Und das könnte das Klima positiv beeinflussen

Einer der größten Faktoren des Klimawandels ist: die Landwirtschaft. Vor allem die Massentierhaltung trägt zur Erderwärmung bei – laut einem Uno-Bericht sorgt sie für etwa 14,5 Prozent der Treibhausgas-Emissionen, für die der Mensch verantwortlich ist. Ein Weg, den Klimawandel effizient zu bekämpfen, wäre wohl, wenn die Menschheit deutlich weniger Fleisch essen würde.

In Deutschland ist der Fleischkonsum zwar leicht rückläufig, weltweit betrachtet ist in den kommenden Jahren aber mit einer weiteren Steigerung der Fleischproduktion zu rechnen – und damit mit noch mehr CO2-Emissionen. Um diese Entwicklung abzuwenden, müsste sich die Ernährung der Menschheit drastisch ändern: Laut Forschern dürfte jeder Mensch nur noch etwa 300 Gramm Fleisch pro Woche essen, um schwere Umweltschäden in Zukunft zu vermeiden – das entspricht einem Steak oder fünf bis sechs Mettbrötchen. Jede und jeder Deutsche isst derzeit jedoch rund 1,15 Kilo Fleisch pro Woche. (SPIEGEL ONLINE)

Wie ist es also möglich, die Menschheit von einer klimafreundlicheren Ernährung zu überzeugen?

Mit dieser Frage hat sich ein Team um die Wissenschaftlerin Sibel Eker am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Österreich beschäftigt.

Sibel, wie bist du auf die Idee gekommen, in diesem Bereich zu forschen?

"Ich hatte damit begonnen, meinen Konsum von rotem Fleisch zu reduzieren und mehr über die Umweltbelastung der Fleischproduktion zu lesen. Währenddessen habe ich in meinem sozialen Umfeld beobachtet, wie auch andere Leute weniger Fleisch aßen und immer mehr vegetarische Restaurants an den Ecken öffneten. Da habe ich mich gefragt:

„Ist das ein Hype oder kann so der globale Fleischkonsum tatsächlich signifikant gesenkt werden?“

Deshalb wollte ich die Dynamik in der Bevölkerung durch Ernährungswechsel und deren Auswirkung auf die Umwelt erforschen – mit einem sogenannten Folgenabschätzungsmodell oder 'Integrated Assessment Model'." 

Wie muss man sich so ein Modell vorstellen?

"Gemeinsam mit meinem Kollegen Gerhard Reese, einem Umweltpsychologen, haben wir ein Verhaltensmodell gebaut, um soziale Dynamiken in der Bevölkerung nachzuahmen. Dabei haben wir zahlreiche Faktoren mit einberechnet, beispielsweise Einkommen, soziale Normen oder die Wahrnehmung des Klimawandels als Risiko." 

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

"Soziale Normen haben einen großen Einfluss darauf, ob wir uns nachhaltiger ernähren – einen größeren, als die Wahrnehmung von Gesundheitsrisiken oder der Gedanke, das Klima zu belasten.  

Vereinfacht gesagt: Gibt es  in der Bevölkerung mehr Vegetarier oder Menschen, die wenig Fleisch essen, erzeugt das eine höhere Sichtbarkeit, was wiederum die Menschen um sie herum beeinflusst. 

„Wenn deine Freunde vegetarisch sind, wirst auch du selbst darüber nachdenken und vielleicht dein Verhalten ändern.“

Mehr Vegetarier führen dank dieser sozialen Normen also zu immer mehr Vegetariern. Bei jungen Leuten ist der Effekt noch verstärkt, weil sie allgemein offener sind für neue Ideen und Konzepte.

Wenn all die Faktoren wie soziale Normen, die Wahrnehmung von Gesundheits- und Klimarisiken kombiniert werden, lösen sie eine soziale Dynamik aus. Die sozialen Normen sind dabei eine Art Gaspedal, das die Dynamik noch einmal beschleunigt."

Und wenn mir all diese Faktoren egal sind?

"Wenn ein überzeugter Fleischesser gemeinsam mit Vegetariern ins Restaurant geht, kann er auch dem sozialen Druck widerstehen – genau wie auch überzeugte Vegetarier sich nicht von Fleischessern um sie herum beeinflussen lassen. In unserer Studie geht es allerdings eher um Bewegungen in der Gesellschaft als Ganzes als um individuelle Fälle."

Könnte es also auch zu einer Gegenbewegung der Fleischesser kommen?

"Theoretisch ja. Steigt die Zahl der Vegetarier, dann sorgen soziale Normen dafür, dass es noch mehr von ihnen gibt. Steigt dagegen die Zahl der Fleischesser, dann sorgen diese Normen dafür, dass es auch mehr von ihnen gibt."

Als weiteren wichtigen Faktor hebst du die Selbstwirksamkeit bei Frauen hervor. Was bedeutet das?

"Das ist die individuell wahrgenommene Verhaltenskontrolle – wie entschlossen ist jemand, sein Verhalten zu ändern? Ein Beispiel: Du magst den Geschmack von Fleisch, bestellst aber vegetarisch, weil es nicht gut für die Umwelt und deine Gesundheit ist. 

Die Fähigkeit, diese Entscheidung zu treffen, ist dein Glaube an deine Selbstwirksamkeit. Bei Frauen ist diese laut Studien im Bezug auf die Umwelt höher – weshalb sie sich eher vegetarisch ernähren."

Wie können uns diese Erkenntnisse dabei helfen, unsere Ernährung nachhaltiger zu gestalten?

"Sie zeigen uns, dass soziale Normen und Verhaltensfaktoren wichtiger sind, als die Kommunikation von Fakten: Unser Wissen über Gesundheitsrisiken und die Umweltbelastung von Fleisch bringt uns weniger dazu, unser Verhalten zu ändern, als unser soziales Umfeld. 

Auf lange Sicht könnten sich daher Politik und Informationskampagnen auch auf diese Werte konzentrieren, anstatt nur darauf, reine Fakten zu kommunizieren. Bei den Gefahren des Klimawandels ist das bereits Konsens in der Wissenschafts-Community: Denn die eigenen Überzeugungen werden sehr stark von den Menschen um einen herum beeinflusst, weshalb beim Klimawandel Fakten allein nicht mehr zählen. Aus diesem Grund müssen auch die Werte von Menschen angesprochen werden, um auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen."


Musik

Warum es beim "1982"-Konzert von Casper und Marteria keine T-Shirts zu kaufen gibt
Casper: "Das Machtspiel möchte ich nicht mitspielen."

Bandshirts und Logo-Caps gehören zu Konzerten wie schales Bier und trockene Käse-Brezeln. Doch beim Waldbühnen-Auftritt der "1982"-Tour am 3. August werden Casper und Marteria keinen Merchandise verkaufen. Der Grund: Es sei zu teuer für die eigenen Fans.

"Der Betreiber der Waldbühne, Eventim, verlangt leider aktuell eine so hohe prozentuale Beteiligung an den Merchandise-Umsätzen der auftretenden Künstler, dass es dringend an der Zeit ist, diese Deals nicht einfach so weiter zu akzeptieren", erklärt Casper-Manager Beat Gottwald bento. Und ergänzt: "Wir wollen einfach keine Shirts für mehr als 40 Euro verkaufen, nur damit die Konzertstätte neben den reichlichen Ticket- und Gastronomieeinnahmen noch über die Maßen an den Fans und von den Merchandise-Umsätzen profitiert."

Über die genauen Forderungen schweigen das Künstler-Management und Eventim auf Nachfrage von bento. Da im Pre-Merch-Shop die Shirts aktuell aber für 25 Euro verkauft werden und im Statement von mehr als 40 Euro die Rede ist, kann man die Zuschläge auf den Kaufpreis selbst errechnen.