Bild: Getty Images/Mark Kolbe

Das Great Barrier Reef ist tot: Es "verstarb im Jahr 2016 nach langer Krankheit. Es war 25 Millionen Jahre alt." So steht es in einem Nachruf, den das US-Magazin "Outside" am Wochenende veröffentlicht hat.

Das Riff ist 345.000 Quadratkilometer groß – und zählt als größte lebende Struktur des Planeten (Great Barrier Reef Marine Park Act 1975). Es zählt als Weltnaturerbe und bietet mehreren hundert Korallenarten und rund 1500 Fischarten Lebensraum. Hier kannst du es via Google Street Sea View erkunden.

Laut des Nachrufs von "Outside" war das einmal:

Die Organismen sterben ab, die Korallen bleichen aus, Plastikmüll zerstört die Riff-Struktur. Auch auf bento haben wir bereits über die Korallenbleiche berichtet.

Ist das Great Barrier Reef wirklich tot? Der Faktencheck:
1. Durch die Bleibe sterben die Korallen. Stimmt das?

Mehr als 95 Prozent des Riffs waren laut des Australian Research Council (ARC) im März von Korallenbleiche betroffen. Im Jahr 2002 waren es nur 18 Prozent. Die Bleiche bedeutet aber nicht automatisch den Tod der Korallen – sie zeigt erst mal nur, dass es ihnen schlecht geht.

Sie hängt eng mit der Erwärmung der Meere zusammen: Je wärmer das Wasser, desto mehr stehen Korallen unter Stress. Dann stoßen sie Algen ab, die in ihnen leben und für die bunten Farben sorgen. Die Erwärmung trat Anfang 2016 vor allem durch das vorübergehende Wetterphänomen El Nino auf, eine Meeresströmung im Pazifik. Als El Nino vorbei war, kühlte sich das Great Barrier Reef wieder ab.

Tatsächlich starben nach Forschungen der James Cook Universität bis Mai "nur "und 35 Prozent der betroffenen Korallen ab ("Washington Post"). Der Rest konnte sich erholen oder schwebt zumindest nicht mehr in kritischem Zustand.

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2. Experten halten das Riff für verloren. Stimmt das?
  • Russell Brainard, Leiter des Korallen-Programms des Pacific Islands Fisheries Science Center, sagte der "Huffington Post", das Riff bereits für tot zu erklären, sei so, als ob man die Hälfte aller Bäume in einem Waldstück fällt und dann sagt, der Wald wird nicht mehr.
  • Kim Cobb, Korallen-Experte der Georgia Tech, sagte dem "Guardian", fatalistische Verkündungen würden die Öffentlichkeit falsch informieren. "Es wird auch 2050 noch Riffe geben, darunter auch im Great Barrier Reef, da bin ich mir ziemlich sicher."
  • Auch Terry Hughes, der die Forschung zur Korallenbleiche am ARC betreut, warnte vor Panikmache. Zwar sei die Lage schlimm, aber vor allem im südlichen Riff seien große Teile gerettet worden.

Der Nachruf könnte laut Hughes Menschen davon abhalten, weiterhin zu spenden.

3. Die australische Regierung kümmert sich nicht genug um das Riff. Stimmt das?

Das Umweltministerium hat den "Reef 2050 Plan" gestartet, gefördert mit umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Euro. Im Plan stehen insgesamt 151 Ziele, die die Zukunft des Great Barrier Reefs sichern sollen – 29 seien schon eingeleitet, heißt es im kürzlich veröffentlichten ersten Jahresbericht.

Unter anderem gelte für Häfen nun ein strenges Verbot, Ausbaggerungen im Riff abzuladen. Noch 2013 war der Ausbau des weltgrößten Kohlehafens genehmigt worden ("Die Zeit"). Durch die Ausbauarbeiten waren viele Korallen mit Schlamm bedeckt worden. Was der Bericht allerdings auch sagt: Es gibt nicht die eine Lösung, das Riff zu retten – Dutzende Maßnahmen müssen ineinander greifen.

Maßnahmen zum Schutz des Riffs werden zudem von der "Great Barrier Reef Foundation" gefördert. Die Organisation sammelt Spenden – die australische Regierung gibt zu jeder Spende den gleichen Betrag hinzu. Fünf gespendete australische Dollar werden so zu zehn Dollar Förderung.

Fazit:

Blickt man auf die Maßnahmen und die Aussagen der Experten wird klar, dass der Nachruf verfrüht war. Ein Weckruf sollte er jedoch sein:

Das Great Barrier Reef ist nicht tot. Aber es stirbt.

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