Die Schüler haben eine andere Idee.

Sie kommen Woche für Woche und kriegen außer Aufmerksamkeit höchstens noch kalte Füße: Seit Anfang des Jahres protestieren bei den "Fridays for Future" tausende Schülerinnen und Schüler weltweit gegen den Klimawandel und die drohende Erderwärmung. 

Der Klimastreik hat Diskussionen ausgelöst: Dürfen junge Menschen für ein wichtiges Anliegen die Schule schwänzen? 

Auch Belgien wird diese Debatte geführt. Ähnlich wie in Deutschland kritisieren viele Politiker das Konzept der schwedischen Schülerin Greta Thunberg

Doch Joke Schauvliege ging noch einen Schritt weiter. Die Christdemokratin ist die Umweltministerin von Flandern, einer von drei Region in Belgien und das industrielle Zentrum des Landes. In einem Interview sagte sie über den Klimastreik:

Ich weiß, wer hinter dieser Bewegung steckt. Ich habe das auch vom Geheimdienst bestätigt. Die Klima-Demonstrationen sind mehr als nur spontane Solidaritätsaktionen für das Klima.
Joke Schauvliege, Umweltministerin

Außerdem bezeichnete sie die Proteste als "inszeniert".

Das Problem für Schauvliege: Schon nach kurzer Zeit dementierte der belgische Geheimdienst und wies ihre Darstellung laut Guardian ungewohnt deutlich zurück: "Wir haben ihr nichts über das Thema mitgeteilt. Weder mündlich noch schriftlich."

Die Grünen forderten daraufhin den Rücktritt der Umweltministerin, auch andere Parteien kritisierten sie scharf.

Die Ministerin ruderte daraufhin hastig zurück und wollte von ihrer Verschwörungstheorien über die jungen Klima-Aktivisten nichts mehr wissen. Sie habe in den vergangenen Wochen wenig geschlafen und sei frustriert. Die Äußerungen seien ein Fehler gewesen, "aber keine Lüge", so Schauvliege. Nach einem Gespräch mit ihrem Parteivorsitzenden kündigte sie auch ihren Rückzug aus der Politik an.

Belgien hat insgesamt vier Umweltminister (drei für die Regionen und einen auf nationaler Ebene), aber bislang keinen klaren Plan, um die UN-Ziele gegen den Klimawandel bis 2030 zu erreich.

In den vergangenen Wochen hatten tausende Schülerinnen und Schüler landesweit für den Klimaschutz protestiert. Allein bei der größten Demonstration in Brüssel gingen vor zwei Wochen etwa 70.000 Jugendliche auf die Straßen. In einer kurzen Erklärung kritisierten das belgische Organisationsteam von "Fridays for Future" die Äußerung der Umweltministerin als Beleidigung ihrer Ideen – und empfahlen ihr eine einfache Alternative: Etwas konkretes gegen den Klimawandel tun.


Future

Zehntausende Euro Schulden, Job weg – so fühlt sich die Germania-Pleite für einen Piloten an
"Andere bei Germania sind nur geflogen, um ihre Zinsen zu bedienen"

Die letzten Fluggäste waren schon auf dem Weg zum Rollfeld, als es hieß, dass ihr Urlaub ausfällt: Die deutsche Fluglinie Germania ist über Nacht pleitegegangen. Seit dem Morgen hebt keines der 30 Flugzeuge mehr ab, Tausende Touristen sitzen jetzt fest oder bleiben vermutlich auf den Kosten für ihre Tickets sitzen.

Auch für Nils* hat die Insolvenz der Airline Konsequenzen: Er verliert seinen Job. Der 24-Jährige arbeitete erst seit zwei Jahren als Pilot für Germania. Es war sein Traumjob. Er flog fast täglich, fast immer am Limit der erlaubten Stunden. Für die Ausbildung machte er insgesamt etwa 100.000 Euro Schulden, die er noch heute abbezahlt. 

So wie Nils geht es vielen jungen Menschen, die in der Luftfahrt arbeiten wollen. 

Doch wie fühlt es sich an, wenn man über Nacht seinen Job verliert? Und wie geht es jetzt für ihn weiter? Das sagt Nils:

Ich habe heute meinen Job verloren. Das ist scheiße. Als gestern die Meldung rumging, dass unsere Maschinen am Boden bleiben, wusste ich schon: Das war's. Da kommt nichts mehr. Ich bin dann gleich heute morgen zum Arbeitsamt und schaue jetzt, wie es weitergeht.

Bei Germania war ich einer der jüngeren Piloten. Ich habe erst vor zwei Jahren angefangen. Die meiste Zeit bin ich mit meinen Kollegen klassische Urlaubsstrecken geflogen: Nach Mallorca, Ägypten oder in die Türkei. Manchmal haben wir aber auch andere, eher untypische Ziele angesteuert wie den Iran oder Irak. 

Vor allem im Sommer war bei uns viel los. Vergangenes Jahr bin ich im Juli mehr als 100 Stunden geflogen, mein persönlicher Rekord. Arg viel mehr geht gesetzlich nicht. Ich fand das aber gut. So bin ich an die Flugstunden gekommen, die ich als junger Co-Pilot brauche, um Kapitän werden zu können. Im Winter hatten wir dagegen oft frei, auch wenn das Geschäft viel besser lief, als jetzt oft behauptet wird.

Meine tausendste Flugstunde war im Januar dieses Jahres ausgerechnet an dem Tag, an dem es zum ersten Mal hieß, dass wir in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Ich habe noch im Cockpit gefeiert. Die 1000 Stunden sind wichtig, damit man später aufsteigen kann. Als ich aus dem Flieger kam, machte ich das Handy an und las, wie es wirklich aussieht. 

Das war bitter. 

Direkt vor meiner Anstellung habe ich ein Vierteljahr lang eine private Ausbildung gemacht, damit ich die Flugzeuge bei Germania fliegen kann. Uns wurde gesagt, dass wir das machen müssen. 

Das Unternehmen, das diese Qualifizierung anbietet, ist berüchtigt. Ich musste einen Kredit über knapp 29.000 Euro aufnehmen, damit ich mir das leisen kann. Das war völlig überteuert. Die erste Zeit bin ich praktisch nur geflogen, um meine Schulden abzuzahlen. Schon die Flugausbildung davor hat 70.000 Euro gekostet. 

Ich bin 24 und habe 100.000 Euro Schulden gemacht – nur, um als Pilot arbeiten zu können. 

Das muss man sich leisten können. Ich habe das Glück, dass meine Familie das Geld hat. Meine Eltern haben für mich gebürgt, mit ihrer Unterstützung habe ich inzwischen einiges abgezahlt. Andere bei Germania sind dagegen nur geflogen, um ihre Zinsen zu bedienen. Wir hatten viele Berufseinsteiger. Für die sieht es jetzt düster aus. Ein Freund von mir hat erst vor wenigen Monaten bei uns angefangen, jetzt ist er arbeitslos.