Ursprüngliche soziale Konflikte würden sich weiter verschärfen.

Und allein die Ressourcenknappheit könnte zu neuen sozialen Problemen führen: Wenn es zum Beispiel sehr beschränkte Trinkwasservorräte gibt – gibt es dann eine Mindestration für jeden Menschen, oder bekommen es nur diejenigen, die das Geld dafür haben? Verdurstet man, wenn man es nicht bezahlen kann? Man merkt jetzt schon in wasserarmen Regionen der Erde, dass Wasser nicht mehr als Menschenrecht wahrgenommen wird.

Wahrscheinlich gäbe es auch wahnsinnige logistische Aufgaben, weil wir eine Landwirtschaft ohne Boden managen müssen – mit sich ausbreitenden Wüsten und mit noch mehr Menschen, die mit noch weniger Ressourcen auskommen müssen.

Ich kann mir vorstellen, keine Kinder in so eine Welt setzen zu wollen – je nachdem, wie schlimm es wird. Ich glaube aber, dass es immer nötig und möglich sein sollte, die Menschheit irgendwie fortzuführen. Ich denke, dass der Mensch von Grund aus positiv ist und dass wir auch trotz all dieser Krisen glücklich sein können. Ich will nur verhindern, dass sich die Menschheit selbst zerstört."


Gerechtigkeit

Warum Fake-Beratung von Schwangeren aufhören muss

Eigentlich sind Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland verboten. Es gibt allerdings Ausnahmen: Wenn eine Person sich zum Beispiel mindestens drei Tage vor dem Termin von einer staatlich anerkannten Stelle beraten lässt und der Abbruch vor der 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, bleibt sie "straffrei". Wenn jemand abtreiben will, ist der nächste Schritt also zwangsläufig eine Konfliktberatung, denn nur dort bekommt man den Beratungsschein, den man vorlegen muss. 

Wer nach einer solchen Beratung sucht, findet unter anderem auch die Beratungsstelle "Pro Femina". In Berlin hat die Organisation zum Beispiel im Juli eine neue Zweigstelle eröffnet (taz). "Pro Femina", das klingt ein bisschen wie "Pro Familia", und auch sonst macht die Seite einen seriösen Eindruck.

Das Problem: "Pro Femina" ist keine staatlich anerkannte Beratungsstelle. Und ihre Beratung scheint nicht ergebnisoffen zu verlaufen. Recherchen wie die von Buzzfeed und Strg_F zeigen, wie einige Beratungen mit dem Ziel geführt wurden, von einer Abtreibung abzuhalten.