Bild: Georg Wendt / dpa

"Fridays for Future" ist hauptsächlich für eine Forderung bekannt: Deutschland soll bis 2035 klimaneutral sein, damit die Klimaziele erreicht werden können. Wie, darüber hat die Politik zu entscheiden – doch auch die Schülerinnen und Schüler machen sich ihre Gedanken.

In den WhatsApp- und Telegram-Gruppen von "Fridays for Future" gibt es deshalb ein Thema, das immer und immer wieder aufkommt: Kapitalismus. 

Kaum ein Tag vergeht ohne die große Systemfrage, ohne eine Diskussion über Marx, Radikalität und Revolution.

Organisiert haben sich die Antikapitalisten bei "Fridays for Future" bereits: Als "Change for Future" tritt die eigene Plattform seit mehreren Monaten auf. 

Den Mitgliedern gehen die übergreifenden Forderungen der streikenden Schülerinnen und Schülern nicht weit genug, sie sind sich sicher: Im Kapitalismus lassen sich die Herausforderungen der Klimakrise nicht lösen. Ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum ausgelegt ist, könne nicht nachhaltig sein. Stattdessen müssten Konzerne zur Rechenschaft gezogen werden. 

Mehrere Hundert sollen es nach eigenen Angaben mittlerweile sein, die sich zur Gruppierung zählen. Vielen von ihnen reicht es nicht mehr, freitags auf die Straße zu gehen. Sie setzen auch auf radikalere Protestformen.

Wie wird die Strömung innerhalb der Bewegung wahrgenommen? Wir haben uns bei "Fridays for Future" umgehört.

Vergangenes Wochenenende trafen sich rund 450 Klimaaktivistinnen aus 37 Ländern in Lausanne, es sollte vor allem um die europäische Vernetzung der Bewegung gehen. Doch auch die Kapitalismusdebatte war wieder einmal ein Thema. Das Schweizer Boulevard-Blatt "Blick" berichtete von deutschen und französischen Teilnehmern, die sich angeblich Richtung Kommunismus bewegen wollten. 

Luca Salis aus Hamburg war in Lausanne vor Ort. Ein vorherrschendes Thema sei die Kapitalismus-Debatte nicht gewesen, sagt der 18-Jährige gegenüber bento. "Es gibt bei uns eben unterschiedliche Ansichten, wie die Klimakrise zu bekämpfen ist. Auf dem Kongress wurde ein Forum geschaffen, das zu diskutieren."

Als sich "Change for Future" gegründet hatte, hätten einige Angst gehabt, dass sich die Gruppierung ganz abspalten würde. Auch Luca wusste anfangs nicht, was er von ihnen halten sollte. Doch mittlerweile seien die Antikapitalisten akzeptierter, Streit gebe es ihretwegen kaum noch.

Roman Scharf, 16, ist bereits seit Anfangszeiten bei "Change for Future" dabei. 

Anfang August habe es die ersten bundesweiten Treffen der Plattform gegeben. "Begonnen hat es einfach als Vernetzung von Antikapitalistinnen und Antikapitalisten, denen 'Fridays for Future' nicht weit genug ging", sagt Roman zu bento. Gerade in den ersten Monaten sei außerhalb der Demonstrationen am Freitag nicht viel passiert – einige hätten das kritisch gesehen. Sie seien der Meinung gewesen, dass sich so nichts ändern würde.

Roman sieht seine antikapitalistische Plattform durchaus auch von Greta Thunberg vertreten – schließlich hatte sie bereits im vergangenen Jahr angeregt, das System zu ändern, wenn man in "diesem System" keine Lösung finden könne. "Man muss natürlich vorsichtig sein, wie man das an die Menschen heranbringt. Aber angesichts dieser Klimakatastrophe müssen wir zu radikalen Forderungen greifen – weil wir radikale Schritte benötigen", erklärt Roman. Das zeigt sich auch in den Protestformen: Während "Fridays for Future" noch über zivilen Ungehorsam diskutiert, plant "Change for Future" derzeit gemeinsam mit Gruppierungen wie "Ende Gelände" und "Extinction Rebellion" eine Blockade-Aktion bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. 

Es gibt jedoch auch Leute bei "Fridays for Future", die von den Kapitalismuskritikern wenig halten. 

Moritz ist einer von ihnen. Der 18-jährige Hamburger glaubt daran, dass Klimaneutralität in der sozialen Marktwirtschaft machbar ist. "Es ist ja nicht anerkannt, dass der Kapitalismus ein falsches System ist." Eine grundlegende Systemänderung würde ohnehin viel zu lange dauern: "Bis wir bei einem funktionierendes Konstrukt hätten, wäre schon Hopfen und Malz verloren." Ansätze, wie man auch im Kapitalismus nachhaltig wirtschaften könne, sieht er beispielsweise in Nordeuropa, etwa durch die gezielte Förderung Erneuerbarer Energien. Letztendlich sei auch ein nachhaltiges Wachstum möglich.

Wegen "Change for Future" macht sich Moritz Sorgen, dass sich "Fridays for Future" durch die radikalen Forderungen nur weiter von denjenigen abgrenze, die man eigentlich überzeugen wolle. "Wenn wir dem Thema so viel Platz geben und uns voneinander entfernen, schaden wir uns nur selbst", sagt er. "Ich möchte nicht, dass wir als viel zu linke Öko-Hippies abgeschrieben werden."

Diese Gefahr sieht Jakob Blasel hingegen weniger. Der 18-Jährige gehört zum engen Orga-Team von "Fridays for Future" in Deutschland. "Es ist gut für die Bewegung, dass es Leute mit unterschiedlichen Ansichten gibt", sagt er. "Das spiegelt einfach unsere Generation wider." Solange alle Stimmen gegenseitig respektiert würden, sei dagegen überhaupt nichts einzuwenden. 

Die Debatte um den Kapitalismus wird unter den Klimaaktivisten also weitergehen. So groß und so vielfältig "Fridays for Future" ist, wird es immer wieder zu Diskussionen kommen. Die meisten von ihnen kümmert das jedoch wenig, schließlich geht es doch letztendlich um die Rettung der Welt. 


Grün

Insektenhotel oder Blümchen? So rettest du von deinem Balkon aus Bienen und Hummeln
Wir haben eine Imkerin und eine Naturschützerin gefragt, was man tun kann

Die Bienen sind in Not – und das wird auch für uns Menschen ein Problem. Bienen bestäuben Pflanzen, deshalb bedeuten weniger Bienen auch weniger neue Pflanzen und damit weniger Nahrung und grüne Umwelt für uns. Schuld daran sind neben Insektiziden auch die vielen Monokulturen in der Landwirtschaft. Seit 1982 ist die Zahl der Insekten in Deutschland um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. (SPIEGEL)

Doch nicht nur auf dem Land, auch in Städten sieht man immer wieder schwächliche Bienen und Hummeln. Das liegt vor allem daran, dass es hier zeitweise zu wenig Nahrung für sie gibt: Nicht jede Pflanze liefert zu jeder Zeit ausreichend Nektar, Grünflächen und Bäume werden zu oft beschnitten. Anders als viele Säugetiere legen etwa Hummeln keine Fettreserven an, kurze Schwankungen im Angebot sorgen schnell für ein Massensterben. (Nabu)

Kann man etwas für die Bienen tun? Vielleicht sogar mit begrenzten Möglichkeiten vom Fensterbrett, Balkon oder Garten aus? bento hat zwei Fachfrauen gefragt: 

  • Edda Gebel ist 1. Vorsitzende des Hamburger Imkerverbandes
  • Daniela Franzisi leitet beim Naturschutzbund NABU die Aktion "Insektensommer" 

1 Pflanz', so viel du kannst! 

Frühblüher blühen etwa ab Mitte Februar bis Ende Mai. "Bei Insekten beliebt sind Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen, aber auch Gänseblümchen", erklärt Imkerin Edda Gebel. 

Besonders Gewächse, die für den frühen Start genug Energie in Zwiebeln oder Knollen gespeichert haben und nicht erst keimen müssen, kann man auch schon im Herbst pflanzen, damit sie zum Frühlingsbeginn blühen. 

Wer gerne kocht, kann mit einem Kräuterbeet für Bienen sorgen, zum Beispiel mit Thymian, Minze, Borretsch, Koriander, Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse. Entscheidend sei die Vielfalt, damit jederzeit und für Arten mit unterschiedlichen Geschmäckern Nahrung vorhanden sei, sagt Nabu-Expertin Daniela – "und natürlich, dass man nicht alles schon vor der Blüte erntet."