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Auch für dich könnte er zur Gefahr werden

Brasilien hat sich entschieden. Die fünftgrößte Demokratie der Welt wählte Ende Oktober einen Faschisten zum Präsidenten. Der ehemalige Soldat verehrt die Führer der ehemaligen Militärdiktatur Brasiliens und kündigte ethnische und politische "Säuberungen" an. 

Über die Vergangenheit seines Landes sagte er, es sei ein Fehler gewesen, damals nur zu foltern, statt zu töten. Mit Ausfällen gegen Linke, Frauen, Schwarze und die LGBT-Community macht er unmissverständlich klar, wer sich nun bedroht fühlen muss. (bento)

Nun hat der neu gewählte Präsident auch der Natur den Kampf angesagt.

Was genau plant er?

Was er im Wahlkampf angekündigt hat, soll nun Realität werden: Bolsonaro will den Regenwald stark abholzen lassen, um seine Wirtschaft zu fördern. Brasilien ist unter anderem ein wichtiger Lieferant von gentechnisch verändertem Soja, der als Futter für die Fleischindustrie benötigt wird. 

Außerdem will Bolsonaro das Umweltministerium mit dem Agrarministerium verschmelzen, was einer Abschaffung gleichkommen würde. Zudem verweigert er Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Organisationen wie Greenpeace und WWF die Einreise nach Brasilien. (Guardian)

Was wird dadurch geschehen? 

Das Problem: Hunderttausende Menschen der indigenen Minderheit könnten nun ihr Land und ihr Einkommen verlieren. Bisher stehen den 400 indigenen Stämmen, die zusammen etwa 900.000 Personen ausmachen, etwa 13% der brasilianischen Landfläche zu. Nahezu all diese Flächen liegen im dafür geschützten Regenwald. Bisher lebt noch etwa die Hälfte der indigenen Bevölkerung dort. Das könnte sich nun ändern, damit große Konzerne dort die Flächen im industriellen Maßstab nutzen können. Wie Bolsonaro schon vor einem Jahr sagte: "Wo einheimisches Land ist, ist darunter auch Reichtum." (New York Times)

Außerdem ist der Regenwald nicht nur sprichwörtlich die "grüne Lunge" der Welt. Milliarden Tonnen von CO2 sind in den Pflanzen der Wälder gespeichert. Die Bäume sind nicht nur Lebensraum tausender Tierarten, sondern auch wichtig für die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff. Also wichtig für alle Menschen der Erde. Der Tagesspiegel befürchtet sogar, Bolsonaro könne so "zum Menschheitskiller" werden.  

Wieso die Zerstörung des Regenwaldes doppelt schlecht für das Klima ist, kann man in Indonesien sehen: Denn nicht nur zerstört man mit den Bäumen die Organismen, die CO2 aus der Luft holen und binden, sondern pustet es gleich zurück in die Luft. Millionen Quadratkilometer von Regenwald in Indonesien nicht nur abgeholzt, sondern mit Bränden gerodet. 2015 maß die NASA, dass nur durch die indonesischen Brände in gerade mal drei Monaten so viel CO2 in die Atmosphäre gelangte, wie ganz Deutschland in einem Jahr produziert (SPIEGEL ONLINE). Die Flächen dort werden vor allem für Palmöl-Plantagen benötigt, das sich heute in fast jedem Fertig-Essen, Plastik und Kosmetik findet. 

Dieses traurige Video zeigt einen Orang-Utan, der dort um seinen Lebensraum kämpft:

Wer unterstützt Bolsonaro?

Für die Wälder und die indigene Bevölkerung könnten Bolsonaros Pläne das Todesurteil bedeuten. Für große Firmen, von Energie über Bergbau bis Landwirtschaft, aber nicht. Die Deutsche Bank nannte den brutalen Faschisten in einem Tweet lapidar "den Wunschkandidaten der Märkte". (bento)

Auch für einige Staatschefs war Bolsonaros Sieg eine Freude. US-Präsident Donald Trump, beispielsweise, gratulierte dem Brasilianer nach dem Wahlsieg. So wie Trump kündigte auch Bolsonaro an, aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen, das er als "unfair" empfindet. (Tagesspiegel)

(Bitterböse Satire, für alle, die es nicht begreifen.)

Das macht dich alles total wütend und du willst etwas tun? 

Bolsonaro kannst du zwar vermutlich nicht ohne die Hilfe der Staatengemeinschaft aufhalten, aber hier sind zwei Tipps, wie du trotzdem dem Regenwald helfen kannst:

  • Unterstütze Leute, die sich seit Jahren für ihn einsetzen. Zum Beispiel beim Verein "Rettet den Regenwald", Greenpeace oder den WWF.
  • Iss weniger oder gar kein Fleisch. Der Großteil des Regenwalds in Brasilien wird für den Sojaanbau abgeholzt – aber nicht, wie viele denken, um damit Tofu für die ganzen Vegetarier und Veganer herzustellen: 80 Prozent des Sojas wird als Tierfutter in der Rinderzucht verwendet. (SPIEGEL ONLINE)

Wo wir gerade bei Vorurteilen sind – diese Mythen über Vegetarier und Veganer stimmen nicht:

Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass Brasilien bereits aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten sei. Jair Bolsonaro hat bisher aber nur angekündigt, dies tun zu wollen. Außerdem haben wir die Zahl der indigenen Bevölkerung korrigiert, in der ersten Version hatten wir impliziert, dass es mehr als eine Million Menschen seien – es sind aber nach der aktuellsten Zählung nur knapp 900.000. (IBGE, portugiesisch)


Fühlen

Warum ist das Verhältnis zu Schwiegereltern oft so schwierig?
Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Es ist kompliziert: Wenn wir jemanden kennenlernen, bekommen wir eine Familie dazu. Plötzlich sitzen wir an Geburtstagen, Weihnachten oder ganz normalen Sonntagnachmittagen mit den Eltern unserer Partner und Partnerinnen am Tisch. Und bemühen uns sehr, den "Schwiegereltern" nicht zu widersprechen, sie nicht anzuzicken, keinen Streit zu provozieren. Auch wenn wir die Regeln dieser anderen Familie sehr merkwürdig finden und ihre Ansichten sowieso.

Warum ist das Verhältnis oft so schwierig? Und können wir etwas dagegen tun? Wir haben Prof. Dr. Peter Kaiser gefragt, der als Psychologe an der Universität Vechta unter anderem zu "Schwiegerbeziehungen" forscht.

Wie oft gibt es Probleme mit den Schwiegereltern?

Wenn wir mit Freunden sprechen, bekommen wir schnell das Gefühl, dass jeder von ihnen Probleme mit den Schwiegereltern hat. 

Dabei zeigen Studien etwas anderes: "Nach aktueller Forschungslage sind etwa zwei Drittel der Beziehungen mehr oder weniger intakt", sagt Kaiser. "Nur rund ein Drittel der Beziehungen zu Schwiegereltern sind konflikthaft – insofern stimmt das geläufige Vorurteil nicht ganz." 

Die Zahlen gelten sowohl für Männer als für Frauen und die Eltern des Partners. "Die Schwiegermutter-Schwiegertochter-Beziehung ist aber grundsätzlich etwas störanfälliger", sagt Kaiser.

Warum ist es zwischen den Frauen öfter schwierig?

"Besonders kompliziert ist es, wenn Mutter und Sohn ein besonders enges Verhältnis haben", erklärt der Experte. "Wenn der Sohn vielleicht sogar eine Art Partnerersatz darstellt, weil die elterliche Paarbeziehung zu wünschen übrig lässt." In dieser Situation verlangen beide Frauen – die Freundin oder Ehefrau und die Mutter – viel Aufmerksamkeit. Klar, dass das zu Spannungen führt.