Bild: Plant for the Plant/Privat
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit dem Umweltschützer.

Hinweis: Recherchen der ZEIT zufolge gibt es Unstimmigkeiten bezüglich der Aussagen von Felix Finkbeiner in diesem Interview und seiner Arbeit für seine Organisation "Plant-for-the-Planet". Wir prüfen die Vorwürfe derzeit.

Wald-Aktivist Felix Finkbeiner, 21, hat gerade das Bundesverdienstkreuz bekommen. Nächstes Jahr will er alle zehn Sekunden einen Baum pflanzen.

Kann man den Klimawandel stoppen, indem man Bäume pflanzt? Felix Finkbeiner sagt: Ja. Seit elf Jahren – also seit der vierten Klasse – kämpft er dafür mit "Plant-for-the-Planet". Die NGO haben seine Eltern für ihn gegründet, da war Felix neun. Mittlerweile hat er 150 Angestellte.

"Wir haben das Ziel eintausend Milliarden – also eine Billion – Bäume zu pflanzen. Ein sehr ambitioniertes Ziel. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Regierungen, Unternehmen und Organisationen."

Im Mai hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihm dafür das Bundesverdienstkreuz verliehen. Mehr Anerkennung geht nicht. Felix' Highlight im letzten Jahr war aber etwas anderes.

Wir haben mit Felix Finkbeiner darüber gesprochen.

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr?

Mehr als 10.000 junge Menschen haben sich "Plant-for-the-Planet" vergangenes Jahr angeschlossen. Das bedeutet, wir haben jetzt mehr als 70.000 Mitglieder, die alle in ihren Ländern Bäume pflanzen und unsere Botschaft verbreiten.

Außerdem ist eine Milliarde Bäume dazugekommen.

(Anmerkung der Redaktion: Nach Recherchen der ZEIT sind die eine Milliarde Bäume nicht von Plant-for-the-Planet gepflanzt worden, sondern von einem pakistanischen Aufforstungsprojekt. Finkbeiner sagte der ZEIT zu den falschen Angaben im bento-Interview: "Das war ein Riesenquatsch. Ich schäme mich auch richtig. Ich kann nur Entschuldigung sagen".)

Wir sind damit bei 15 Milliarden Bäumen, die weltweit als Teil unserer Kampagne gepflanzt wurden. Wenn unser Ziel – eine Billion Bäume – geschafft ist, würden die Bäume ein Viertel des menschengemachten CO2-Ausstoßes aufnehmen.

Persönlich bin ich mit meinem Bachelor in Internationale Beziehungen fertiggeworden und hab als Doktorand angefangen. Ich promoviere in Ökologie und will eine genaue Karte von allen Flächen auf der Welt erstellen, die noch aufgeforstet werden können.

Welche Herausforderung gab es dabei – und wie hast du sie gemeistert?

Wir haben eine große Konferenz in Monaco organisiert – das war eine Herausforderung. Gemeinsam mit Fürst Albert von Monaco, unserem Schirmherrn. Daran hatten wir über ein Jahr gearbeitet. Viele Medien haben berichtet. Und das war auch das Ziel: dass die Welt aufmerksam wird und das Potenzial der Aufforstung versteht.

Meinen Bachelor nebenbei fertig zu machen, war zeitlich nicht ganz ideal: In den zwei Monaten nach der Konferenz hatte ich meine Abschlussprüfungen und musste parallel meine Bachelorarbeit über Landnutzungspolitik in Indonesien schreiben.

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019?

Ich will Transparenz und Vertrauen schaffen. Wir starten im Sommer eine Plattform, auf der alle Menschen der Welt ganz einfach Aufforstungsprojekte unterstützen können. Jeder Nutzer hat dann seinen eigenen "Baumzähler". Und wenn man selber nicht pflanzen will, kann man ganz einfach weltweit spenden und per Satellitenbild verfolgen, wo davon aufgeforstet wird.

Und wenn ich in einem Jahr nebenbei noch immer Zeit für meine Doktorarbeit habe, ist das auch ein Riesenerfolg. 

Was brauchst du, um es umzusetzen?

Mehr Geld ist immer gut. Unsere Mitarbeiter in Mexiko pflanzen alle 15 Sekunden einen Baum – das würden wir gern erhöhen: auf alle zehn Sekunden. Wir brauchen also mehr Mitarbeiter, aber das hängt natürlich an der Finanzierung. 

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Gerechtigkeit

19 für 2019: Dank Orry Mittenmayer haben Lieferdienst-Mitarbeiter eine Stimme
Deshalb freuen wir uns auf das 2019 mit dem Mann, der bei Deliveroo einen Betriebsrat gründete.

Pizza, Sushi, das geile Steak vom Restaurant im Nachbarviertel: Dank Lieferdiensten wie Foodora oder Lieferando gibt es inzwischen jedes Essen zu jeder Zeit. Mit ihrem grenzenlosen Angebot und ihrer ständigen Verfügbarkeit stehen solche Unternehmen in gewisser Weise für eine Generation, die theoretisch alles haben kann und will. Doch sie stehen auch für ein anderes Merkmal unserer Zeit: schlechte Arbeitsbedingungen, befristete Verträge, niedrige Löhne. 

Die Leute, die sich für unsere Poke-Bowl auf dem Fahrrad einen abstrampeln, verdienen oft sehr wenig und können ihre Zukunft kaum planen, weil sie sich von einem Kurzzeitvertrag zum nächsten hangeln. Das wollen die Fahrerinnen und Fahrer nicht mehr hinnehmen. Einer ihrer Vorkämpfer: der 26-jährige Orry Mittenmayer aus Marburg.

Mittenmayer startete gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Sommer 2017 bei Deliveroo den Aufstand. Es sollte endlich einen Betriebsrat geben, der sich für die Rechte der Fahrerinnen und Fahrer einsetzt. Ihr Slogan: Liefern am Limit. Denn so wie bisher konnte es ihrer Meinung nach nicht weitergehen. Doch das Unternehmen wehrte sich. Die Gründung des Betriebsrats war zäh und schwierig. Im Februar 2018 war es trotz aller Hürden vollbracht – doch schon wenige Monate später musste sich der Betriebsrat wieder auflösen, denn Deliveroo hatte die befristeten Verträge aller Beteiligten nach und nach auslaufen lassen. 

Als letzter musste Orry gehen.