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In Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens, können die Menschen ihre Busfahrt mit Plastikbechern und Plastikflaschen bezahlen. Damit will die Stadt ihre Einwohnerinnen und Einwohner zum Recycling bringen. Denn die Stadt hat ambitionierte Ziele, was den Plastikmüll angeht. (Reuters)

Wie funktioniert das System?

Ein zwei Stunden lang gültiges Busticket kostet so zehn Plastikbecher oder fünf Flaschen – je nach Größe. Schon seit April ist das System im Einsatz. Ein Bus kann so am Tag bis zu 250 Kilo Plastikflaschen sammeln, im Monat also maximal 7,5 Tonnen. Aber auch am Busterminal können die Tickets mit Plastik bezahlt werden.

Die gesammelten Flaschen werden anschließend an Recyclingunternehmen versteigert. Die Erlöse daraus fließen in das Busnetz von Surabaya und in das Schaffen neuer Grünflächen in der Millionenstadt an der Nordostspitze der Hauptinsel Java. 

Was will die Stadt damit erreichen?

"Indonesien ist beim Plastikmüll einer der größten Beitragenden der Welt und mit dieser Initiative hoffen wir, dass wir ein öffentliches Bewusstsein für die Umwelt schaffen", sagte Irvan Wahyu Drajad, Chef der örtlichen Verkehrsbetriebe. 

Bis zum Jahr 2020 will die Stadt plastikfrei werden – ein ambitioniertes Ziel. Laut einer Studie des "Science"-Journal ist Indonesien nach China der zweitgrößte Verursacher von Plastikmüll auf der Erde.

In dem viertbevölkerungsreichsten Land der Erde sind außerdem mit Autos und Verkehr verstopfte Städte ein Problem – während das Land gleichzeitig die größte Fläche tropischen Regenwalds in Asien besitzt.


Fühlen

Hauptschüler gegen Gymnasiasten: Meine Schulzeit zeigt, wie kaputt unsere Gesellschaft ist

Zum Frühstück trank sie Sprite. Sie rauchte und rotzte, manchmal ließ sie den Spuckefaden so herauslaufen, dass es dauerte, bis er den Boden erreichte. 

Ihre Schulsachen befanden sich in einem silbernen und schäbigen Turnbeutel, woraus wir schlossen: Kristinas Eltern sind arm, Kristina ist dumm, Kristina kauft ihre Unterhosen im Viererpack bei Aldi.

Wenn wir Kristina und ihre Freundinnen passierten, guckten alle kacke, musterten sich, es zischte "Schlampe!", Kaugummiblasen knallten wie Schüsse. 

Danach fiel dieses Wort, mit dem wir uns die Mädchen erklärten und das zugleich entschuldigte, dass wir Kristina und die anderen nieder machten: asozial. Die waren asozial, klar.

Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund besuchen noch immer oft Schulen, in denen die übrige Schülerschaft aus einem ähnlichen Umfeld stammt. Das zeigt erneut der Ländervergleich der OECD.

Deutschlands Schulen werden, im Vergleich zu den Vorjahren, nur langsam besser. Bleiben Kinder aus sozial schwachem Umfeld unter sich, fallen ihre schulischen Leistungen schlechter aus, als wenn sie in eine Schule mit Kindern aus besser gestellten Familien gehen.

Schulerfolg hängt also noch immer maßgeblich davon ab, woher wir kommen und mit wem wir uns umgeben.

Wieder wird man sich jetzt fragen, warum das so ist, wieso ein reiches Land wie Deutschland es nicht schafft, durchlässiger zu sein.

Mich überrascht das nicht. Wenn ich zurückschaue, fünfte Klasse und die Jahre danach, dann sehe ich die Grenzen vor mir, die wir alle gezogen haben.

Die Hauptschule in unserer westfälischen Kleinstadt, deutscher Durchschnitt, kein Brennpunkt, war geografisch eingeklammert. Zwei Gymnasien umgaben die Schule in der Mitte, die Gebäude und ihre Pausenhöfe lagen direkt nebeneinander.

Was theoretisch vielleicht dafür sorgen sollte, dass sich alle lieb haben, fühlte sich in echt so an, als würden die "Guten" die "Schlechten" umzingeln. So sprachen wir über uns und die Kinder in der Mitte.