Bild: epa/ Yoan Valat

Paris erstickt im Wintersmog – und alle Bürger sollen helfen, das Problem zu lösen. Weil die Feinstaubbelastung in der französischen Hauptstadt so hoch ist wie seit zehn Jahren nicht mehr, musste dort gerade jedes zweite Auto in der Garage bleiben.

An einem Tag durften Autos mit einer geraden Ziffer am Ende des Nummernschilds fahren, am nächsten die mit einer ungeraden Ziffer. Dafür ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos, Fahrgemeinschaften sind von der Regelung ausgenommen. (Le Monde, auf Französisch)

In Paris lief die Aktion in der vergangenen Woche, am Freitag stiegen auch Lyon und Villeurbanne mit ein. Den Smog hat das bislang noch nicht vertrieben (SPIEGEL ONLINE).

In den Siebzigerjahren gab es in Deutschland autofreie Sonntage, weil in der Erdölkrise die Preise stark gestiegen waren (Bundeszentrale für politische Bildung). Bis heute gibt es einen autofreien Aktionstag am 22. September. Umweltverbände empfehlen, an diesem Tag das Auto stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Vergleichbar mit der französischen Regelung ist das aber nicht.

Wir haben Stephan Kühn, dem Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen im Bundestag, gefragt:

Brauchen wir auch autofreie Tage in Deutschland?

Wir haben ja bereits in zahlreichen deutschen Städten Umweltzonen eingerichtet, um die Feinstaubbelastung zu senken. Feinstaub kann zu Beeinträchtigungen der Atemwege führen. Herz-Kreislauf-Probleme treten ebenso vermehrt auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass allein in Deutschland pro Jahr mehr als 70.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Feinstaub sterben.

Mit der Berliner Umweltzone konnte die Belastung durch den extrem gesundheitsschädlichen Dieselruß um nahezu 60 Prozent reduziert werden.

Könnten komplette verkehrsfreie Tage das nicht noch unterstützen?

Pauschale Fahrverbote sind nur die letzte Möglichkeit, um das Problem zu lösen. Damit werden nämlich nicht nur alte, schmutzige Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, sondern auch neue Autos, die weniger Schadstoffe ausstoßen.

Wie können wir den Autoverkehr denn noch reduzieren?

Wir setzen uns für die Einführung der sogenannten blauen Plakette ein. Damit könnten Städte festlegen, dass nur noch solche Fahrzeuge in die Städte fahren dürfen, die auch die bislang strengsten Abgastests einhalten. Schmutzige Fahrzeuge müssten dann draußen bleiben.

Damit würde man die Anzahl der Fahrzeuge in Städten nach sinnvollen Kriterien senken und nicht wie in Paris danach, ob die Zahlen der Nummernschilder gerade oder ungerade sind. Und dann sinkt auch die Feinstaub- und Stickoxid-Belastung.

Wichtig ist aber, dass Behörden die Abgaswerte stärker kontrollieren, also durch eine verbesserte Hauptuntersuchung und Abgastests auf der Straße.

Auch in China ist der Smog ein großes Problem.(Bild: Epa/ Luong Thai Lin)
Was hat sich in Deutschland schon in den vergangenen Jahren getan?

Immer mehr Menschen fahren mit dem Fahrrad oder nutzen öffentliche Verkehrsmittel.

  • In den letzten 15 Jahren ist in den deutschen Großstädten der Anteil des Radverkehrs um 40 Prozent gestiegen.
  • Bus und Bahn haben immerhin fünf Prozent Zuwachs verbuchen können.

Nicht nur die Luftqualität verbessert sich, die Städte werden auch lebenswerter, wenn der Autoverkehr abnimmt.

Aber reicht das?

Nein. Wir müssen den öffentlichen Verkehr attraktiver gestalten: Statt eines Flickenteppichs unterschiedlicher Tarifmodelle wollen wir alle Angebote miteinander vernetzen. Ob Bahn, Bus, Carsharing-Auto oder Leihfahrrad – alles soll über eine Mobilitätskarte nutzbar und bezahlbar sein.


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