Bild: Deutscher Bundestag
Drei Stimmen von der Protestaktion.

Die Aktivistinnen und Aktivisten von "Fridays for Future" machen für gewöhnlich mit Schulstreiks und Demos auf sich aufmerksam. Am Dienstag nutzten sie allerdings eine neue Bühne:  

Im Plenarsaal des Bundestags entrollten "Fridays for Future"-Aktivisten direkt vor Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ein Plakat mit der Aufschrift "Eure Klimapolitik = Katastrophe". 

Einige der etwa 25 Aktivistinnen legten sich auf den Boden und stellten sich tot. Wolfgang Schäuble musste die Glocke läuten –"öffentliche Proteste" sind der Hausordnung zufolge im Bundestag untersagt. Während Schäuble weitersprach, blieben die Jugendlichen minutenlang am Boden liegen.

Der kurze Protest fand nicht während einer normalen Plenarsitzung statt, sondern im Rahmen von "Jugend und Parlament".  Bei der Veranstaltung simulierten etwa 300 Jugendliche in einem Planspiel Parlamentsdebatten. Echte Abgeordnete nominierten sie als ihre Vertreter. Als sich die "Fridays for Future"-Aktivisten auf den Boden legten, waren also kaum Abgeordnete im Saal – dafür aber viele Jugendliche, die die Aktion zum Teil alles andere als lustig fanden. Einer preschte nach vorne und riss das Plakat nieder, andere begleiteten die Aktion mit "Buh"-Rufen.

Hier kannst du die Aktion im Video sehen:

Schäuble selbst ließ die Jugendlichen gewähren und redete weiter. "Bleiben Sie ruhig liegen", sagte er und verwies darauf, dass spätestens Mittwochmittag jeder wieder aufstehen müsse – dann fände eine richtige Bundestagssitzung statt.

Was nützte also die Klima-Aktion? 

Wir haben mit einer Beteiligten gesprochen – und jemandem, der den Protest alles andere als gelungen fand.

Klara Kramer, 18, hat die Aktion mitgeplant und war für Gesine Lötzsch (Die Linke) im Bundestag.

"Ich selbst bin nicht bei den 'Fridays for Future', stehe jedoch hinter deren Forderungen. Am Samstag wurde ich angesprochen und bin so ins Orga-Team der Aktion gerutscht. In weniger als drei Tagen haben wir alles auf die Beine gestellt. 

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal am Boden im Bundestag liegen würde.

Das war ein Kraftakt: wenig Schlaf, viel Stress und eine Menge Mut. Es war nämlich durchgesickert, dass es die Aktion geben würde. Ich wurde vorab daher noch einmal ermahnt, dass ich das zu unterlassen hätte. Es verstoße gegen die Ordnung. 

Das stimmt zwar, aber wir wollten dennoch diese einmalige Chance und Bühne nutzen, um unsere Botschaft ins ganze Land zu tragen. Es war uns wichtig, die Aktion nach der letzten Debatte von 'Jugend und Parlament' durchzuführen, da wir diese schöne Initiative nicht stören wollten. 

Wir haben uns darauf geeinigt, dass es keine Parolen oder Rufe unsererseits geben sollte. Ebenso keine Gewalt oder Widerstand. Wir wollen klar ausdrücken, dass wir eine friedliche Bewegung sind. Umso undemokratischer finde ich es, dass uns jemand das Transparent aus der Hand riss." 

Jonathan Sieber, 21, fand die Aktion daneben und war für Arnold Vaatz (CDU) im Bundestag.

"Unabhängig vom Inhalt der Bewegung finde ich es wirklich schäbig, dass die Würde des Hohen Hauses so gestört wird.

Es zeugt von keinem guten Anstand. Umso besser fand ich, dass es keinen großen Rückhalt gab.

Der Großteil der Jugendlichen im Saal äußerte während der Aktion Unmut. Auch das Transparent wurde ihnen entrissen.

Ich würde mir wünschen, dass gezeigt wird, dass ein Großteil des Jugendparlamentes gegen diese Aktion war, und nicht einfach nur gesagt wird, dass die Jugend ein Zeichen für irgendwas gesetzt hätte."  

Tommy Vi, 19, hat die Aktion mit seinem Handy gefilmt, war aber nicht beteiligt. Er war für Oliver Krischer (Grüne) im Bundestag.

"Ziviler Ungehorsam ist nicht für Jedermann, das hat man bei der Aktion deutlich gemerkt. Ich fand aber, es war ein wichtiges Zeichen und zeigt, wie groß die Gefahr der Klimakrise ist. Auch wenn ich selbst nicht mit auf dem Boden lag, unterstütze ich, was die Aktivisten gemacht haben.

Der Klimaschutz ist das zentrale Anliegen unserer Generation – das hat der Protest gezeigt.

Bei einer Jugend-Sitzung kann man schon mal so auf sich aufmerksam machen. Dass Gegner das als respektlos bezeichen, halte ich für Quatsch. 

Bei einer echten Sitzung würde ich so eine Aktion allerdings nicht bringen. Erstens verstößt gegen die Geschäftsordnung des Bundestages und zweitens geht demokratischer Diskurs sowieso anders. 

'Fridays for Future' muss auch nicht immer neue Mittel finden, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie sollen einfach freitags demonstrieren und dadurch sichtbar bleiben. So erreicht man eher andere, als einfach den Protest auf die Spitze zu treiben."

Egal, wie man zum Gelingen der Aktion steht – ein Signal an die Politikerinnen und Politiker im Haus war sie dennoch. Bei einer anschließenden Fragerunde waren Vertreter aller Parteien geladen, der Klimaschutz spielte eine große Rolle. Und die Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckhardt musste zugeben, dass es im Bundestag oft zu langsam geht: 

Die Klimakrise wartet nicht – nicht, bis sich eine Koalition verständigt und nicht, bis die letzte Personalfrage geregelt wurde.
Katrin Göring-Eckhardt

Trip

Diese Erfahrungen machst du, wenn du zum ersten Mal auf ein Festival gehst
…und zwar genau in dieser Reihenfolge

Es gibt ein paar Dinge, die durchlebt jeder, der sich zum ersten Mal auf ein Festival-Gelände wagt. Wir finden, du solltest wissen, was das für Dinge sind. Nicht, weil wir dir die Überraschung verderben wollen. Nicht, weil du dich dann besser darauf vorbereiten kannst. Sondern einfach, damit du weißt: Du bist nicht allein. Wir waren da alle mal. Wir fühlen mit dir. Also los:

TAG 1

14:00 Du suchst und findest den perfekten Platz für dein Zelt, im perfekten Abstand zu den Toiletten und zu denen Bühnen. 

15:05 Du gehst los, um die Gegend zu erkunden, und vergisst sofort, wo dein Zelt steht.

18:40 Du schreibst 37 Mal "Wo seid ihr" an deine Freunde.

18:42 Du gibst auf und suchst dir neue Freunde. Mit denen gehst du durch alle fünf Helga-Phasen:

18:50 "Wer ist Helga?"

18:51 "Haha, lustig."

18:52 "Helga! Heeelllgaaaa!"

19:25 "Hey, dieser Helga-Witz ist so alt, das ist nur noch peinlich!"

19:55 "Heeellllgggaaaaaaaaaa!"