Bild: Reuters / Benoit Tessier

Das Leben in Paris geht weiter – nur manchmal wird man noch daran erinnert, was hier am 13. November passiert ist. Die französische Regierung hat für die nächsten drei Monate den Ausnahmezustand ausgerufen. Dadurch kann die Bewegungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt werden, Veranstaltungen abgesagt, Menschen unter Hausarrest genommen und Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss durchgeführt werden. Das Stadtbild wird immer noch durch patrouillierende Soldaten und schwer bewaffnete Polizisten geprägt.

Französische Soldaten patrouillieren vor dem Louvre(Bild: Reuters / Charles Platiau)

Seit dem 30. November treffen sich außerdem Vertreter von 196 Regierungen in Paris, um ein neues globales Klimaschutzabkommen zu beschließen – unter ihnen 147 Staats- und Regierungschefs sowie unzählige Minister und Abgeordnete. Insgesamt sind über 40.000 Menschen für die Konferenz angemeldet. Hinzu kommen hunderttausende weitere Journalisten, Demonstranten und Industrievertreter.

Welche Auswirkungen haben die Terroranschläge auf die Konferenz?

Vor allem Großversammlungen im Umfeld der Verhandlungen waren betroffen. Vor Beginn der Konferenz sollte der Global Climate March parallel in unzähligen Städten weltweit stattfinden. In Paris musste die Versammlung, bei der über 200.000 Menschen erwartet wurden, aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Aktivisten haben daraufhin eine Menschenkette durch die Stadt gebildet, um der Opfer der Anschläge zu gedenken und für ein starkes Abkommen zu demonstrieren. Schuhe, gespendet unter anderem von Ban Ki-moon, Papst Franziskus und Schauspielerin Marion Cotillard, wurden auf den Place de la République gestellt, um die Menschen, die nicht marschieren durften, zu symbolisieren.

Am 29. November stellten viele Pariser Schuhe auf dem Place de la Republique – ein stiller Protest gegen das Demonstrationsverbot(Bild: Reuters / Eric Gaillard)

Bei einer Konferenz wie der COP21 sind die Sicherheitsvorkehrungen selbst unter normalen Bedingungen extrem hoch: Es gibt flughafenähnliche Sicherheitskontrollen, bevor überhaupt das Gelände betreten werden darf. Im und um das Gelände sind mehrere Sicherheitszonen aufgebaut, allgegenwärtig ist das Sicherheitspersonal. Während der Teilnahme der Staatschefs in den ersten Tagen wurde außerdem ein Großteil der Straßen in Paris gesperrt.

(Bild: Reuters / Jacky Naegelen)
Gibt es auch politische Auswirkungen?
Die politischen Auswirkungen der Attacken sind etwas schwieriger einzuschätzen. In den Medien kam die Frage auf, ob man solch eine Konferenz momentan in Paris stattfinden lassen sollte. Alle Regierungen bekräftigten jedoch, dass sie sich nicht von den Terroristen beeindrucken lassen und teilnehmen werden. In den Eröffnungsstatements wurde mehrfach der Opfer gedacht und immer wieder betont, dass der Klimawandel und der Kampf gegen den Terrorismus zwei der größten Herausforderungen unserer Generation seien.
Wir haben uns zusammengefunden, um zwei der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts anzugehen: Der Kampf gegen den Terrorismus und der Kampf gegen Klimawandel.
Der französische Außenminister und Konferenzpräsident Laurent Fabius in seiner Eröffnungsrede

Auf der Konferenz geht man momentan nicht davon aus, dass sich durch die Anschläge große Veränderungen für das Abkommen ergeben. Luke Kemp, Dozent für internationale Beziehungen an der Australian National University und langjähriger Verfolger der Klimaverhandlungen, sagt: „Direkte politischen Auswirkungen der Attacken sind nicht spürbar. Was jedoch spürbar ist, sind die negativen Auswirkungen auf den Prozess und den Diskurs, der geführt wurde. Durch die erhöhten Sicherheitsauflagen sind beispielsweise zivilgesellschaftliche Beobachter stark eingeschränkt, die sonst Einfluss auf ihre Regierungen nehmen konnten.“

Auch andere Teilnehmer gehen davon aus, dass viele der anwesenden Staatschefs die Chance nutzen, um ihre Solidarität zu bekunden, aber wenig direkte Taten folgen lassen werden. Viele der Verhandlungen sind seit Jahren im Detail vorbereitet und national ausgehandelt, dass so kurzfristige Ereignisse sie normalerweise nicht beeinflussen können.

Auf der Konferenz wird nicht nur über technische Möglichkeiten diskutiert, den Klimawandel zu begrenzen. Viele der hier behandelten Themen sind eng mit Entwicklungs-, Finanz- und Friedenspolitik verwoben. Durch den Klimawandel drohen mehr Extremwetterereignisse, Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen, die Regionen unbewohnbar machen. Nach Daten des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) verliert bereits jetzt jede Sekunde ein Mensch aufgrund von Naturkatastrophen seine Behausung (IDMC, PDF). Der Klimawandel wird dieses Problem aller Voraussicht nach verstärken, klimabedingte Migration wird steigen und der Verlust der Lebensgrundlage wird viele Menschen aus ihren Lebensräumen vertreiben und Konfliktpotential verstärken.

Die Länder, die bereits jetzt von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, versuchen daher schon länger sowohl Anpassungsmaßnahmen als auch mögliche Kompensationsregeln die für sogenannten „Verluste und Schäden“ auf die Tagesordnung zu setzen – mittlerweile mit Erfolg.

Ein starkes Abkommen kann daher auch der Friedenssicherung dienen. Kemp sieht jedoch noch einen weiteren Aspekt, wie die Verhandlungen den Frieden unterstützen können: „Neben der geringeren Gefahr von durch den Klimawandel verursachten Schäden sollte man auch beachten, dass beispielsweise der IS pro Monat bis zu 40 Millionen US-Dollar Gewinn mit dem Verkauf von Erdöl macht." Ein Abkommen, das darauf abzielt, Erdöl bald überflüssig zu machen, würde dem IS also mittelfristig eine wichtige Einnahmequelle nehmen.