Bild: dpa/Peter Gercke
Forscher warnen: Schon bald könnten diese Dinge normal sein.

Seit Wochen klettern in Europa die Temperaturen auf dem Thermometer, auch in Deutschland liegen die Marken vielerorts seit Tagen über 30 Grad Celsius. Und der Deutsche Wetterdienst sagt: Das wird auch noch mehrere Tage lang so bleiben.

Die große Hitze bringt jede Menge Probleme mit sich: Dürre, Ernteausfälle, Waldbrand-Gefahr und Wassermangel.

Nun sagen Klimaforscher: Das ist nicht einfach nur ein sehr heißer Sommer. Das ist das, was uns dank des Klimawandels nun oft blüht.

Die wichtigsten Antworten zum Thema:

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Wie ist das Wetter in Deutschland?

Der Deutsche Wetterdienst warnt aktuell vor extremer Hitze und gebietsweisen Dürren. In den lila eingefärbten Gebieten besteht Hitzewarnung, in den grünen nicht:

Der Juli wird voraussichtlich einer der wärmsten Juli-Monate seit Beginn der Messung 1881. Es wurden Spitzen bis zu 38 Grad Celsius gemessen, in einigen "Tropennächten" sank die Temperatur nicht unter 23 Grad. (DWD)

2

Was bringt die Hitze mit sich?

Eine ganze Reihe von Problemen. Durch die Hitze und die wenigen Regenfälle kommt es zu Dürren. Und das hat Auswirkungen:

  • In Deutschland steigt die Waldbrandgefahr. Löschhubschrauber gibt es bislang nicht, die Feuerwehr ist nicht ausreichend gerüstet. (SPIEGEL ONLINE)
  • Die Bauern erwarten große Ernteausfälle aufgrund der Trockenheit. Dadurch bleibt auch weniger Getreide und Gras als Futtermittel für Tiere. (Agrar Heute/Deutscher Bauernverband)
  • Für die Wirtschaft bedeutet das Preisschwankungen: Getreide ist knapp, Tiere müssen notgeschlachtet werden. (Mindener Tagblatt)
  • Durch die Hitze sinkt der Wasserpegel in Flüssen und Seen. Fische sterben, Transportschiffe können kaum noch passieren. (SüdkurierSPIEGEL ONLINE)
  • Auch das wirkt sich auf die Wirtschaft aus: Der Transport wird teurer, Gemeinden schränken das Trinkwasser ein. (ZDF)

3

Was sagt die Regierung?

Die will – zumindest in Bezug auf die Ernteausfälle – noch abwarten. Erst ab Ende August soll über zusätzliche Hilfen für Bauern wegen der großen Hitze und Trockenheit entschieden werden. Dann liege der vollständige Erntebericht vor, den man abwarten müsse, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. 

Der Bauernverband sieht es nicht so locker und fordert eine Milliarde Euro an Hilfen, um die Ernteausfälle aufzufangen.

4

Bleibt das jetzt so?

Sehr wahrscheinlich. Denn führende Forscher warnen bereits, dass das, was wir erleben, Vorboten des Klimawandels sind (Guardian). 

Der Klimawandel entsteht durch Gase, zum Beispiel aus Massentierhaltung, Verkehr, Brandrodungen und Industrie. Sie sorgen dafür, dass sich der Planet aufheizt. Seit Jahren steigt so die globale Temperatur, Forscher messen einen Hitzerekord nach dem anderen. Und fast alle sind sich sicher: Der Klimawandel wird durch den Menschen stark beschleunigt:

Das schadet der Umwelt: Die Nasa bestätigte erst kürzlich, dass die Erderwärmung mit für die Gletscherschmelze in der Antarktis verantwortlich ist. Gleichzeitig sorgt sie für immer extremere Wetterphänomene. Zwar lässt sich Klima und Wetter nicht gleichsetzen – das eine beeinflusst allerdings das andere.

So setzt der Mensch der Erde zu:

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Was sagen Forscher zum aktuellen Hitzewetter?

  • Friederike Otto, Klimawissenschaftlerin an der Oxford-Universität, sagt dem "Guardian", das heiße Wetter sei ein Zeichen der neuen Normalität durch den Klimawandel. Die Gesellschaft müsse sich entsprechend darauf einstellen:
Was der Klimawandel anrichtet, ist unausweichlich – die Welt wird wärmer. Entsprechend werden solche Hitzewellen alltäglicher.
  • Auch Stephan Thober, Mathematiker am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, sieht die großen Dürren als neuen Alltag:
Wenn sich die Erde um drei Grad erwärmt, werden Dürren in Zukunft deutlich stärker vorkommen.

Was gestern noch als Extremereignis galt, werde dann morgen als normal eingestuft. Und die Menschheit muss sich daran gewöhnen.

Wenn die Menschen nicht das Klima mit ausreichenden Maßnahmen schützen, werden solche Dürren spätestens ab 2050 zum Alltag, sagt Thober zu SPIEGEL ONLINE.

  • Und Michael Mann, einer der weltweit führenden Klimaforscher der Penn State University, wird noch deutlicher:
Wir würden solche Extreme ohne den Klimawandel buchstäblich nicht erleben.

Die Zeichen des Klimawandels seien nicht länger unscheinbar, sagt Mann dem "Guardian": "Wir sehen sie nun in Echtzeit und was diesen Sommer passiert ist ein perfektes Beispiel."

Als Klimaforscher sei das zwar schön, immerhin wisse man nun, dass man Recht hatte. "Aber als Bürger des Planeten ist es sehr erschütternd."


Mit Material von dpa


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