Bild: dpa / Oliver Berg
Alles umsonst? Vier Fragen und Antworten zu den Nachwirkungen der Räumung
Die Rodung des Hambacher Forsts ist gestoppt – zumindest vorerst. (bento) Die wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen Waldbesetzerinnen und -besetzern und der Polizei haben Folgen: Für die Aktivistinnen und Aktivisten, für die Staatskasse und für den Energiekonzern RWE. 


1 Wie geht es mit den Aktivistinnen und Aktivisten weiter? 

Scheinbar wird der Hambacher Forst erneut besetzt: Die Gruppe "Ende Gelände" rief am Samstag dazu auf, neue Baumhäuser zu errichten, rund 100 Personen sägten Materialien zurecht. Am  Sonntag zeigen Bilder auf Twitter, dass der Wiederaufbau der Camps wieder begonnen hat. (SPIEGEL ONLINE / manager magazin

Was hat der Einsatz im Hambacher Forst den Staat gekostet?

Nach Schätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft (GdP) wird der Einsatz im Hambacher Forst rund 23 Millionen Euro kosten. 

Polizistinnen und Polizisten haben im Hambacher Forst rund eine Million Arbeitsstunden geleistet, so die GdP. Laut Michael Mertens, NRW-Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, ist noch unklar, wie diese Überstunden abgebaut werden können.

Viele Beamtinnen und Beamte stellen nun die Frage, welchen Sinn die Räumung im Hambacher Forst hatte, räumte Mertens ein. (KSTA)

3 Welche Folgen hat das für RWE? 

Für den Energieanbieter RWE ist die verhinderte Rodung des Waldes ein großes Minusgeschäft: Nach Verbot der Rodung fiel die Aktie des Konzerns um rund 8,5 Prozent. So verringerte sich der Börsenwert um fast eine Milliarde Euro – an einem Tag. (SPIEGEL ONLINE)

4 Hat die Räumung des Hambacher Forsts etwas geändert? 

Nur insofern, als dass der Wald  in der Nähe von Aachen bis 2020 nicht weiter abgeholzt werden darf. Die Menschen in Nordrhein-Westfalen sind laut einer Umfrage auch zu 79 Prozent gegen eine Rodung des Waldgebiets zugunsten des Kohleabbaus. (WDR) Ansonsten hat die Aktion vor allem viel Geld gekostet – und die Proteste werden weitergehen. 



Gerechtigkeit

Katholischer Hochschul-Chef verliert Job, weil er Homosexuelle unterstützt
Drei Fragen, drei Antworten

Ansgar Wucherpfennig verliert seine Stelle als Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Grund dafür ist die LGBT-feindliche Einstellung des Vatikans, die Wucherpfennig nicht teilt. 

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz fasst den geplanten Rauswurf so zusammen: "Wie dumm geht es denn eigentlich noch?" (Hessenschau)

Was genau ist passiert?

Ansgar Wucherpfennig wurde im Februar mit großer Mehrheit für eine dritte Amtszeit als Rektor der Hochschule wiedergewählt. Die Bildungskongregation im Vatikan verweigert ihm nun aber die benötigte Unbedenklichkeitserklärung "Nihil obstat". (Kölner Stadtanzeiger/ Frankfurter Rundschau

Medienberichten zufolge verlangt der Vatikan erst einen Widerruf zuvor getätigter Äußerungen Wucherpfennigs. 

Was steckt hinter dem Vorfall an der Hochschule Sankt Georgen?

Offenbar sind Wucherpfennigs Aussagen und Handlungen zur Akzeptanz Homosexueller ein Problem für den Vatikan. 2016 erklärte der Rektor in einem Interview, dass die Bibel missinterpretiert würde, wenn man aus ihr Hass gegen Homosexualität herauslese. 

In seinem Stadtteil arbeitet der Priester zudem als Seelsorger für Schwule und Lesben und sprach sich offen für eine stärkere Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe durch die Kirche aus. 

Wie geht es jetzt mit Wucherpfennig weiter?

In einem Statement erklärte Wucherpfennig bereits, seine Aussagen nicht zurückziehen zu wollen, da "die scharfe Ablehnung gleichgeschlechtlich Liebender sehr verletzend für die Betroffenen" sei. 

Der zuständige Bischof in Limburg, Georg Bätzing, verteidigt Wucherpfennig. Rückendeckung bekommt er auch vom deutschen Jesuitenorden und den katholischen Jugendverbänden. Deren Vorsitzender Thomas Adonie forderte Papst Franziskus auf, sich direkt einzuschalten und nennt die Verweigerung des "Nihil Obstat" einen Missbrauch von Macht. (Zeit)

Die Hochschule Sankt Georgen hat einen großen Einfluss auf den theologischen Nachwuchs in Deutschland, sagt Adonie – und Wucherpfennig stehe für eine Kirche, die sich junge Christen wünschen würden.