Bild: dpa/Marius Becker
Wir haben mit einem Waldbesetzer gesprochen
Worum geht’s?

Im Rheinischen Braunkohle-Revier westlich von Köln fördert der Energieriese RWE seit Jahrzehnten Braunkohle. Der Tagebau Hambach umfasst mittlerweile 85 Quadratkilometer – und ist damit einer der größten der Region. Die Rodungen sind umstritten – denn dafür mussten bereits große Teile des Hambacher Forsts weichen. Von dem etwa 41 Quadratkilometer großen Forst sind bereits mehr als 90 Prozent gerodet worden.

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Wer hat was dagegen und warum?

Naturschützer kritisieren, dass es keine Umweltverträglichkeitsprüfung gab – obwohl sich das Gelände als Naturschutzgebiet qualifizieren würde. Nur – es wurde nie beantragt, dass der Hambacher Forst auf die Schutz-Liste kommt. 

Im Wald gibt es seltene Stieleichen und Hainbuchen. Einige davon sind mehr als 300 Jahre alt. Außerdem lebt dort die seltene Bechstein-Fledermaus. (Kölner Stadt-Anzeiger

Wer stellt sich gegen die Rodungen?

Umweltaktivisten halten Teile des Waldes seit nun rund fünf Jahren besetzt. An die 200 Braunkohlegegner halten sich aktuell in dem Gebiet auf, sie leben zum Teil in den mehr als 30 selbsterrichteten Baumhäusern. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, der BUND, wollte die Rodungen aufhalten – und klagte vor dem Kölner Verwaltungsgericht. Aber am 24. November wies das Gericht die Klage ab. (SPIEGEL ONLINE)

Die Braunkohlegegner besetzen rund 30 Baumhäuser auf dem Forstgelände.(Bild: dpa/Henning Kaiser)
Warum ist die Situation eskaliert?

Drei Tage später, am 27. November, fällten Waldarbeiter von RWE unter Polizeischutz die ersten Bäume. Dagegen gab es eine Demonstration, die Polizei setzte Pfefferspray ein – Aktivisten bewarfen laut Polizei Beamte und RWE-Mitarbeiter mit Steinen.

Nur einen Tag später gab es erneut Bewegung in der Sache. Das Oberverwaltungsgerichts Münster teilte mit:

"Das Oberverwaltungsgericht hat mit einer Zwischenentscheidung das Land Nordrhein-Westfalen vorläufig verpflichtet sicherzustellen, dass die RWE Power AG ab heute 18.00 Uhr von weiteren Rodungs- und Abholzungsmaßnahmen im Hambacher Forst absieht."

Wie lange der temporäre Rodungsstopp gelten wird, ist noch unklar. 

Die ersten Rodungsarbeiten fanden im nicht besetzten Teil des Waldes statt. Wenn die ersten Baumhäuser für weitere Fällungen geräumt werden müssen, rechnen wohl alle Beteiligten mit einer deutlichen Verschärfung der Situation.

Einer der Waldbesetzer ist Tam*. 
Umweltaktivist Tam

Er lebt seit mehr als zwei Jahren im Hambacher Wald. Was er vorher gemacht hat und wo er gelebt hat, möchte der 25-Jährige lieber nicht erzählen.  

Wir haben mit Tam über die Ereignisse im Hambacher Forst gesprochen:


"Ich habe hier selbst ein Baumhaus gebaut, es ist mein Rückzugsort. Kommt man zur Tür hinein, ist gegenüber der Lichtschalter und rechts ein Regal mit Radio und Lebensmitteln. Das Bett nimmt etwa die Hälfte des Raumes ein, es gibt viele Fenster und einen kleinen Ofen.

Wir messen unseren Erfolg nicht daran, wie viele Bäume stehen bleiben, sondern wie viel wir bewegt haben

Wenn die Polizei anrückt, um das Baumhaus zu zerstören und den Baum zu töten, dann möchte ich auch von diesem Baumhaus geräumt werden. Das wird natürlich scheiße und daran zu denken, ist kein schönes Gefühl, aber wir messen unseren Erfolg nicht daran, wie viele Bäume stehen bleiben, sondern wie viel wir bewegt haben. Daran, wie sehr wir gezeigt haben, dass der Klimawandel hier massiv mitverursacht wird, und dass er das Symptom eines strukturellen Problems ist. 

Ich sehe das Problem nicht darin, dass Gesetze nicht richtig formuliert sind oder einzelne Politiker die falschen Entscheidungen treffen. Wir leben in einem System, das es Einzelpersonen oder einzelnen Unternehmen ermöglicht, erwirtschaftete Profite zu behalten und die negativen Seiten auf die Gesellschaft abzuwälzen. Genau das passiert hier und deshalb üben wir gesamtgesellschaftliche Kritik

So sieht es in einer der Baumhaus-Küchen aus:
(Bild: Nathan Niedermeier)

Ich finde es nicht gerecht, dass es legal ist, einen uralten Wald zu zerstören und das Klima anzuheizen und der Widerstand dagegen kriminalisiert und in die Illegalität getrieben wird. Wir kämpfen hier für den Erhalt der Erde und gegen die Gewalt an Menschen und Natur. Hier sterben Bäume und Tiere und Menschen werden Aufgrund des Tagebaus dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Anschließend wird ihre Heimat abgebaggert.

Hier leben Menschen aus allen sozialen Schichten und mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten.

Aber ich glaube, dass wir es schaffen können, eine Gesellschaft aufzubauen, die auf Solidarität, Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe aufbaut und nicht auf Konkurrenz, Isolation und Ausbeutung. Wir kämpfen nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas und versuchen, diese Ideale hier zu leben.

Wir sehen uns hier als Knotenpunkt eines großen internationalen Widerstandsnetzwerks. Wir hatten schon Aktivisten aus Australien hier, um uns über Klettertechniken und Polizeieinsätze auszutauschen. Aktuell sind Menschen zum Beispiel aus Spanien, Dänemark und sogar Indien hier.

Hier geht's ein Stockwerk höher im Baumhaus.(Bild: Nathan Niedermeier)

Hier leben Menschen aus allen sozialen Schichten und mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten. Menschen im Rentenalter oder auch Menschen, die lange auf der Straße gelebt haben. 

Für mich gibt es keinen anderen Ort, der mich so sehr motiviert hat, aktiv zu sein, wie dieser Wald. Ich habe so viele Menschen getroffen, die hier Mut für ihr Leben gefasst haben und Ideen mitgenommen haben, wie sie die Welt verändern möchten."


*Tam heißt eigentlich anders, wollte in dieser Geschichte jedoch anonym bleiben.


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