Unser Fleisch soll teurer werden. Das fordern jetzt zumindest Agrarpolitiker von SPD und Grünen: "Ich bin dafür, die Mehrwertsteuerreduktion für Fleisch aufzuheben und zweckgebunden für mehr Tierwohl einzusetzen", sagte Friedrich Ostendorff der "Welt"

Statt wie bislang mit 7 Prozent sollen Fleischprodukte in Deutschland künftig mit 19 Prozent besteuert werden. 

Was würde das bedeuten? Ein Kilo Schweineschinken würde statt 4,99 Euro dann 5,55 Euro kosten. 

Mit der Preiserhöhung erhofft sich die Politik einen doppelten Effekt: Klima- und Tierschutz. 

Außerdem, so sagen es SPD und Grüne, sollen die Mehreinnahmen verwendet werden, um die Haltebedingungen für Nutztiere zu verbessern. So könne zum Beispiel der Umbau der Ställe finanziert werden. Die CDU zeigt sich von der Idee angetan.

Und wer wollte schon dagegen sein? Denn wir wissen ja: Fleisch ist ein Klimakiller. Allein im Jahr 2017 war die deutsche Landwirtschaft laut Bundesumweltamt für insgesamt 66,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich. Schweine, Rinder und Hühner zu halten verursacht CO2, ihr Futter anbauen verursacht CO2, die Tiere quer durch Deutschland zu transportieren verursacht CO2. 

Der Deutsche isst im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch im Jahr (Frankfurter Rundschau). Weniger Fleisch zu essen, wäre sinnvoll. Ein Weg, das zu erreichen, wäre teureres Fleisch. 

Doch allein über die höhere Mehrwertsteuer zu reden, hat einen Haken: Der Vorschlag verschleiert das eigentliche Problem der Fleischproduktion.

In Deutschland geht der Fleischkonsum seit Jahren leicht zurück. Die Produktion steigt aber weiter an. Beim Schwein zum Beispiel ist von 1997 bis 2017 der Pro-Kopf-Verbrauch von 55 auf 49,7 Kilogramm gesunken. Gleichzeitig stieg die Schlachtmenge in den vergangenen 20 Jahren von 3,6 Millionen auf 5,6 Millionen Tonnen. (Thünen-Institut)

Die hiesigen Fleischproduzenten exportieren. Und eine deutsche Mehrwertsteuer hat auf die Umstände im Schlachthaus erstmal keinen Einfluss.

Genau das wünschen sich die Ideengeber zwar: Die Einnahmen müssten "zwingend als Tierwohlprämie genutzt werden, um die Tierhalter in Deutschland beim Umbau zu unterstützen", sagt zum Beispiel der CDU-Politiker Albert Stegemann. (Welt)

Die Frage ist dann aber: Warum nicht gleich Politik machen, die die Unternehmen zum Umdenken zwingt?

Es gibt in Deutschland keine einheitlichen Biosiegel. Die Regeln, wie Tiere gehalten werden müssen, würde kaum jemand mit "Tierwohl" assoziieren. Beim Tiertransport gelten zum Beispiel folgende Standards: Schweine und Pferde dürfen ganze 24 Stunden am Stück über europäische Straßen gekarrt werden, Rinder, Schafe und Ziegen 14 Stunden lang, dann genügt eine Stunde Ruhezeit vor den nächsten 14 Stunden Transport. (Agrarministerium)

Agrarministerin Julia Klöckner hat mittlerweile ein freiwilliges bundesweites Tierschutzlabel initiert, es soll drei Stufen haben und ab 2020 gelten. Aber von Tierschützern wird es kritisiert:

  1. Es gilt nur für Schweine, andere Tierarten werden bislang nicht geschützt.
  2. Für die Schweine in der untersten Stufe soll es zwar 20 Prozent mehr Platz im Stall geben, das sind aber effektiv nur wenige Quadratzentimeter. (SPIEGEL ONLINE)
  3. Bei der Ferkelkastration sollen zwar Jungtiere künftig betäubt werden, die umstrittene Praxis bleibt jedoch bis Ende 2020 erlaubt. (SPIEGEL ONLINE)

Echter Tierschutz hingegen stünde der Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe im Weg – und würde Fleisch zum Luxusgut machen. Und da will die Politik nicht reingrätschen.

Würden Ställe und Haltungsbedingungen so umgesetzt, dass Tiere wirklich geschützt werden, wäre unser Fleisch schon jetzt deutlich teurer. Ganz egal, welcher Mehrwertsteuersatz darauf gerechnet werden müsste. 

Wir wissen, dass unsere Art zu leben und zu konsumieren dem Planeten zu viel abverlangt. Wir müssen uns daran gewöhnen, angemessene Preise zu zahlen. Das ist die Wahrheit, vor der eine Mehrwertsteuer-Debatte sowohl die Verbraucher als auch die Produzenten schützt.  

Es ist richtig, wenn wir für unser Fleisch mehr zahlen. Aber der Aufschlag sollte nicht allein durch eine Mehrwertsteuer kommen – sondern durch schärfere Maßnahmen, die Mastbetriebe endlich zwingen, ihre Produktion umzustellen.


Gerechtigkeit

Nazi-Tattoos und Drohungen: Melt und Splash sollen seit Jahren Probleme mit rechten Securitys haben
Veranstalter kündigen nach Konfrontation mit neuen Vorwürfen umfassende Überprüfung an.

Es sollen nicht irgendwelche Fremden gewesen sein, die den Security-Mitarbeiter Hamudi D. auf dem Splash-Festival als "Kanacke", "Fotze" und "Scheiß Ausländer" beschimpften. Sondern zwei seiner Kollegen. 

Alle drei arbeiteten vergangene Woche auf dem Festival als Security-Kräfte. So erinnert sich Hamudi, 31. Als er den beiden Männern später auf dem Ferropolis-Gelände am Rande eines gefluteten Tagebaus, nördlich von Leipzig, erneut begegnete, hätten sie ihn wieder beschimpft und gedroht: "Wir pissen euch in die Zelte." 

Doch nachdem sich Hamudi und einige seiner Kollegen schließlich über die rassistischen Sprüche bei André H., dem zuständigen Bereichsleiter der Security-Firma Japo, beschwerten, sagte der nach übereinstimmenden Aussagen von Hamudi und Kollegen, dass er die Aufregung nicht verstehen könne. Die Thor-Steinar-Kleidung der mutmaßlich rechten Pöbler trage er selbst auch gerne. Sie sei unpolitisch. Und die Sache sei doch wohl eher eine Privatangelegenheit. 

Der Bereichsleiter will lediglich darauf hingewiesen haben, einmal eine Hose einer Marke gekauft zu haben, von der er nicht wusste, dass sie der rechtsradikalen Szene zugerechnet werde und das Logo entfernt zu haben, als er dies erfahren habe.

Von einer privaten Angelegenheit kann inzwischen so oder so kaum noch die Rede sein. 

Der geschilderte Vorfall ist nicht der einzige, bei dem rechte Sprüche und unangemessenes Verhalten von Festival-Mitarbeitern eine Rolle spielen. 

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher beschwerten sich in den vergangenen Tagen (Hiphop.de). Auch andere Medien berichteten bereits über Hamudis Geschichte (Taz). Nachdem bento die Splash-Veranstalter mit weiteren Vorwürfen konfrontrierte, räumen sie inzwischen größere Probleme und sogar ein "düsteres Bild über Dienstleister, mit denen wir zusammengearbeitet haben" ein.

Auf dem Melt-Festival dürften an diesem Wochenende dennoch die gleichen Sicherheitdienste gearbeitet haben. Doch von vorn.