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So viel Eis wie in keinem vergleichbaren Zeitraum der letzten 350 Jahre.

Die Arktis schmilzt immer schneller. Das haben Forscher in einem neuen Bericht betont, der im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht wurde. Analysen hätten demnach gezeigt, dass Grönland immer mehr Eis verliert. 

Bislang haben Forscherinnen und Forscher vor allem Satellitenbilder ausgewertet, um Rückschlüsse auf Schmelzen oder Gefrieren der Artkis zu ziehen. Die reichen aber nur bis in die 1970er.

Luke Trusel von der Woods Hole Oceanographic Institution hat mit seinem Team nun Bohrkernanalysen durchgeführt – also tief in die Eisschicht gebohrt – um herauszufinden, wie sich die Eismasse im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. 

Das Eis in der Arktis funktionert wie ein Baum, es hat Jahresringe. Jeder Millimeter gibt eigene Aufschlüsse über ein Jahr aus der Vergangenheit.

Die Details aus dem Grönland-Bericht:

  1. Bisherige Aufnahmen zeigten, dass immer mehr Schmelzwassertümpel auf er eigentlich massiven Eisplatte auftauchen. Das destabilisiert Gletscher auf der Eisplatte, das Eis kommt ins Rutschen.
  2. Die Bohrkernanalysen lassen die Forscher nun Rückschlüsse bis ins Jahr 1650 ziehen.
  3. Die Erkenntnis: Ab Mitte der 1800er Jahre begann das Eis stärker zu schmelzen als zuvor – also etwa zu Beginn der Industrialisierung.
  4. Ab dem späten 20. Jahrhundert und in unserem 21. Jahrhundert verschärft sich die Schmelze immer mehr.
  5. Der Zeitraum zwischen 2004 und 2013, die letzte untersuchte Phase, war so intensiv wie kein Zehn-Jahres-Zeitraum der 350 Jahre zuvor.

Was die Forscher mit Besorgnis feststellten: Die Eisschmleze stieg nicht mit Zunahme der Erdtemperatur, sondern verläuft noch rasanter. 

Das erreicht Level, die wir zuvor nicht gesehen haben – zumindest nicht in den vergangenen Jahrhunderten und höchstwahrscheinlich nicht in den 8000 Jahren davor.
Luke Trusel, Deutsche Welle

Warum ist das wichtig?

Das grönländische Eisschild ist das zweitgrößte Eisreservoir der Erde. Wird es zerstört, steigt der Meeresspiegel – Städte in Küstennähe würden in den kommenden Jahrzehnten langsam untergehen, ganze Landstriche verkommen.

Die große Mehrheit der Klimaforscherinnen und Klimaforscher bringt das Phänomen der Eisschmelze mit der Erderwärmung und dem Klimawandel in Verbindung. Abgase, die die Menschen in die Luft pusten, verändern die Atmosphäre und heizen den Planeten auf. Genau das lässt die Eismassen schmelzen.

Forschungsergebnisse, die die Industrialisierung mit dem Klimawandel in Verbindung bringen können, helfen, besser zu verstehen, wie wir noch umsteuern können – um eine weitere Erderwärmung zu verhindern.

Schon jetzt gilt der Eisverlust in Grönland als einer der Haupttreiber des Meeresspiegelanstiegs. Wenn das Eis in Zukunft weiter in diesem Ausmaß schmilzt, könnte es das ohnehin schon schnelle Tempo des Meeresspiegelanstiegs noch weiter beschleunigen, sagen nun die Wissenschaftler. 


Grün

Luxemburg will als erstes Land der Welt komplett kostenlosen Nahverkehr einführen
Drei Fakten zum Gesetzesvorhaben

Das kleine Luxemburg dreht gerade auf. Erst Anfang der Woche gab die neue Regierung bekannt, Cannabis zu legalisieren (bento) – nun soll auch noch der gesamte ÖPNV im Land kostenlos werden.

Kommt das Gesetz, wird Luxemburg das erste Land der Welt mit einem kostenlosen Nahverkehr.

Luxemburg hat seit wenigen Wochen eine neue Regierungskoalition aus Liberalen, Grünen und Sozialisten. Gemeinsam wurden viele Neuerungen für das kleine Land beschlossen.

Darauf hat sich die Regierung nun geeinigt:

  1. Züge, Busse und Bahnen werden nichts mehr kosten.
  2. Der Umsonst-Verkehr wird schon zum Sommer 2019 eingeführt.
  3. Zur Finanzierung sollen Autopendler stärker besteuert werden.

Die Idee dahinter: Durch mehr offenen Nahverkehr soll die Umwelt und das Klima geschont werden, weil dann (hoffentlich) weniger Menschen in ihren eigenen Autos unterwegs sind. In Deutschland sind solche Pläne noch in weiter Ferne.

Um fair zu sein: Luxemburg hat nur etwa 600.000 Einwohnerinnen und Einwohner, weitere etwa 200.000 Menschen pendeln täglich aus Nachbarländern wie Deutschland und Frankreich zur Arbeit nach Luxemburg. 

Im Gegensatz zu den mehr als 80 Millionen Einwohnern in Deutschland ist das überschaubar – und dadurch einfacher finanzierbar.