Bild: Adopt a Negotiator/GCCA

2015 wird voraussichtlich als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen. Die letzten Monate waren von Berichten über Dürren, Wirbelstürme und Hitzewellen geprägt. Der Klimawandel ist keine Gefahr aus der fernen Zukunft mehr.

Der Weltklimagipfel in Paris ab Ende November soll die Wende bringen: Die Uno-Staaten verhandeln dort darüber, wer seinen CO2-Ausstoß wie stark senken muss. Schon jetzt klopfen die Länder ihre Positionen bei einem Treffen in Bonn ab, um einen Kompromiss in Paris vorzubereiten. René Kieselhorst berichtet für bento direkt von dort.

Was sind die Klimaverhandlungen?

In Paris soll ein neues, rechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen beschlossen werden, um die Emissionen von Treibhausgasen einzuschränken. Das Hauptziel: Die Erwärmung unter 2 Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor der industriellen Revolution zu halten.

Aus diesem Grund kamen in der letzten Woche Vertreter aus 196 Staaten in Bonn zusammen, um den Vertragsentwurf weiter auszuarbeiten. Seit Anfang des Jahres haben die Länder ihre Wünsche und Forderungen vorgelegt; jetzt ging es in der letzten Vorrunde darum, den Text zu kürzen und aufzuräumen, damit die Regierungen über ihn verhandeln können.

(Bild: Adopt a Negotiator/GCCA)
Warum braucht es einen neuen Vertrag?

Dies ist bereits der zweite Versuch für ein global verbindliches Abkommen, nachdem die Konferenz in Kopenhagen 2009 gescheitert ist. Das bisher bestehende Kyoto-Protokoll sollte eigentlich 2012 auslaufen, wurde aber im letzten Moment um eine zweite Verpflichtungsperiode verlängert.

Das Problem? Das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll betrifft nur Industriestaaten wie Deutschland oder die USA (die diesem nie beigetreten sind und sich daher auch nie an dessen Vorgaben gehalten haben). Ohnehin hat sich die Welt seit Kyoto grundlegend verändert. Schwellenländer wie China und Indien stoßen heute selbst so viel Emissionen aus, dass eine Rettung des Weltklimas ohne sie nicht möglich ist.

Die Diskussion, welche Länder noch wie viel Emissionen ausstoßen dürfen, bietet viel Konfliktpotential. Reiche Länder wollen ihren Lebensstandard mit Autos und großen Heizungen halten, während ärmere Länder überhaupt wachsen müssen, um ihre Einwohner aus der Armut zu holen.

Die Zeit drängt.

Bisher haben wir eine Erwärmung von knapp 0,86°C gegenüber vorindustriellem Niveau. Allerdings erwärmen Treibhausgase die Atmosphäre zeitverzögert. Das heißt: Selbst wenn ein sofortiger Ausstieg aus allen Emissionen erreicht würde, setzte sich die Erwärmung noch einige Jahrzehnte fort.

Diese Entkopplung von Ursache und Wirkung macht es aber schwierig, die Menschen rechtzeitig von den eigentlich notwendigen Schritten zu überzeugen. Außerdem hat die Klimakrise für viele Länder eine niedrige Priorität: Derzeit dominieren vielerorts Themen wie die Flüchtlingsproblematik, Finanzkrisen und lokale Konflikte die Aufmerksamkeit der Staaten. Seitdem Öl, Gas und Kohle wieder billiger werden, sind erneuerbare Energien wirtschaftlich weniger attraktiv.

(Bild: Adopt a Negotiator/GCCA)

Dabei sind die Voraussetzungen für ein globales Abkommen derzeit wahrscheinlich die besten jemals: Große Treibhausgasverursacher (und frühere Blockierer) wie die USA und China haben bereits vor einem Jahr nationale Klimaschutzziele vorgelegt. Vor einigen Wochen wurden die UN-Nachhaltigkeitsziele verabschiedet, die auch dem Klimaschutz neuen Schwung gegeben haben. Und: Klimaschutz ist kein Nischenthema mehr – in den letzten Monaten haben Stars wie Leonardo DiCaprio, der Papst und Naomi Klein das Thema in die Medien gebracht.

In Paris werden die Weichen für unsere Zukunft gestellt

133 Länder, darunter Deutschland, versuchen ein sogenanntes Langzeitziel in den Vertrag zu bringen. Das soll jetzt schon einen konkreten Zeitplan festschreiben, bis wann die weltweiten Emissionen auf Null gebracht werden. Mit einem solchen Ziel würde man Anreize für erneuerbare Energien und energieeffiziente Technologien schaffen. Die Zeit drängt aber: Da in den kommenden Jahren viele alte Kraftwerke abgeschaltet werden und neue gebaut werden müssen, muss diese Chance nun auch genutzt werden.

(Bild: Adopt a Negotiator/GCCA)
Wo stehen wir?

Bisher haben über 140 der auf der Konferenz vertretenen Staaten ihre nationalen Klimaschutzziele vorgelegt. Die darin enthaltenen Maßnahmen würden die globale Erwärmung auf 2,7°C begrenzen. Das wäre ein Fortschritt, hätte aber noch immer katastrophale Auswirkungen auf unsere Umwelt. Auch konnte noch keiner der großen Streitpunkte aus dem Vertragsentwurf geklärt werden, weil täglich Absätze gestrichen und dann wieder eingefügt werden.

Heute sollte eigentlich der letzte geplante Verhandlungstag vor Beginn der Konferenz in Paris sein. Auf den Fluren machen jedoch mittlerweile Gerüchte die Runde, dass noch eine weitere Sitzung stattfinden könnte, um die drängendsten Fragen zu klären. So oder so erwartet die Staaten in Paris eine harte Verhandlungsrunde, um mit dem Abkommen zumindest ein Fundament für einen weltweit verbindlichen Klimaschutz zu legen.