Wir haben Alternativen verglichen.


In Deutschland liegen über 100 Millionen aussortierte Handys in Schubladen herum. Die Geräte veralten schnell: Der Speicher reicht nicht mehr, neue Apps und Spiele brauchen schnellere Chips. Bei vielen Smartphones ist das Gehäuse aufwendig verklebt und die Batterie fest eingebaut. Das ist kein Zufall, die Hersteller verdienen eben an neuen Smartphones.

Es gibt noch ein Problem: Um ein Smartphone herzustellen, werden sogenannte Konfliktmineralien verwendet. Das sind Mineralien, die nur in kleinen Mengen verwendet werden, jedoch für beispielsweise Kondensatoren unerlässlich sind. Dazu gehören Zinn, Gold, Wolfram und Tantal, welches aus Coltan gewonnen wird. Der Coltanabbau zum Beispiel finanziert indirekt den Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo. Hinzu kommen Horrorgeschichten aus den Fertigungsanlagen, die sich in der Regel in China befinden. Lange Arbeitszeiten, minimale Löhne und das Wohnen der Arbeitenden auf engstem Raum verursachen immer wieder Skandale. Die Gewinnmargen der Unternehmen dagegen sind hoch.

Und trotzdem: Auf ein Smartphone verzichten wollen die Wenigsten. Muss auch nicht sein, denn es gibt Alternativen.
1. Das Fairphone

Das niederländische Startup “Fairphone” versprach vor zwei Jahren ein faires Handy – und konnten immerhin ein “faireres“ liefern. Mit Zinn und Tantal konnten sie zwei von vier Konfliktmineralien aus dem Kongo direkt beziehen, ohne dortige Warlords zu unterstützen. Für die Fabrikarbeiter organisierten sie unter anderem einen sogenannten „Worker WelfareFund“, durch den die Angestellten weitergebildet, ihre Löhne erhöht, ihr Arbeitsplatz sicherer gemacht und Freizeitaktivitäten finanziert werden. Neben dem gut laufenden Vorverkauf und positiver Resonanz gab es aber auch Kritik: Zu wenige Mineralien seien aus konfliktfreier Quelle, zu gering die Vorteile für die Arbeitenden in den Fabriken.

In diesem Jahr brachten die Macher die zweite Generation auf den Markt. Durch eigenes Produktdesign hatten sie mehr Einfluss auf die verbauten Komponenten und deren Zusammensetzungen. Dennoch konnten sie weder bei Gold, noch bei Wolfram einen konfliktfreien Abbau garantieren.

Kostet: 525 Euro, je nach Ausstattung. Kann hier vorbestellt werden.

2. Das Shiftphone
(Bild: Shiftphone)

Das will Shiftphone anders machen. Auf Konfliktmineralien wie Coltan verzichtet das hessische Unternehmen nach eigenen Angaben komplett. Zusätzlich bieten sie den Arbeitenden eine Lohnsteigerung. Doch nicht nur die Produktionsbedingungen, auch der Preis soll überzeugen. Je nach technischer Grundausstattung bietet Shiftphone ihr Smartphone und Phablet zu unterschiedlichen Preisen an. Das Grundmodell ist dabei wesentlich günstiger als das von Fairphone.

Shiftphone setzte wie Fairphone auf Crowdfunding – nicht zuletzt um bekannt zu werden. Mitte 2014 kamen für das Phablet von Shiftphone über 101.000 Euro und dieses Jahr nochmal fast 60.000 Euro für das Smartphone zusammen.

Kostet: 222 Euro. Kann hier vorbestellt werden.

Der Vergleich

Fairphone und Shiftphone zeigen uns, wie verschieden "fair" interpretiert werden kann. Unterschiedliche Löhne, so meinen manche, könnten für Spannungen unter den Arbeitenden sorgen. Schließlich ist es schwer zu vermitteln, warum unter Umständen in der gleichen Fertigungsanlage unterschiedliche Löhne gezahlt werden – je nachdem, ob ein faires oder ein "unfaires" Handy produziert wird. Im Gegensatz zu Shiftphone setzt Fairphone daher in erster Linie auf den "Worker Welfare Fund". Manche empfinden einen solchen Geldtopf aber als schwachen Kompromiss oder sogar als langfristig von Nachteil. Schließlich werden mit dem Geld auch Weiterbildungsmaßnahmen oder Verbesserungen bei der Arbeitssicherheit finanziert. Das sollte im Idealfall das Fertigungsunternehmen direkt bezahlen.

Nicht nur bei der Produktion, auch bei der Rohstoffgewinnung braucht es mehr Transparenz, Siegel und Standards.

Gleichzeitig zeigen die Branchenneulinge, wie schwer es ist, eine saubere Lieferkette aufzubauen – und sie dann auch sauber zu halten. Trotz unserer zusammenwachsenden Welt ist es Fairphone bisher unmöglich, die Herkunft ihres Goldes zu garantieren. Die Abbaubedingungen vieler Mineralien sind jedoch immer mehr Konsumenten wichtig. Schließlich sind nicht nur die Arbeitsbedingungen schlecht, auch ist der Abbau teilweise extrem umweltschädlich. Gold wird zum Beispiel in der Regel mittels Quecksilber und Natriumcyanid ausgewaschen - zurück bleiben verseuchte Landschaften.

Doch es gibt Alternativen: "Bio-Gold" kommt sogar in kleineren Mengen aus Deutschland: Holcim Kies und Beton in Süddeutschland fördert in ihrem Kieswerk in Rheinzabern ganz ohne Chemikalien Gold als Nebenprodukt.

Das Fazit

Bisher hebt kein faires Smartphone alle Gewissensbisse komplett auf. Für viele bleibt es daher einfach am ökologischsten, ein älteres, gebrauchtes Smartphone zu kaufen – oder ganz bewusst ein nicht-smartes Handy zu nutzen. Damit bliebe unter Umständen jungen Unternehmen, die auf fairere Produktion setzen, der Markteintritt verwehrt. Das ist für konsequente Konsumkritiker jedoch kein Gegenargumt. Sie meinen: Etwas fairer, grüner und nachhaltiger ist immer noch neu und frisst Ressourcen – egal wie effizient und fair die Produktion verlaufen mag.