Die globale Erwärmung auf weit unter 2°C begrenzen – das war eine wichtige Entscheidung beim Klimagipfel in Paris vor einem Jahr. Nun geht es an die Umsetzung und da sieht es alles andere als konkret aus.

Deswegen treffen sich die teilnehmenden Länder ab Montag in Marokko zur 22. Weltklimakonferenz. Es wird jetzt um die genaue Umsetzung gehen – denn in Paris wurde nur der Rahmen festgelegt. (bento I)

So kann man ein Klima-Abkommen auch feiern: Der L'Arc de Triomphe in Paris(Bild: Yoan Valat / dpa)
Drei Themen werden dieses Jahr voraussichtlich besonders wichtig:
  • Finanzierung: Ab 2020 sollen jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutzmaßnahmen bereitgestellt werden. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer warnen jedoch davor, dass dies bei weitem nicht für die angestrebten Klimaschutzmaßnahmen ausreicht.
  • Transparenz: Wie kann überprüft werden, wer seine Ziele erreicht und wie oft wird dies überprüft? Hierzu muss ein gemeinsames System eingerichtet werden.
  • Die Steigerung der nationalen Klimaschutzziele: Die im vergangenen Jahr veröffentlichten Ziele ergeben zusammengenommen eine Temperatursteigerung von ungefähr 2,7°C. (Climate Action Tracker)
    Daher müssen die Länder ihre geplanten Maßnahmen in den nächsten Jahren noch verstärken, um das festgelegte Ziel nicht zu verfehlen. Die erste Überprüfung ist für 2018 angesetzt, immer mehr Stimmen fordern aber bereits vorher erste Zusagen.
(Bild: Giphy )

Die Delegierten kommen in Marokko ziemlich motiviert zusammen, denn eigentlich sollte das Pariser Abkommen erst 2020 in Kraft treten – dies ist nun schon vergangenen Freitag passiert, weil bereits nach elf Monaten die erforderliche Anzahl an Staaten das Abkommen ratifiziert hat.

Viele Verhandler hoffen daher darauf, diese Dynamik mit in die Verhandlungen zu nehmen.

Gleichzeitig zweifeln Aktivisten und Umweltschutzorganisationen daran, dass die Länder bereit sind, das Abkommen schnell genug mit Leben zu füllen.

bento hat mit jungen Aktivisten gesprochen, die an der Weltklimakonferenz teilnehmen. Was sind eure Ziele und Erwartungen?
(Bild: Pablo Oriol)
Jeanne Martin, 23, Großbritannien

Jeanne ist der Inbegriff einer Europäerin. Die Aktivistin besitzt die schweizerische, französische und belgische Staatsbürgerschaft, studiert in Großbritannien und würde sich selbst als Klimapolitik-Geek beschreiben. Sie ist der Meinung, dass ein starkes, rechtlich bindendes Abkommen der beste Weg ist, weltweit etwas zu erreichen. Dafür müssen aber ihrer Meinung nach auch die Inhalte stimmen und dürfen nicht nur leere Versprechen sein.

"Der Klimawandel wird vor allem uns als junge Menschen betreffen. Und trotzdem werden wir nicht einbezogen – und wenn doch, immer nur alibimäßig. Wir sind hier, um den Verhandelnden zu zeigen, dass wir mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren können, konkrete Handlungen erwarten und wir sie nicht aus der Verantwortung lassen, wenn es um unsere Zukunft geht."

(Bild: Privat)
Kayla DeVault, 26, USA

Kayla lebt in der Navajo Nation – einem Reservat amerikanischer Ureinwohner in den USA. Die Maschinenbaustudentin engagiert sich für die Rechte von indigenen Völkern und für Klimaschutz. Sie war unter anderem in den vergangenen Wochen in Proteste gegen die umstrittene Dakota Access Pipeline involviert, die durch heilige Stätten der amerikanischen Ureinwohner führen soll. (SPIEGEL ONLINE)

"Seitdem ich in Marokko bin, habe ich Kontakt zu lokalen indigenen Gruppen aufgebaut, um herauszufinden, wo wir zusammenarbeiten können. Nach dem Tod eines Fischers, der nach einem illegalen Fang in einem Müllwagen umgekommen ist, habe ich immer mehr Beispiele für Greenwashing und mangelnden Respekt für das traditionelle Leben vieler marokkanischer Einwohner gefunden. Probleme indigener Völker sind überall auf der Welt ähnlich und daher finde ich es wichtig, zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Erfahrungen und Bedürfnisse aufzuzeigen. Denn viele dieser Probleme drehen sich um Umweltfragen und Rassismus gegenüber indigenen Gruppen."

(Bild: Robert Jones)
Ismail Hamoumi, 19, Marokko

Ismail kommt aus Marokko und hat im Sommer das mediterrane Jugendklimaforum organisiert. Sein Ziel ist es, die Akteure in der Region zusammenzubringen und Zusammenarbeit zu fördern, denn seiner Meinung nach ist der Kampf gegen den Klimawandel vor allem ein Zeichen der Solidarität untereinander, bei dem jeder Verantwortung tragen sollte.

"Entwicklungsländer wie Marokko könnten die neuen ökologisch führenden Länder werden. Durch sein neues Solarkraftwerk ist Marokko zu einem der führenden Solarenergielieferanten geworden; es unterstützt Kleinbauern bei der Umsetzung nachhaltiger Landwirtschaft und es hat Hunderte Dämme gebaut, um Wasserreserven zu sichern. Daher ist es auch ein Zeichen nach außen, dass Marokko die Weltklimakonferenz ausrichtet. Ein Wandel zu nachhaltiger Politik ist letztlich nur eine Frage des Willens!"

(Bild: Privat)
Beatriz Azevedo de Araujo, 23, Brasilien

Beatriz hat gerade ihren Abschluss in Jura gemacht und arbeitet jetzt als Anwältin. Außerdem nimmt die Klimaaktivistin aus Brasilien seit 2013 an den Weltklimakonferenzen teil. Sie will dort vor allem darauf aufmerksam machen, was der Klimawandel wirklich in Brasilien anrichtet und für Konsequenzen für die Menschen vor Ort hat.

"Es ist einfach, sich von der Realität abzukapseln, wenn du bei den Vereinten Nationen bist, daher muss irgendjemand die Leute dran erinnern, warum wir hier sind: Es geht um die Menschen, deren Heimat vom steigenden Meeresspiegel verwüstet wird, deren Wasser durch Dürren verschwindet, und deren grundlegende Menschenrechte durch Regierungen und Konzerne, die nur ans Geld denken, ignoriert werden. Es ist unsere Verantwortung als junge Menschen hier, die unangenehme Stimme zu sein, die niemand hören will, aber die immer wieder in deinem Hinterkopf nagt."

(Bild: Privat)
Jonathan Odongo, 28, Kenia

Jonathan ist der Gründer des Kenya Environmental Education Network, mit dem er versucht, junge Menschen über die Folgen des Klimawandels aufzuklären. Hierzu arbeitet er mit Schulen zusammen und zeigt Schülern, wie sie beispielsweise Energie und Wasser sparen oder erneuerbare Energien zum Kochen nutzen können.

"Mein Ziel ist es, mehr Aktionen gegen den Klimawandel in Kenia zu inspirieren. Indem ich hier teilnehme, werde ich in einer Position sein, um die Fortschritte zu verstehen, analysieren und hoffentlich so weiterzugeben, dass wir noch mehr gegen den Klimawandel tun können."

(Bild: David Tong)
Kya Lal, 24, Fiji

Kya ist angehende Anwältin und lebt im Pazifikraum. Sie nimmt seit einigen Jahren an den Klimakonferenzen teil und versucht, vor allem für die kleineren Inselstaaten einzutreten, die kaum Vertreter auf diesen Konferenzen haben und dementsprechend wenig Einfluss nehmen können.

"Manchmal kann es einschüchternd sein, wenn man die einzige Person von den pazifischen Inseln in einem Raum bei einem solch wichtigen Event ist. Aber gleichzeitig erinnert es mich auch daran, warum ich hier bin. Die pazifischen Inseln sind im Kampf gegen den Klimawandel an vorderster Front und jeden Tag verlieren sie ein bisschen mehr. Oft genug werden wir von allen als Aushängeschilder für die Opfer des Klimawandels benutzt und trotzdem sind wir als kleine Region mit wenig Ressourcen auf der internationalen Bühne unterrepräsentiert und werden ignoriert, wenn es um unsere Forderungen geht."

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