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Wir haben einen Klimaexperten um realistische Ideen gebeten.

Deutschland scheitert beim Klimaschutz. Wie auch die 19 anderen Mitglieder der G20-Staaten. Das ist das Ergebnis des neuen "Brown to Green"-Berichts von mehreren Wissenschaftlerinnen und Umweltschützern. Diese untersuchen seit 2015, ob sich die G20-Länder an ihre eigenen Ziele zum Klimaschutz halten. Ob sie etwa Maßnahmen ergreifen, um Schadstoffe und Treibhausgase zu verringern.

Das bemängelt der "Brown to Green"-Bericht:

  • Die G20-Staaten sind für etwa 80 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Und schaffen es kaum, ihre Anteile zu reduzieren. 
  • Bei 15 der 20 Länder, darunter Deutschland, sind die Emissionen im vergangenen Jahr sogar wieder gestiegen
  • Etwa 82 Prozent der Energie in den Ländern wird aus Kohle, Öl und Gas erzeugt – und kaum aus erneuerbaren Energien. 
  • Vor allem der Kohleausstieg wird in vielen Ländern kaum unterstützt, am Schadstoff wird festgehalten. 

Wie der Klimaschutz gelingen soll

Eigentlich haben sich die meisten Länder der Erde im Pariser Klimaschutzabkommen freiwillig auf das sogenannte Zwei-Grad-Ziel geeinigt. Die weltweite Erderwärmung soll nicht um mehr als zwei Grad ansteigen. Um das zu erreichen, müssten alle Länder ihre Treibhausgas-Emissione bis 2050 um die Hälfte reduzieren, Schwergewichte wie die USA und China sogar noch deutlich mehr.

Ist schon alles verloren? Oder gibt es Maßnahmen, mit denen Deutschland seine Klimaziele erreichen könnte?

Die gibt es, sagt der Politikwissenschaftler Lukas Fesenfeld von der ETH Zürich. Er ist Mitgründer des NAHhaft Instituts für nachhaltige Ernährungsstrategien und erforscht, wie sich der Ernährungssektor auf den weltweiten Klimawandel auswirkt – wie also Getreideanbau und Massentierhaltung bei den Emissionen von Treibhausgasen mitmischen. 

In einer neuen Studie für die Fachzeitschrift "Nature Climate Change" kritisiert er, dass viele Staaten nur auf langfristige Klimaziele schauen – und dabei vergessen, schon jetzt die Weichen für kurzfristige Verbesserungen zu stellen. 

Klimapolitikforscher Lukas Fesenfeld

(Bild: privat)

Wir haben mit Lukas über Ideen gesprochen, die Deutschland jetzt in Gang bringen kann.

Diese fünf Maßnahmen können helfen, den Klimawandel noch aufzuhalten:

1 Fördert mehr künstliches Fleisch!

Die meisten Emissionen kommen immer noch aus dem Elektrizitätssektor – aber dort wird ja schon über erneuerbare Energien gesprochen, sagt Lukas. Den Fleischkonsum habe hingegen kaum jemand im Blick. 

Es ist typisch beim Klimaschutz: Die meisten denken an Abgase, kaum jemand an die Ernährung.
Lukas Fesenfeld

Methan gehört zu den schädlichsten Treibhausgasen, Kühe – massenhaft gehalten – stoßen es ständig aus. Für ihre Futtermittel werden ganze Wälder gerodet, der Anbau und Transport des Futters verursacht ebenfalls Emissionen. Kurzum: Jedes Stück Fleisch, das wir essen, hat einen riesigen CO2-Fußabdruck.

"Die Politik muss jetzt damit anfangen, vegetarische Alternativen zu fördern", sagt Lukas. Es gibt mittlerweile Fleischersatz auf Pflanzenbasis, der nicht mehr von echtem Fleisch zu unterscheiden ist. Unternehmen, die an solchen Alternativen forschen, sollten vom Staat unterstützt werden, meint Lukas. "Außerdem kann der Staat einfach mehr Klimateller, also klimafreundliche Menüs, in Kantinen fördern – anstatt ewig über den einen 'Veggie Day' pro Woche zu streiten." 

Wird weniger Fleisch gegessen, wird bald auch weniger produziert. 

2 Zieht endlich den Kohleausstieg durch!

Kohle wird immer noch zur Stromgewinnung gefördert – dabei gilt sie als besonders schadhaft. Die letzten Fördergebiete in Deutschland sollen nun geschlossen werden. "Der Kohleausstieg ist in Deutschland nur eine Frage der Zeit", ist sich Lukas sicher. 

Allerdings zögere die Politik noch, ihn endlich durchzusetzen. Vor allem die Unternehmen hoffen noch auf letzte Gewinne. Jeder weitere Tag sei jedoch kostbar: 

Die Zeit zur Erreichung der Klimaziele ist begrenzt. Je schneller der Kohleausstieg kommt, desto besser.
Lukas Fesenfeld

Die Politik sollte überlegen, wie sie die Kohlegebiete renaturalisieren und den letzten Arbeitern neue Jobs verschaffen kann.

3 Setzt jetzt auf Elektroautos!

Lukas ist sich sicher, dass der Elektromotor die Technik der Zukunft wird. "China hat in Sachen E-Mobilität vorgelegt und wird dafür sorgen, dass alle nachziehen." 

Deutschland habe den Wandel hingegen verschlafen. Der Klimapolitikforscher meint, ein Ausbau von Elektro-Tankstellen mit erneuerbarem Strom und Batterietechnologie sei nun dringend nötig. Je besser das Netz, desto mehr Menschen steigen auch lieber auf Elektro-Autos um.

4 Führt eine CO2-Steuer ein!

Eigentlich ist Lukas gegen eine Steuer als ersten Schritt:

Es ist immer besser, Anreize zu schaffen, bevor man auf Bestrafung setzt.
Lukas Fesenfeld

Allerdings kann es helfen, Produkte stärker zu besteuern, die einen hohen CO2-Fußabdruck haben – "am besten, wenn auch klimafreundliche Alternativen gefördert werden. Es bedarf schlauer Politikpakete mit einem Mix aus Anreiz, Regulation und Information."

Viele Ökonomen seien sich einig, dass die CO2-Steuer das effektivste Instrument ist, den Klimawandel aufzuhalten, sagt Lukas.

Wie funktioniert eine CO2-Steuer?

Die Steuer rechnet um, wie viel CO2 und andere Treibhausgase die Herstellung zum Beispiel eines Kilos Fleisch oder eines Liters Kraftstoff verursacht – und schlägt anteilig eine Steuer drauf. 

In der kanadischen Provinz British Columbia gibt es seit 2008 so eine Steuer. Das Geld steckt die Regierung in Projekte zum Klimaschutz. Auch Schweden und Mexiko haben eine CO2-Steuer, in Deutschland wird die Idee zumindest diskutiert.

Allzu hoch müsste eine solche Steuer nicht mal ausfallen: Für Deutschland würde es laut einer Modellstudie reichen, Rindfleisch mit 21 bis 25 Prozent zu besteuern, um den Konsum um ein Viertel zu reduzieren. 100 Gramm Rinderfilet würden dann zum Beispiel statt vier Euro also fünf Euro kosten.

Statt einer neuen Klimasteuer könnte man auch die Mehrwertsteuer erhöhen und die Einnahmen auf Klimaprojekte umlegen, sagt Lukas. In Deutschland könnte zum Beispiel der Steuersatz auf tierische Produkte auf 19 Prozent angehoben werden.

5 Hört auf die Bürgerinnen und Bürger!

Wenn die Politik nicht handelt, verweist sie oft auf den Unmut der Bürger. Diese würden nicht auf Fleisch verzichten wollen oder keine höheren Steuern zahlen wollen. Lukas sagt, dass Forschungen längst das Gegenteil beweisen:

Viele Menschen haben realisiert, dass der Klimawandel nicht mehr in ferner Zukunft liegt – und sind gerne bereit, ihren Anteil zu leisten und effektive Klimapolitik zu unterstützen.
Lukas Fesenfeld

In Kanada sei zum Beispiel die CO2-Steuer schnell angenommen worden, zeige eine Studie. Wichtig sei, dass die Bürgerinnen und Bürger merken, dass es die Regierung ernst meine mit dem Klimaschutz.

"Die öffentliche Meinung ist auch in Deutschland nicht das Hindernis", sagt Lukas. Hier würde die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler eine Klimasteuer in Höhe von bis zu 30 Prozent akzeptieren. "Vielmehr sind es derzeit noch Lobbyverbände und risikoscheue Politiker."


Haha

Lukas und sein Vater machen die besten Fotos, die man in einer Wildwasserbahn schießen kann
Jedes Jahr ein Bild, das ist seine Story

Wenn Lukas, 26, mit seinem Vater auf den Bremer Freimarkt geht, dann gehört der Besuch der Wildwasserbahn zum Pflichtprogramm. Das war schon in seiner Kindheit so. Am Ende gibt's ein Bild der beiden aus dem Fahrgeschäft – für's Fotoalbum. Da kleben schon seit 1983 Bilder von Lukas' Papa mit seinen beiden älteren Halbgeschwistern. Als Lukas ins Grundschulalter kam, dann ging es selbstverständlich mit ihm weiter.

Aber irgendwann wurde das Lukas zu langweilig: "Vor fünf, sechs Jahren dachte ich mir, dass wir die Fotos vielleicht ein bisschen pimpen", sagte er zu bento. "Dann haben wir uns ein wenig Blödsinn überlegt und irgendwelche Accessoires mitgenommen."

Heraus kamen diese fantastischen Fotos: