Im Video: Fünf Fragen an Unternehmerin und Bloggerin @DariaDaria

Abgetragene Secondhand-Klamotten oder doch brandneue Jeans? Noch ein T-Shirt, obwohl ich schon zehn im Schrank habe?

Viele von uns mögen Mode. Die Modeindustrie aber ist problematisch: Ausbeuterische Arbeitsbedingungen, hoher Energie- und CO2-Verbrauch in der Herstellung, Chemikalien, die unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Die weltweite Textilproduktion hat sich zwischen 2000 und 2014 verdoppelt. Laut Greenpeace kauft jeder deutsche Verbraucher im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr – trägt diese allerdings nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren (Greenpeace).

5 Gewissensfragen

Darf ich noch Plastikbecher für meine Party kaufen? Lieber keine Avocados mehr essen und auf Öko-Mode umsteigen? Kurz: Wie können wir konsumieren, ohne das Klima und unsere Umwelt zu belasten? Weil es uns im Alltag manchmal schwer fällt, Kaufentscheidungen mit unserem Gewissen zu vereinbaren, fragen wir diejenigen, die sich täglich mit dem Thema beschäftigen: Aktivistinnen, Blogger, Unternehmerinnen.

Wie können wir Fast Fashion mit dem eigenen Gewissen vereinbaren? Passt modebewusst und umweltbewusst überhaupt zusammen? Das haben wir Unternehmerin, Podcasterin und Bloggerin @dariadaria gefragt.

Sie heißt eigentlich Madeleine Alizadeh, ist 30 Jahre alt, kommt aus Österreich und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit und Awareness. Sie hat ein nachhaltiges Modelabel gegründet und verknüpft in ihrem Podcast "a mindful mess" politisches Engagement mit alltäglichen Fragen zu Achtsamkeit und Selbstliebe.

Wie man ihrer Meinung nach Konsum und Nachhaltigkeit vereinen kann, siehst du im Video oben.


Gerechtigkeit

"Tote Ratte im Briefkasten": Wie eine rechte Mini-Gewerkschaft ein Daimler-Werk terrorisiert
Junge Angestellte erzählen uns von ihren Erfahrungen mit "Zentrum Automobil".

Was die Rechten hier treiben, müsse man ernst nehmen, sagt Jonas – und ihrer Hetze "mit aller Stärke begegnen". Er weiß nur leider nicht so richtig, wie. Hier, das ist das Daimler-Stammwerk Untertürkheim. Und die Rechten, das sind die Mitglieder von "Zentrum Automobil", einer kleinen Splittergewerkschaft, die seit einiger Zeit versucht, deutsche gegen zugezogene Mitarbeiter auszuspielen.

Jonas macht bei Daimler in Untertürkheim gerade seine Ausbildung zum Elektroniker. Und nun hat er die Rechten vor sich. 

Wer etwas gegen sie sage, werde massiv bedroht, sagt Jonas. "Einem Kollegen haben sie eine tote Ratte in den Briefkasten gelegt", behauptet der 21-Jährige. Da ein Drohbrief dabei war, sei die Verbindung zum "Zentrum" unmissverständlich gewesen. Jonas will daher hier auch nicht seinen richtigen Namen lesen, zum Schutz. "Es gibt einfach schon zu viele, die terrorisiert wurden."

"Zentrum Automobil" erhielt bei den letzten Betriebswahlen im Frühjahr 2018 insgesamt 13,2 Prozent der Stimmen – und damit sechs der 47 Sitze (Deutschlandfunk). Die Belegschaft eines der größten Daimler-Standorte Deutschlands wird damit auch von Rechten vertreten. Und mehr als jeder zehnte hat sie gewählt.

"Zentrum Automobil" vertritt den Hass am Fließband von Daimler. 

Und junge linke Gewerkschafter und Angestellte mit nicht-deutschen Wurzeln fragen sich, was das für ihre Zukunft bedeutet. bento hat mit mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Stuttgarter Stammwerk telefoniert. Alle sagen: "Zentrum Automobil" habe zwar keinen spürbaren Einfluss im Betriebsrat, aber dass sie gewählt würden, schockiere trotzdem. Die Mini-Gewerkschaft, so berichten sie, mache Stimmung und sähe Unzufriedenheit unter den Angestellten. 

Ali, 24, arbeitet in Untertürkheim in der Gießerei. Als er zum ersten Mal die rechte Gewerkschaft im Betrieb wahrgenommen hat, war er vor allem überrascht. "Das ist hier Deutschland im Jahr 2019", sagt er, "manche Kinder von Gastarbeitern arbeiten hier in vierter Generation." 

Zwar ist Ali überzeugt, dass er in einem weltoffenen Unternehmen arbeitet. Aber auch er will seinen richtigen Namen lieber nicht veröffentlicht wissen: "Man weiß nie, welche Feinde man sich macht."

Tatsächlich organisieren sich Rechtsextreme mittlerweile verstärkt in eigenen Gewerkschaften, um so Einfluss auf das Unternehmensklima zu nehmen. 

"Zentrum" hat sich bereits 2009 gegründet, kurz darauf wurden die ersten Mitglieder in Betriebsräte gewählt. Vertreter sitzen unter anderem bei Daimler in Untertürkheim, bei Opel in Rüsselsheim, außerdem bei BMW und Porsche in Leipzig. 

Lange hatten die Rechten kaum Einfluss, nun machen sie vermehrt mit Aktionen auf sich aufmerksam. Und sorgen für Unruhe im Betrieb. Vor allem in Untertürkheim gelingt das: Am Rande von Vorstandssitzungen soll es zu zahlreichen rechtsextremen Ausfällen gekommen sein, berichten Insider dem ARD-Magazin "Report Mainz". In WhatsApp-Chats werden Hitler-Bildchen geteilt, die Wehrmacht verherrlicht.