Bild: Federico Gambarini/dpa, Kritische Aktionäre, Montage: bento
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Es ist entschieden: In der "Klimahauptstadt 2017" Essen darf ein Platz nach dem Energiekonzern RWE benannt werden. Dies bestätigte Frank Mußhoff, der zuständige Bezirksbürgermeister, bento auf Nachfrage. In der Abstimmung gab es 11 Stimmen für den "RWE-Platz" und sechs Enthaltungen. Damit gilt die Entscheidung als einstimmig. 

1.

Wie hieß der Platz vorher?

Er hat noch keinen Namen, weil er erst gebaut wird. Der Platz gehört nicht zur Stadt, sondern wird gerade von RWE als Teil eines neuen Firmenkomplexes gebaut. Auf dem Gelände stand früher die Zeche Victoria Mathias, die als Geburtsstätte der Firma gilt. 2020 soll das neue Gelände eröffnet werden, mehrere Tausend Angestellte der Firma sollen dort einziehen. 

2.

Warum ist das wichtig? 

Die geplante Benennung des Platzes wird von Naturschutzverbänden beklagt. RWE ist zwar mit über 50.000 Angestellten (etwa 17.000 davon in der konventionellen Stromerzeugung) ein wichtiger Arbeitgeber – aber als Nutzer und Förderer von Braunkohle ist der Konzern auch für zahlreiche Umweltschäden mitverantwortlich

Braunkohle, die RWE in Kraftwerken verheizt und in Tagebauen fördert, ist von allen fossilen Energieträgern wahrscheinlich der schädlichste fürs Klima. Das macht RWE zum Unternehmen mit den meisten CO2-Emissionen in ganz Europa. (RWE)

Für die Förderung der Braunkohle müssen weltweit, auch in Deutschland, immer wieder Orte komplett vernichtet und abgebaggert werden. Dadurch sind viele Plätze entstanden, die man zynisch ebenfalls als "RWE-Platz" bezeichnen könnte.

So sieht das dann aus:

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3.

Gibt es andere Vorschläge? 

Die Gegner, etwa die "Kritischen Aktionäre", hatten vorgeschlagen, den Platz auf dem neuen RWE-Gelände stattdessen "Platz der Erde" zu nennen. Ein anderer Vorschlag war "Saúl-Luciano-Lliuya-Platz". Das ist der Name eines peruanischen Bauers, der RWE in einer Klage für den weltweiten Klimawandel mitverantwortlich macht. 2017 hatte er vor Gericht einen Teilerfolg gegen den Energieriesen erkämpft. (verheizte-heimat.de)

Ist der Peruaner vor Gericht weiterhin erfolgreich, muss RWE damit rechnen, Ausgleichszahlungen für schmelzende Gletscher leisten zu müssen, weil der Konzern nach Schätzungen der Kläger für etwa 0,47% des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich ist. (SPIEGEL ONLINE)

Bezirksbürgermeister Mußhoff hält nicht viel von der Idee, statt "RWE-Platz" den Namen des Bauern zu verwenden:

Man muss sich auch fragen, wie groß der Einfluss so einer Platzbenennung auf einem Privatgelände ist. An anderer Stelle kann man sicher mehr erreichen. Damit ist auch keinem peruanischen Indianer geholfen. Besser ist eine sinnvolle und nachhaltige Energiepolitik.

4.

Wie reagiert der Konzern? 

RWE selbst bestätigt bento telefonisch, trotz des Protests "selbstverständlich" an dem Namen festhalten zu wollen. "RWE und Essen haben eine lange, gemeinsame Historie und dementsprechend hoch ist die Akzeptanz in der Bevölkerung", erklärt Pressesprecher Jan Peter Cirkel. Zudem sei der Protest seines Wissens nach nicht all zu stark gewesen. Bei einer Facebook-Veranstaltung hätten nur drei Personen auf "interessiert" geklickt. 

"Wir haben erst fünf Tage vor der Abstimmung davon erfahren", sagt der Geschäftsführer der "Kritischen Aktionäre", Markus Dufner. Entsprechend kurz sei die Zeit gewesen, um einen großen Protest zu organisieren.

Trotzdem habe man vor dem Essener Rathaus eine Demo auf die Beine gestellt, zusammen mit fünf anderen Organisationen. Dass die wenig Erfolg hatte, wundert Dufner aber nicht: "Die meisten Mitglieder der Bezirksvertretung hatten wohl Hemmungen, sich gegen den wichtigsten Arbeitgeber der Stadt zu stellen."


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