Und was kann ich bei der Kleiderspende falsch machen?

Das T-Shirt, das seit Monaten im Schrank liegt, ohne getragen zu werden. Seltsamer Aufdruck, komische Farbe. Die Jeans, die einfach mittlerweile zu kurz ist, bei der man sich aber nicht überwinden kann, sie auszusortieren. Vielleicht zieht man sie ja nochmal an, irgendwann.

Nein. Wird man nicht. Wenn diese Erkenntnis einen trifft, steht man vor dem nächsten Problem: Wohin damit? 

Zu schön ist das Shirt, um es einfach in den Müll zu schmeißen, zu faul ist man selbst, um jedes Stück online oder auf dem Flohmarkt zu verkaufen.

Übrig bleibt: die Klamottenspende. 

Unkompliziert und nachhaltig

Stimmt das?

Was passiert wirklich mit einem T-Shirt, das im Altkleider-Container am Straßenrand landet? Fliegt es bis nach Afrika oder verkauft es der Secondhand-Laden im Szeneviertel teuer als Vintage-Shirt? 

In Deutschland werden jedes Jahr etwa eine Million Tonnen Altkleider gespendet. Packt man all die Spenden in Lkw und reiht sie auf, wäre das ein Stau von Flensburg bis Innsbruck, erklärt Thomas Ahlmann. Er ist Sprecher von FairWertung e.V., einem Dachverband von gemeinnützigen Altkleidersammlungen in Deutschland.

Er hat uns erklärt, welche Wege ein gespendetes T-Shirt geht – und wie nachhaltig Klamottenspenden eigentlich sind. Mit ihm haben wir den Check gemacht: Wie spendet man am besten? In Sozialkaufhäusern, im Altkleider-Container oder im Einzelhandel, zum Beispiel bei H&M?

Direktabgabe in Sozialkaufhäusern

Wie funktionierts?

Eine Direktabgabe kannst du in einem Sozialkaufhaus machen. Die gibt es in jeder Stadt. Häufig werden sie von der Arbeiterwohlfahrt oder dem Roten Kreuz getragen. Immer seltener gibt es Kleiderkammern, aber auch sie nehmen Kleiderspenden an. Direktabgaben sind auch bei Secondhand-Läden wie Oxfam möglich.

Wie nachhaltig ist es?

Die meisten Sozialkaufhäuser achten auf eine hochwertige stoffliche Verwertung. Das bedeutet, dass 90 Prozent der gespendeten Kleidung weiter- oder wiederverwertet werden. Auch Kleidung, die nicht mehr tragbar ist, wird verwendet und zum Beispiel zu Lappen oder Malerflies verarbeitet.

Aber nicht jede Kleiderspende wird in dem jeweiligen Kaufhaus verkauft. Die Spendenbereitschaft ist größer als die Nachfrage – deshalb verkaufen die Kaufhäuser einen Teil der Spenden an Sortierbetriebe. 

Was passiert in den Sortierbetrieben?

Die Sortierbetriebe kaufen die Inhalte von Altkleider-Containern oder Kleiderbeutel von Haustürsammlungen. Außerdem kaufen sie die überschüssigen Spenden aus Sozialkaufhäusern.

In den Sortierbetrieben wird die Kleidung nach Zustand geordnet. Es gibt bis zu 400 Kategorien. Im Schnitt landet dabei jedes zehnte Kleidungsstück im Müll. Etwa die Hälfte der Kleidung wird als tragbar eingestuft – und meist ins Ausland verkauft. (Spiegel Online)



"Der Weiterverkauf der Überschüsse bringt zusätzliche Erlöse, die vor Ort eingesetzt werden können", sagt Ahlmann. Das bedeutet: Auch Kleiderspenden, die nicht direkt im Kaufhaus verkauft, sondern an Sortierbetriebe weiterverkauft werden, sind eine wichtige Spende, denn sie helfen der Träger-Organisation finanziell.

(Bild: dpa / Hendrik Schmidt)

Fairness

Wer genau wissen will, was mit der gespendeten Kleidung passiert, sollte beim Kaufhaus direkt nachfragen, sagt Ahlmann.  

Das Besondere an Sozialkaufhäusern: Sie schaffen Arbeitsplätze. So sollen zum Beispiel Langzeitarbeitslose durch einen Job im Kaufhaus zurück ins Berufsleben finden. 

Die Sozialkaufhäuser sind nicht nur für Bedürftige. Denn auch, wenn man dort einkauft, tut man etwas Gutes: "Alle Einnahmen fließen zurück in die Organisation und unterstützen das Projekt", sagt Ahlmann. 

Spendest du deine Kleidung an ein Sozialkaufhaus, kann dein T-Shirt direkt dort im Verkauf landen oder es wird durch den Weiterverkauf an einen Sortierbetrieb zu einer indirekten Geldspende.

Altkleider-Container

Wie funktionierts?

Etwa 120 000 Altkleider-Container stehen in deutschen Städten und Dörfern. Aufkleber weisen häufig darauf hin, die Kleidungsstücke bitte in Tüten zu verpacken. "Wer die Container aufstellt und was mit der gespendeten Kleidung passiert, ist aber nicht immer direkt zu erkennen," sagt Thomas Ahlmann. 

Nachhaltigkeit

Die Kleidersäcke aus den Containern werden ungeöffnet direkt an Recycling- und Sortierbetriebe verkauft. Auch hier gehen die Einnahmen an die Organisation, die den Container aufstellt.

Viele Kleiderspenden landen anschließend im Ausland, zum Beispiel in osteuropäischen Ländern, oder fliegen bis nach Afrika. Dort ist die Nachfrage nach gut erhaltener Secondhand-Kleidung groß. Der Import schafft neue Arbeitsplätze, weil viele kleine Händler die Kleidung weiterverkaufen und sich so etwas Eigenes aufbauen können. (Süddeutsche Zeitung). 

Kritisiert wird allerdings auch, dass die Spenden wiederum den lokalen Textil-Handel zerstören (Neue Zürcher Zeitung). Außerdem muss die Kleidung irgendwie dorthin kommen: Per Flugzeug oder Schiff – umweltfreundlich ist das nicht. 

(Bild: dpa / Jens Kalaene)

Fairness

Unter den aufgestellten Containern gibt es auch "schwarze Schafe". Knapp 10 Prozent der Altkleider-Container werden illegal aufgestellt, schätzt der Dachverband FairWertung. Der Inhalt dieser illegalen Container wird für größtmöglichen Profit weiter verkauft. Der gute Zweck spielt dabei kaum noch eine Rolle. 

"Für die Menschen, die glauben, ihre Kleidung für einen guten Zweck zu spenden, sind solche illegalen Container ärgerlich, da ihre guten Absichten ausgenutzt", sagt Ahlmann. 

Für die Hilfsorganisationen sind sie vor allem ärgerlich. Die Spender werden misstrauisch. Die illegalen Container-Betreiber sind eine unfaire Konkurrenz – schließlich kann jedes Kleidungsstück nur einmal gespendet werden.

Der Weg von Spenden aus dem Altkleider-Container ist weniger transparent als bei Direktabgaben etwa in Sozialkaufhäusern. Dafür ist die Spende aber unkomplizierter. Die Container gibt es quasi überall und sie sind immer zugänglich. 

Wer sicher gehen will, dass ein Container von einer vertrauenswürdigen Organisation ist, sollte die Telefonnummer auf dem Container wählen und sich erkundigen, wer ihn aufgestellt hat und was mit den Kleiderspenden passiert.


(Bild: Unsplash / Prudence Earl)

Altkleider-Sammlungen im Einzelhandel, zum Beispiel bei H&M

Auch in H&M-Filialen kann man Altkleider spenden. Das Unternehmen schreibt auf seiner Internetseite: "Wirf deinen Sack mit aussortierter Kleidung in den Sammelcontainer in deinem Store." Belohnt wird der Spender dafür mit einem Rabatt von 15 Prozent auf den nächsten Einkauf. 

Der Verband FairWertung sieht die Sammelaktion von H&M kritisch. Die Aktion sei vor allem eine Werbeaktion zur Umsatzsteigerung und Imagepflege.

Nachhaltigkeit

Wer Kleidung bei H&M spendet, erhält im Gegenzug Rabatte – um sich neue Kleidung zu kaufen.

Einerseits gibt H&M also vor, den weltweiten Textil-Müllberg verkleinern zu wollen, animiert aber die Kunden durch die Rabattaktion zum Kauf weiterer Kleidung. "Das ist ein Widerspruch in sich", heißt es in einer Pressemitteilung von FairWertung.

(Bild: dpa / Hauke-Christian Dietrich)

Fairness

Ob H&M mit einer karitativen Einrichtung kooperiert oder die Kleiderspenden ebenfalls an Sortierbetriebe verkauft, wird auf der Internetseite, die die Aktion bewirbt, nicht deutlich.

H&M schreibt, dass noch tragbare Kleidung in gutem Zustand, "als Second-Hand-Ware auf der ganzen Welt" verkauft wird. Nicht mehr tragbare Textilien würden zu Putzlappen verarbeitet oder komplett zu Textilfasern oder Dämm- und Isolierstoffen recycelt.

Auf Anfrage von bento erklärt H&M, dass das Unternehmen im Zuge der Recycling-Initiative mit dem Partner I:collect zusammenarbeite.

I:collect ist ein "globaler Dienstleister für die In-Store-Sammlung, die Wiederverwendung und das Recycling gebrauchter Textilien und Schuhe", heißt es auf der Website des Unternehmens.

"Im Endeffekt passiert mit der gespendeten Kleidung aus den Containern bei H&M das Gleiche wie mit Kleiderspenden aus Containern auf der Straße: Sie werden direkt an gewerbliche Sortierbetriebe weitergegeben", erklärt Ahlmann.

Was mit einem T-Shirt passiert, das in einer Spendenbox einer H&M-Filiale landet, ist schwer nachzuverfolgen.

Außerdem ist fraglich, wie nachhaltig der Tausch von Kleidung gegen Rabatte ist, die zum erneuten Kauf animieren könnten. 

Was sollte ich also beachten, wenn ich Kleidung spende?

  • Frag dich: Warum spende ich? Will ich die Klamotten einfach loswerden oder geht es mir auch um den guten Zweck?
  • Wer sicher sein will, dass gespendete Klamotten tatsächlich Bedürftigen helfen, gibt sie am besten direkt bei einer karitativen Einrichtung wie einem Sozialkaufhaus ab. Hier werden die Klamotten direkt als Spende weitergereicht oder werden zu indirekten Spenden, in dem sie weiterverkauft werden.

    Wo du Sozialkaufhäuser in deiner Nähe findest, kannst du zum Beispiel auf Internetseiten der Caritas, vom Roten Kreuz oder der Arbeiterwohlfahrt nachlesen. 

  • Bei Spenden in Containern solltest du darauf achten, dass der Container einen FairWertung-Aufkleber trägt. Der Sticker kennzeichnet vertrauenswürdige Altkleidersammler, die sich an den Verhaltenskodex von FairWertung halten. 
  • Wer sich bei einer Spende in den Container trotzdem unsicher ist, sollte die angegebene Telefonnummer anrufen.



Fühlen

Dieser Tweet bewegt gerade Tausende – weil er auf den Punkt bringt, wer die Schuld an sexueller Gewalt trägt
Es sind einzig und allein diejenigen, die sie ausüben.

"Hättest du mal nicht so ein kurzes Kleid getragen." "Hättest du mal nicht so viel getrunken." "Wärest du mal nicht mit diesem Typen mitgegangen."

Solche und ähnliche Sätze müssen sich Menschen, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist, häufig anhören. Manchmal sagen sie diese Sätze sogar zu sich selbst.

Es sind Sätze, die unterstellen, dass es für Opfer von sexueller Gewalt so etwas wie eine Mitschuld gebe. Dass sie irgendetwas dazu beigetragen hätten, dass ihnen diese Misshandlung widerfahren ist.

Es sind Sätze, die es den Betroffenen zusätzlich erschweren, mit dem Erlebten umzugehen. Und es sind Sätze, die am Kern der Sache völlig vorbei gehen.

Seit #MeToo reden viele von uns offener über sexuelle Gewalt. Auch dass Opfer keine Mitschuld tragen, kommt häufiger zur Sprache.

Doch selten wurde diese Tatsache so klar und anschaulich gemacht, wie in einer Reihe von Tweets, die gerade tausendfach geteilt und geliket werden.

Geschrieben hat diese Tweets Maura Quint, eine US-amerikanische Journalistin. Sie schreibt normalerweise vor allem für "The Onion", das Vorbild für die deutsche Satire-Seite "Der Postillon". Doch in diesen Tweets will sie etwas Wichtiges sagen – und erzählt deshalb ganz persönliche Geschichten.

Die erste davon lautet: