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Wir waren in Paris bei den #COP21-Verhandlungen.

In Paris wurde am Samstagabend um 19.26 Uhr Geschichte geschrieben. Mehr als 24 Stunden nach geplantem Konferenzende wurde mit dem Paris Agreement das erste globale, rechtlich verbindliche Klimaschutzabkommen beschlossen. Als Konferenzpräsident Laurent Fabius den Hammer fallen ließ, brach auf dem Konferenzgelände großer Jubel aus.

René Kieselhorst war für bento vor Ort und hat die Verhandlungen verfolgt. Hier fasst er zusammen, was das Abkommen bedeutet:

Wie will man den Klimawandel begrenzen?

Im Vorfeld der Konferenz haben fast alle Staaten ihre geplanten Ziele zur Emissionsreduktion veröffentlicht. Zusammengenommen würden diese Einsparungen die globale Erwärmung auf 2,7°C begrenzen – weit über dem, was die Staaten jetzt beschlossen haben und was Experten als notwendig identifiziert haben.

In den vergangenen Jahren war eine Obergrenze von 2°C Erwärmung im Gespräch. Daher ist es ein überraschendes Signal, dass die Länder versuchen wollen, die Erderwärmung noch deutlicher zu begrenzen: Auf 1,5°C mehr im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts. Vor allem kleinere Inselstaaten haben dafür gekämpft, da es für sie den Unterschied zwischen Untergehen und Überleben bedeutet.

Dieses Ziel ist extrem ambitioniert, 1°C Erwärmung ist bereits erreicht.

Frankreichs Präsident Francois Hollande mit Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon(Bild: Reuters / Stephane Mahe)
Wie soll das Ziel doch noch erreicht werden?

Um die Lücke zwischen den bisherigen Maßnahmen und den angestrebten Zielen zu schließen, wird ein sogenannter Ambitionsmechanismus eingeführt. Hiermit sollen alle fünf Jahre die nationalen Ziele überprüft und gegebenenfalls verbessert werden. Die erste Überprüfung wird 2018 stattfinden.

Ebenfalls enthalten ist ein sogenanntes Langzeitziel. Es wurde beschlossen, dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts alle Emissionen netto null sein sollen. Das heißt, es kann zwar weiterhin Emissionen in den verschiedenen Sektoren wie Elektrizität, Transport oder Landwirtschaft geben, diese müssen aber zum Beispiel durch Aufforstungen oder CCS, also dem Speichern von Kohlenstoffdioxid, ausgeglichen werden. Hauptziel ist jedoch die Reduktion von Treibhausgasen.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der Konferenzpräsident(Bild: Reuters / Stephane Mahe)
Was ist, wenn man ihn nicht überall begrenzen kann?

Hierzu gibt es zwei eigenständige Bereiche: Anpassung sowie Verluste und Schäden. Selbst, wenn wir sofort aufhören würden, Emissionen zu produzieren, würde der Klimawandel noch weiter voranschreiten. Länder sollen daher entsprechende Maßnahmen schaffen, um auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Hier gibt es wenig Veränderungen zu früheren Beschlüssen.

Neu ist jedoch ein eigenständiger Mechanismus zu Verlusten und Schäden. Dieses Thema wurde in den letzten Jahren vor allem von kleinen Inselstaaten auf die Agenda gesetzt, da es bisher keine Regelung gab, wie mit Folgen des Klimawandels umgegangen wird, die nicht mehr verhindert werden können. Dies ändert sich jetzt – allerdings haben die USA durchgesetzt, dass Regeln zur Haftung und Kompensationsregeln ausgenommen sind. Details müssen daher in den nächsten Jahren ausgehandelt werden.

Greenpeace-Aktivisten am 9. Dezember in der Nähe von Paris(Bild: Reuters / Jacky Naegelen)
Wer bezahlt das?

Die Staaten haben sich darauf geeinigt, dass ab 2020 mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr in den Green Climate Fund gezahlt werden müssen. Diese Summe soll ab 2025 überprüft werden.

Was bedeutet das? Ist das Klima gerettet?

Nein. Der Vertragstext ist um einiges ambitionierter als erwartet, aber ohne entsprechende Mechanismen zur Umsetzung wird man das Ziel nicht erreichen. Das 1,5°C-Ziel, das Langzeitziel, Regeln zu Verlusten und Schäden sowie die Finanzzusagen sind Punkte, die vor einigen Jahren noch als utopisch galten. Viele Details der Umsetzung werden in den nächsten Jahren weiter ausgehandelt, aber insgesamt sendet der Vertrag ein starkes Signal.

Müssen alle Länder das Gleiche leisten?

Nein. Anfang der Neunziger, als die Klimaverhandlungen anfingen, war die Welt noch anders: Die Ländergruppen waren sehr viel stärker in Industrie- und Entwicklungsländer geteilt, die unterschiedliche Emissionsniveaus hatten. Das führte dazu, dass unter dem Kyoto-Protokoll nur die Industrieländer Emissionen reduzieren mussten.

Das hat sich mittlerweile geändert: Zwar haben die Industrieländer immer noch höhere Emissionsniveaus; Länder wie China und Saudi-Arabien zählen aber immer noch zu den Entwicklungsländern, die keine Verpflichtungen haben und Transfergelder bekommen. Die EU und die USA wollten diese Zweiteilung überwinden, die Entwicklungsländer waren strikt dagegen.

Die nun erzielte Einigung: Entwicklungs- und Schwellenländer übernehmen ebenfalls Verantwortung. Industrieländer tragen jedoch weiterhin den Hauptteil der Verpflichtungen.

Und nun?

Am 22. April 2016 soll der Weltklimavertrag in New York von den Staatschefs unterzeichnet werden. Damit scheint die Zeit der fossilen Treibstoffe wie Gas, Öl, Kohle langfristig zu Ende zu gehen. Alle Länder verpflichten sich, ihre Emissionen auf Null zu fahren. Dies wird in den nächsten Jahren nicht nur in nationales Recht umgesetzt, sondern wird Einfluss auf alle Teile der Gesellschaft haben.

Ahmad Alhandawi, Jugendbotschafter von Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon, sagte im Gespräch mit bento: "Diese Verhandlungen werden Signale an jeden senden: Bürger, Regierungen und die Wirtschaft. Wir dürfen diese Kraft nicht verlieren, das ist die wahre Kraft hinter diesen Verhandlungen. In einer Zeit, in der die Welt mit so vielen Konflikten zu kämpfen hat, sollten wir ein paar gute Nachrichten in die Welt bringen."

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