Abgemagerte Eisbären, verdorrte Wälder oder Überflutungen: Um Menschen für die Gefahren des Klimawandels zu sensibiliseren, müssen Aktivistinnen und Aktivisten immer wieder zu drastischen Bildern greifen. Und derzeit geistert eine Meldung durchs Internet, die es in sich hat: 

Screenshot von Facebook.

"SCHOKOLADE KÖNNTE BIS 2050 AUSSTERBEN!"

Der vermeintliche Grund: Der Klimawandel rottet Kakaopflanzen aus.

Bei Facebook teilen sich Videos mit dieser Schlagzeile besonders gut. Einer der von bento gefundenen Clips zählt zwölf Millionen Aufrufe und 153.000 Shares.

Das Video ist bei Weitem nicht das einzige seiner Art. Einige erklären die Hintergründe, andere bleiben vage und reißerisch. 

Bevor nun alle anfangen, massenhaft Schokolade im Keller einzulagern, fragen wir uns:

Was ist an der Meldung dran? 

Die meisten Videos zitieren aus einem Artikel des englischsprachigen Business Insider. Außer dessen Überschrift "Schokolade ist auf dem besten Weg, in 40 Jahren ausgerottet zu sein" blieb bei vielen aber wenig hängen. Der Beitrag erschien schon am 31.12.2017, seitdem verbreiten sich auch die "Schoko-Tod" Videos bei Facebook und YouTube. 

Übersehen haben dabei viele den eigentlichen Aufhänger des Beitrags: Aktuelle Forschungen, die verhindern wollen, dass es künftig keine Schokolade mehr gibt. Um das alles zu verstehen, muss man erst mal die Hintergründe klären.

Warum ist Schokolade bedroht? 

Kakaopflanzen, die Quelle für den Schokoladenrohstoff, können nur im tropischen Regenwald wachsen, wo das ganze Jahr über relativ gleichmäßige klimatische Bedingungen herrschen. Geographisch wächst Kakao zwischen den 23. Breitengraden nördlich und südlich des Äquators

Etwa die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Kakao stammt aus Ghana und der Elfenbeinküste. Doch gerade in diesen Ländern wird das Klima durch die globale Erwärmung und großflächige Rodungen trockener und unbeständiger. 

Nur im rot markierten Bereich kann Kakao wachsen.

Das ist der Bereich, in dem Kakao grundsätzlich wachsen könnte – wenn es feucht genug ist und das Wetter stabil bleibt.

(Bild: Ktrinko / Wikimedia, Montage: bento/ cc 0)


Die Trockenheit ist ein Problem für Kakao und Kakaobauern: 

  • Die Pflanze wird dadurch anfälliger für Krankheiten wie zum Beispiel Pilze. (PLOS)
  • Anbaugebiete werden immer kleiner oder drohen, bisher als Naturschutzgebiet eingestufte Regionen zu verdrängen. (US-Wetterbehörde NOAA)
  • Forscherinnen und Forscher aus Göttingen haben außerdem herausgefunden, dass Kakao bei Trockenheit deutlich bitterer wird. (Journal of Agricultural and Food Chemistry

Wer sich beim Wort "bitter" über leckere dunkle Schokolade freut, hat leider Pech gehabt. "Die Geschmacksänderung (durch Trockenheit, Anm.) merkt man vor allem bei den unangenehmen und beißenden Aromen", erklärt Kakao-Forscher Darin Sukha im US-Radiosender NPR. Die angenehmen Bitterstoffe, die manche Schoko-Fans sich wünschen, sind also nicht gemeint.

All das bedeutet vor allem: Aussterben wird die Pflanze vorerst nicht. Sie hat aber mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Guter und leckerer Kakao könnte somit teurer werden.

Dieses Problem haben auch Unternehmen wie Mars erkannt. Der US-Konzern macht neben Tierfutter und Reis einen Großteil seiner jährlichen Einnahmen von etwa 35 Milliarden Dollar mit Süßigkeiten und Schokolade. Weil sie eine Preissteigerung der Kakaobohnen befürchten, fördern sie schon heute mit einem Millionenbudget Projekte gegen den Klimawandel – und für hartnäckigere Kakaopflanzen. (Fortune)

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An der Universität im nordkalifornischen Berkeley arbeitet Myeong-Je Cho, Professor für Pflanzengenetik, an einem Weg, den Kakao widerstandsfähiger gegen Trockenheit zu machen. Auch sein Projekt wird von Mars mitfinanziert. Cho und sein Team nutzen CRISPR, eine Art Gen-Schere, mit der man die DNA von Pflanzen oder anderen Lebewesen aufschneiden und ergänzen kann.

Einfach gesagt versuchen die Forscherinnen und Forscher nun, Gene von in Trockenheit gut gedeihenden Pflanzen auch in den Kakao einzubauen. Auch Viren und Pilze soll die Pflanze dann besser abwehren können. Weil der Kakaobaum aber langsam wächst, lassen sich die Ergebnisse erst in einigen Jahren absehen. An schneller wachsenden Nutzpflanzen zeigt sich aber bereits, dass die Technologie funktioniert. (Scientific Reports)

Diese Forschungsarbeit aus Berkeley erzeugte in der Welt der Medien- und Webvideos erst die Angst, dass es künftig keine Schokolade mehr geben könnte – dabei befasst sie sich eigentlich damit, wie genau das nicht passiert. 

Kakao stirbt vorerst nicht aus. Er könnte aber teurer werden – und damit Schokolade auch. Der Klimawandel bleibt trotzdem ein Problem, das Milliarden von Menschen, Tieren und Pflanzen bedroht.


Today

Nicht wegwerfen: Haltbarkeitsdaten liegen oft um ein Jahr falsch
Mit Plakaten und Flyern gegen Lebensmittelverschwendung

Jährlich werden in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet, auch wenn sie noch gut sind. Die Regierung hat sich vorgenommen, gegen diese Verschwendung vorzugehen. (MDR

Laut dem Ministerium für Ernährung und Landwirdschaft ist fast die Hälfte der Lebensmittelabfälle vermeidbar.

Demnach gehören die wenigsten Lebensmittel, die im Müll landen, auch wirklich in den Müll. Das betreffe vor allem Obst und Gemüse, das weggeworfen wird, sobald es nicht mehr frisch genug scheint. (BMEL)

Bei vielen weggeworfenen Lebensmitteln spielt aber vor allem das Mindesthaltbarkeitsdatum eine wichtige Rolle. Das Datum, das von Produzenten auf die Verpackung gedruckt wird. Viele Menschen werfen Lebensmittel weg, sobald das Datum überschritten ist – obwohl das völlig unnötig ist.

Mit Plakaten und Flyern möchte "Die Tafel" deswegen über die Haltbarkeit von Lebensmitteln aufklären.

Die gemeinnützige Hilfsorganisation zeigt verschiedene Lebensmittel und informiert darüber, wie lange sie auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums meist noch verwendet werden können. 

So sieht das Plakat aus: