Bild: Jannis Große / bento
Was steckt hinter der neuen Klimabewegung Extinction Rebellion aus London?

Ein Samstag Ende April. Auf der Spitalerstraße in Hamburg, einer der zentralen Einkaufsstraßen, sind die üblichen Bummler mit vollen Tüten unterwegs. Doch etwas ist heute anders als an anderen Samstagen. Laute Trommelmusik schallt durch die Fußgängerzone, in bunten Kostümen tanzen mehrere Dutzend Menschen wild auf der Straße, der Jüngste ist gerade mal fünf Jahre alt, andere schon über 50. Passantinnen und Passanten bleiben stehen, staunen, filmen mit dem Handy - Karneval ist doch längst vorbei!? 

Mittendrin tanzt auch Ilka, in lila Blümchenkleid und mit bemaltem Gesicht. Sie ist 20 Jahre alt und studiert Kulturanthropologie an der Uni Hamburg. Plötzlich halten die fünf in Schwarz und Weiß gekleideten Trommelnden inne, die Musik stoppt - und die Tänzerinnen und Tänzer fallen in der Bewegung um und bleiben reglos am Boden liegen.

(Bild: Jannis Große / bento)

Durch die Stille hört man die Zuschauenden einzelne Wörter raunen: 

"Klimawandel", "Aussterben", "Climate Change". 

Es sind Schlagworte, die auf Flyern und Plakten zu lesen sind, die nun auf dem Boden neben den eben noch Tanzenden liegen: "Klimawandel = Massenmord" oder "Wenn wir aussterben, sind Arbeitsplätze auch egal".

Der "Die-In"-Flashmob ist eine Aktion von Extinction Rebellion Hamburg. 

Extinction Rebellion - kurz XR - ist eine politische Bewegung, die sich erst im letzten Herbst in London gegründet hat und jetzt auf der ganzen Welt ausbreitet, auch in Deutschland. Der Name kann etwa mit "Rebellion gegen das Aussterben" übersetzt werden. 

"Ein entscheidender Punkt der Bewegung ist sicher der neue, andere Ansatz von Extinction Rebellion", erzählt Ilka. "Eine Strategie mit mehr Druck auf Entscheidungsträger und ein gesamtes Konzept, bei dem es auch um das Menschenbild geht und nicht nur um einzelne politische Forderungen.“

Extinction Rebellion setzt bei vielen Aktionen auf zivilen Ungehorsam und blockiert zum Beispiel mit Sitzblockaden Straßen, um den Verkehr lahmzulegen und so Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Bewegung basiert auf der Forschung zum Erfolg von radikalen Kampagnen, daraus leiten die Gründer der Bewegung in London konkrete Aktionsformen ab, die sie als wirkungsvoll einschätzen.

(Bild: Jannis Große / bento)

In London haben Aktivistinnen und Aktivisten beispielsweise zwei Wochen lang Teile der Innenstadt lahmgelegt. Der Polizei ist es nicht gelungen, die Proteste komplett aufzulösen, obwohl sie Hunderte verhafteten. Laut Medienberichten teilte die Londoner Polizei mit: "Was ungewöhnlich ist bei dieser Demonstration, ist die Bereitwilligkeit der Teilnehmer, sich festnehmen zu lassen, und der fehlende Widerstand gegen Verhaftungen."

Das Ziel von XR ist es, die öffentliche Debatte und die Wahrnehmung der Klimakrise in der Öfentlichkeit zu beeinflussen. Damit wollen sie mindestens 3,5 Prozent der Bevölkerung mobilisieren. Das ist ihrer Ansicht nach die notwendige kritische Masse, um den "nötigen Wandel" zu erreichen.

Extinction Rebellion hat dabei drei zentrale Forderungen:

  • Die Regierungen sollen den Klimanotstand ausrufen.
  • Die Treibhausgas-Emissionen sollen bis 2025 auf Netto-Null reduziert werden und der ökologische Raubbau soll mit allen Mittel eingedämmt werden.
  • Die Regierungen sollen Bürgerversammlungen einberufen, die ausarbeiten, wie diese Ziele verwirklicht werden.

Was sind Bürgerversammlungen?

Extinction Rebellion versteht unter Bürgerversammlungen Gremien, in denen Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen um zu lernen, zu beraten und der Regierung Empfehlungen zu einem bestimmten Thema zu geben. Die Teilnehmenden sollen nach dem Zufallsprinzip auf Basis der demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung ausgesucht werden und unparteiisch sein. 

Die Mitglieder der Versammlung lernen kritisches Denken, hören ausgewogene Informationen von Experten und Interessengruppen, beraten sich in kleinen Gruppen und erarbeiten Empfehlungen und stimmen über Empfehlungen ab. Die Versammlung wird von einer unparteiischen Organisation unter unabhängiger Aufsicht durchgeführt.


"Wie viele Menschen habe ich das Thema Klima immer ignoriert oder beiseitegeschoben", erzählt Ilka. "Im Oktober habe ich dann die Blockaden von XR in London gesehen. Daraufhin habe ich mir die Bewegung angeschaut und bin quasi seit der Gründung der Gruppe im Dezember hier in Hamburg aktiv."

In Deutschland ist Extinction Rebellion seit Mitte April in der Öffentlichkeit präsent.

Mit einer Sitzblockade auf der Oberbaumbrücke in Berlin startete auch in Deutschland die internationale "Rebellion Week". Die Aktionen sind zwar vielfältig, aber nicht besonders neu: Es gibt Fahrraddemos, Trauermärsche für die Erde und bedrohte Arten, Sitzblockaden und Flashmobs, wie diesen hier in Hamburg.

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Ungewöhnlich ist, wie entspannt die Polizei auf solche Aktionen von Extinction Rebellion reagiert. Bei der Aktion in Hamburg fuhr der Polizeibeamte nach einem kurzen Gespräch noch vor Beginn des Flashmobs wieder weg. 

"Wir wollen das öffentliche Leben und die öffentliche Ordnung eigentlicht gar nicht stören. Aber der zivile Ungehorsam ist notwendig, damit wir die Klimakrise abwenden können", erklärt Ilka nach der Aktion. "Die politische, ökonomische und soziale Realität zwingt uns zu diesen Mitteln. Wir versuchen, es auf das Nötigste zu reduzieren und verteilen zum Beispiel Kekse an Autofahrer und Autofahrerinnen, wenn wir eine Straße blockieren. Das ist auch Teil des Aktionskonsenses, dass wir respektvoll und achtsam mit den Mitmenschen umgehen, die lediglich ihrem Alltag nachgehen."

Protestaktion in Hamburg Wilhelmsburg. Mit dem Spruch "Don't just sit here. Do something" besetzte XR einen Kreisverkehr, ohne den Verkehr wirklich einzuschränken.

(Bild: Jannis Große)

Von der wissenschaftlich gestützten Strategie der Bewegung ist in Deutschland wenig zu sehen: Hier setzen die Aktivisten auf viele kleine Aktionen – teils angemeldet, teils Aktionen des zivilen Ungehorsams. Die Kultur innerhalb der Gruppe ist aber die gleiche wie in London. Das zeigt sich bei der Nachbereitung des Flashmobs in der Hamburger Innenstadt.

Das Wohlbefinden jedes Einzelnen wird extrem wichtig genommen. 

Ständig wird gefragt, wie es den Teilnehmern geht. Vorstellungsrunden bei offenen Treffen, die Nachbesprechung einer Aktion – alles beginnt mit dem Empfinden der Einzelnen. Es gibt geregelte Handzeichen für eine respektvolle Kommunikation in Gruppendiskussionen.

Man hört Sätze wie "Dass wir das gemeinsam geschafft haben, macht mich sehr glücklich" oder "Ich spüre eine gemeinsame Energie in der Gruppe." Das wirkt am Anfang eher befremdlich oder sogar esoterisch, ermöglicht aber eine schnelle Integration die Gruppe und ist Teil der sogenannten Regenerationskultur von XR.

(Bild: Jannis Große / bento)

Diese Regnerationskultur ist ein Punkt von zehn Prinzipien und Werten, auf die sich Extinction Rebellionen geeinigt hat: Sie sind selbstbestimmt und dezentral organisiert, wollen Machtstrukturen, sich selbst und "unser toxisches System" in Frage stellen. Sie sind offen für alle und wollen Anschuldigungen und Hetze vermeiden, sie wollen gewaltfrei handeln und kommunizieren. Drogen oder Alkohol sind bei Aktionen verboten.

"Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Forderungen notwendige, erhebliche Veränderungen unserer Lebensstile und -standards sowie des vorherrschenden Systems bedeuten. Wir sind bereit, persönliche Opfer zu bringen. Wir sind bereit, uns verhaften zu lassen und ins Gefängnis zu gehen."
Extinction Rebellion Deutschland

Ob das Konzept aufgeht und sie durch ihren Protest wirklich genug Menschen mobilisieren und die gezielte Veränderung herbeiführen können, ist fraglich. Aber für Ilka und andere Aktive ist es wichtig, große und schnelle Veränderungen zu fordern, auch wenn sie für viele nicht umsetzbar wirken. "Der Klimawandel ist eine globale Krise, bei der es um enorm viel geht. Deswegen kann es sein, dass politische Forderungen real werden, an die wir heute nicht glauben."

(Bild: Jannis Große)



Food

Suhur und Iftar: Meine fünf Lieblingsrezepte zum Ramadan

Obwohl Muslime seit rund einer Woche tagsüber nichts trinken und essen, dreht sich im Ramadan doch vieles um Essen. Es gibt zwar kein typisches Ramadan-Gericht, weil sich vieles auch von Haushalt zu Haushalt ändert, aber ich möchte euch einige meiner Lieblingsrezepte im Ramadan vorstellen.

Der Tag beginnt im Ramadan eher mitten in der Nacht. 

Das "Frühstück" wird im Ramadan Suhur genannt und endet dieses Jahr um etwa 3.40 Uhr. Damit man nicht nur mit einer Mahlzeit den Tag überstehen muss, sollte man kurz aufstehen und etwas trinken und essen. Einige mögen dann bereits richtige Mahlzeiten. Ich esse allerdings ungern zu dieser Uhrzeit. 

Um dennoch etwas zu mir zu nehmen, versuche ich einfach, etwas zu trinken und Nüsse oder eine Banane zu essen. Im Ramadan werden vor allem viele Datteln gegessen und Milch getrunken.