Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit Sina Reisch und den Klimaschützern.

"Ende Gelände" setzt sich seit 2015 gegen die Energiegewinnung aus Kohle ein. Die Vision der Klimaaktivisten: der sofortige Kohleausstieg.

Ihr größter Gegner war dabei im vergangenen Jahr der Energiekonzern RWE. Nach der Räumung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen wollte das Unternehmen eigentlich mit der Abholzung für den Braunkohletagebau beginnen, doch das Oberverwaltungsgericht Münster verfügte einen vorläufigen Stopp. 

Der Hambacher Forst ist derzeit kein Betriebsgelände mehr, sondern ein öffentlich zugänglicher Wald. Ein Erfolg – auch dank des öffentlichen Drucks, der immer wieder von "Ende Gelände" vorangetrieben wird. Tausende protestierten im Sommer gegen die Rodung und blockierten den Tagebau. 

Mittlerweile gibt es aber deutschlandweit Ortsgruppen der Bewegung. Ihre Botschaft: Schaut nicht weg, lasst euch nicht unterkriegen. Denn eine gesunde Umwelt geht uns alle etwas an.

Wir haben mit Sina Reisch, 24, von "Ende Gelände" gesprochen. Sie hat im Namen der Bewegung erzählt, was sich die Gruppe für 2019 vorgenommen hat.

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr?

Wir können auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Ende Gelände hat mit mehr als 6000 Menschen Kohle blockiert, Zehntausende haben sich für klimafreundlichere Energie und gegen die Räumung im Hambacher Forst stark gemacht. Die dreckige Kohle muss im Boden bleiben.

Welche Herausforderung gab es dabei – und wie hast du sie gemeistert?

Die Landesregierung in NRW hat sich zum Handlanger von RWE gemacht. Der Hambacher Forst wurde mit dem größten Polizeieinsatz in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen geräumt, dabei ist ein Mensch ums Leben gekommen. Das Innenministerium hatte anschließend Aktivisten vorgeworfen, hämisch auf den Tod reagiert zu haben. Eine Lüge. (bento)

Diese Eskalationsversuche sind schwer zu ertragen. Viele von uns haben rechtswidrige Polizeigewalt erlebt, auch ich selbst. Das muss thematisiert werden, aber wir lassen uns davon nicht ablenken, halten in schwierigen Situation zusammen und bleiben fokussiert auf unsere Ziele.

Ende Gelände bei der Blockade am Tagebau Hambach.

(Bild: Channoh Peepovicz)

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019? 

Wir wollen keine Kohlekraftwerke mehr blockieren müssen – weil sie endlich abgeschaltet sind. Das ist eine Frage der globalen Klimagerechtigkeit. Schließlich heizen wir auch in Deutschland den Klimawandel an, unter dem dann ärmere Länder leiden. Das Beste wäre eine Demokratisierung der Wirtschaft, die sich am Gemeinwohl orientiert.

Wir treffen uns im Februar in Freiburg und schmieden beim großen Bündnistreffen Pläne über Projekte und Ziele für 2019. 

Sie lassen sich nicht unterkriegen! Ende Gelände auf dem Weg zum Protest.

(Bild: Jannis Große)

Was brauchst du, um es umzusetzen?

Wir sind auf einem guten Weg. Aber das kann alles nur funktionieren, wenn auch viele Menschen mitmachen, die noch nie politisch aktiv waren. Wir können nicht darauf warten, dass der Wandel von unseren Regierungen vorangetrieben wird, wir müssen die Probleme selbst in die Hand nehmen. 

Es gibt Ortsgruppen von Ende Gelände in über 30 Städten, unsere großen offenen Bündnistreffen, und jede Menge ähnlicher Gruppen – da lohnt es sich auf jeden Fall hinzugehen. Denn gemeinsam sind wir stark und verwandeln Ohnmacht und Schmerz in Hoffnung und Solidarität.

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Grün

19 für 2019: Sergio Carlos Quiñones Maletti macht Klassenfahrten politisch
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit dem Abiturienten.

Als der Energiekonzern RWE im Oktober plant, den Hambacher Forst abzuholzen, sind viele empört. Auch der Kölner Abiturient Sergio Carlos Quiñones Maletti, 19, genannt Carlos. Er will etwas tun, am liebsten gemeinsam mit anderen. Das Problem: Sich zu engagieren ist anstrengend und manchmal öde. Carlos weiß das – von Antikriegsdemos bis Umweltpolitik ist er überall dabei.

"Ganz Köln war damals aufgeregt wegen des Hambacher Forsts – aber keiner hat sich darum gekümmert, an den Schulen, mit den Schülern etwas zu machen." Aber Carlos, der hat eine Idee. Er organisiert die #Hambifahrt, eine Klassenfahrt in den Hambacher Forst. Nicht bloß irgendeine, die "größte in der Geschichte der Bundesrepublik". 

Carlos und seine Freunde wollen zeigen: So fühlt es sich an, in einem der ältesten Wälder Deutschlands zu stehen – und gegen seine Abholzung zu kämpfen. Innerhalb von zwei Wochen stellen sie die #Hambifahrt auf die Beine. Mit Workshops und Waldführung, Gesprächsrunden über Nachhaltigkeit und einem Picknick im Forst. (Zeit Campus)

Carlos hat uns erzählt, wie es für ihn im nächsten Jahr weitergeht.