Der bekannteste Leugner des menschengemachten Klimawandels ist wahrscheinlich US-Präsident Donald Trump. Wenn es Kältewellen in den USA gibt, wundert er sich, was denn mit der globalen Erwärmung geschehen sei. Kürzlich erst ernannte er einen erklärten Skeptiker als Leiter einer Konferenz zum Klimawandel.

In der deutschen Politik herrscht dagegen weitgehender Konsens darüber, dass sich die Erde wegen menschengemachter Einflüsse erwärmt – hauptsächlich bei der Frage, wie man darauf reagieren sollte, wird sich gestritten. Von den im Bundestag vertretenen Parteien leugnen nur große Teile der AfD den menschengemachten Klimawandel – und setzen im Europawahlkampf gezielt darauf. (SPIEGEL ONLINE

Doch auch in Deutschland verbreiten sich die Theorien und Thesen der Klimawandel-Leugner – hauptsächlich im Internet. In Blogs veröffentlichen Skeptiker und Hobby-Wissenschaftler ihre Gedanken – und auf Facebook werden ihre Beiträge geteilt und Diskussionen angestoßen. 

Unter Klimawandel-Leugnern

Ich will wissen, wie die Szene agiert, welche Argumente sie nutzt – und wie sich ihre Thesen verbreiten. Ich erstelle ein neues Facebook-Profil, trete in die Gruppen der Klimawandelleugner ein und like Seiten, in denen an der Erderwärmung gezweifelt wird.

Eine der Gruppen heißt "Klima-Wahrheiten". Es soll um "Fakten zum heiß umstrittenen Thema Klima" gehen. Alle Teilnehmer sollten ein Grundverständnis über "meteorologische und pyhsikalische Gesetzmäßigkeiten" mitbringen, heißt es in den Gruppen-Regeln. Um aufgenommen zu werden, muss ich die Frage beantworten, was der Klimawandel für mich bedeute. Ich schreibe, dass ich einmal ein Meteorologie-Studium angefangen hätte, es aber wegen "zu viel Indoktrination" abgebrochen hätte. Das wird sie ja wohl von mir überzeugen. Wenige Stunden später wird meine Beitrittsanfrage akzeptiert. Geschafft!

Mein Feed ist jetzt voll von Artikeln und Videos, die mir weismachen wollen, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Dazu gesellen sich immer wieder auch Postings, die sich mit anderen Verschwörungstheorien wie Chemtrails auseinandersetzen. 

Die Argumente der Klimawandel-Skeptiker wiederholen sich: CO2 sei ja lebensnotwendig, da könne es ja überhaupt nicht schädlich sein. Manche Nutzer argumentieren wie Donald Trump, in dem sie keinen Unterschied zwischen Wetter und Klima machen: Wenn es gerade in bestimmten Regionen kalte Winter gibt – wie könne es dann sein, dass die Erde immer wärmer wird? Wie bei vielen Verschwörungstheorien wird an den "gesunden Menschenverstand" appelliert.

Immer wieder werden auch Grafiken und Diagramme gezeigt, die zeigen sollen, dass es doch in Wahrheit gar keine Erderwärmung gibt. Besonders beliebt ist eine Grafik, laut der es vor wenigen Jahrtausenden viel höhere Temperaturen gegeben haben soll als heutzutage. 

(Bild: Screenshot Facebook)

Diese Grafik oder Abwandlungen davon finde ich sehr oft in den Gruppen, problematisch ist sie gleich aus mehreren Gründen: Basis für die Zahlen ist ein sogenannter Eisbohrkern in Grönland. Die Analyse der Eisschicht lässt Rückschlüsse auf das Klima der Vergangenheit zu – allerdings nur an diesem einen Ort auf der Erde. Damit allein lässt sich eine globe Erderwärmung nicht widerlegen. Hinzu kommt auch noch, dass die Bohrung in den Sechzigerjahren stattfand. Seitdem stieg die Temperatur an dem Ort in Grönland um 1,5 Grad – und ist damit höher als je zuvor. (Die genauen Hintergründe der Grafik hat der Klimaforscher Stefan Rahmstorf in seinem Blog erklärt.)

Besonders gefragt unter Leugnern des Klimawandels sind Wissenschaftler, die ihre Thesen unterstützen. Wenn derjenige, der in einem Video von der "Klima-Lüge" spricht, einen Doktortitel hat, wird das stets hervorgehoben. Dass es sich dabei in den allermeisten Fällen nicht um Klimaforscher handelt, wird verschwiegen.

Und auch wenn der Meterologe Jörg Kachelmann darauf hinweist, dass langfristige Wetterphänomene wie ein "Dürresommer" nicht vorhersagbar sind, dann wird das in den Gruppen gefeiert, als würde er damit die Theorie des menschengemachten Klimawandels widerlegen. Dabei leugnet Kachelmann den Klimawandel überhaupt nicht – er weist nur mitunter darauf hin, dass nicht alle Wetterphänomene damit zu tun haben.

Dass es einen Konsens von 97 Prozent der Klimatologen über die Existenz des menschengemachte Klimawandel gibt, wird als Mythos abgetan – allerdings gibt es Studien, welche die Zahl bestätigen: In einer etwa wurden 12.000 Forschungsarbeiten zum Themengebiet Klima untersucht. Rund zwei Drittel davon bezogen keine Position zur menschengemachten Erderwärmung. Von den Arbeiten, die eine Position bezogen, widersprachen nur 0,7 Prozent dem menschengemachten Klimawandel, 0,3 Prozent gaben sich unsicher. (IOP Science)

Ein Klimawandel-Skeptiker schreibt in einer Gruppe dazu: Selbst wenn er annehme, dass die Zahl stimme – würde er sich denn in ein Flugzeug setzen, das nur mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit ankäme? Ein Kommentator pflichtet ihm bei: Zwischen 97 und 100 Prozent gebe es ja einen "himmelweiten Unterschied". Und ein anderer erklärt, dass die 97 Prozent ja ohnehin Quatsch seien, nur um im nächsten Satz zu schreiben: "Wir halten uns an Fakten!"

Doch egal welches Argument ich lese – eine schnelle Google-Suche liefert mir zig Ergebnisse, wo diese wissenschaftlich widerlegt werden. Natürlich kann ich als Laie nicht alle dieser Nachweise bis ins kleinste Detail nachvollziehen. Doch letztendlich muss ich mich, wie bei vielen Verschwörungstheorien fragen, wem ich meinen Glauben schenken soll: Hobby-Forschern und emeritierten Wissenschaftlern, die sich von ihrem Fachgebiet entfernt haben, oder Klimatologen, die ihre gesamte Karriere an nichts anderem geforscht haben?

Wie sich die Argumente der Klimawandel-Leugner verbreiten

Besonders fleißige Klimawandel-Leugner bleiben nicht nur in ihren eigenen Gruppen – sie gehen auch auf die Seiten ihrer Gegner und kommentieren Posts, etwa bei "Fridays for Future". Manche wollen die Jugendlichen mit ihren Argumenten überzeugen, andere machen sich nur über die angebliche Indoktrination der "Greta Thunfisch"-Jünger lustig – typische Trolle eben.

Anklang finden Thesen der Klimaleugner jedoch auch bei viel größeren Seiten und Gruppen: Diese richten sich gegen Fahrverbote für Dieselautos und die Deutsche Umwelthilfe, gegen die Grünen und Greta Thunberg. Zehntausende sind hier aktiv. Täglich gibt es Beiträge und Diskussionen, in denen am Klimawandel gezweifelt wird. Hinterfragt wird so gut wie nicht.

Auch hier finden sich immer wieder Beiträge aus "Mainstream"-Medien, wenn sie ins Konzept passen. Beispielsweise ein Kommentar aus der "Welt", wo der Wirtschaftsjournalist Günter Ederer die "CO2-Theorie" als "geniale Propaganda" bezeichnete. Ederer ist bekannt als Leugner des Klimawandels, tritt etwa bei Konferenzen des "Europäischen Instituts für Klima und Energie" (Eike) auf. Aber Eike ist kein wissenschaftliches Institut, sondern nur ein eingetragener Verein, in dem sich Klimawandel-Leugner treffen. 

Ölkonzerne als Geldgeber

Eike kooperiert auch mit dem US-Thinktank "Heartland Institute" und CFACT, einer Lobbyorganisation. Beide sind zentrale Akteure der organisierten Klimawandel-Leugnerszene und wurden unter anderem von Ölkonzernen wie ExxonMobil finanziert (New York Times). Heutzutage kommt das Geld aus der Stiftung des Milliardärs Robert Mercer, einem der wichtigsten Unterstützer von Donald Trump.  Von Eike heißt es lediglich, man sei "lose" mit den Organisationen verbunden – tatsächlich ist Eike-Chef Holger Thuss auch Vorsitzender des europäischen Ablegers von CFACT (SPIEGEL+).

Auf Facebook werden Eikes Beiträge von anderen Seiten geteilt und in den Gruppen diskutiert. Besonders eng mit dem Verein arbeitet auch die AfD zusammen. Vize-Präsident Michael Limburg kandidierte bei der Bundestagswahl für die Partei, Pressesprecher Horst-Joachim Lüdecke wurde mehrfach von der AfD als Sachverständiger geladen. 

Trotzdem bin überrascht, als ich nach wenigen Tagen in die Freundschaftsvorschläge meines neuen Facebook-Profils schaue. Sie bestehen hauptsächlich aus AfD-Anhängern und auch aus Neonazis – darunter etwa der rechtsextreme Aktivist David Köckert. Und das, obwohl ich keinen Gruppen und Seiten folge, die sich offen rechts positionieren.

Somit macht auch der Facebook-Algorithmus am Ende sichtbar, in welchen Wählergruppen die Klimaleugner-Argumente auf Zustimmung stoßen. 


Streaming

Drag und weg: Die 13. Folge GNTM im Speed-Check

Wer ist sehr stark geschminkt und hat einen starken Hang zu Drama? Nein, gemeint sind nicht die Kandidatinnen bei Germany's Next Topmodel, sondern Drag Queens. In Folge 13 wurden bei der "Drag Edition" gleich vier von denen in der Modelvilla ausgesetzt, um endlich mal wieder Schwung in die Kiste zu bringen. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Schnellcheck.

So war die 13. Folge von GNTM:

Die Schnellzusammenfassung:

Weil Heidi sich wünscht, dass die in dieser Staffel wirklich sehr trantütig geratenen Jungmodels mal so richtig aus sich rauskommen, studieren sie diese Woche mit vier Drag-Künstlerinnen ein Tänzchen ein. Der Plan geht so mäßig auf, dafür kommen beim Fotoshooting große Gefühle auf. Das findet nämlich auf einem Fahrrad in zehn Metern Höhe statt. 

"Muss das sein? Könnte man da nicht stattdessen irgendwas mit Photoshop machen?" fragt sich der Zuschauer, erinnert sich aber sogleich daran, dass die luftigen Höhen eine hervorragender Anlass für ein paar Tränen von Schneeflöckchen Simone sind.

Erfreuter als über den Drahtseilakt ist die über den dieswöchigen Gastjuror, Bill (nicht Tom!) Kaulitz. Der hat einen Job zu vergeben, erforderliche Fähigkeiten: Kaugummi-Kauen und in seinen fürchterlichen selbstdesignten Klamotten gut aussehen. Simone beherrscht beides, gewinnt, und sorgt für saure Schnuten rundherum.