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Mehr als 15 Millionen Menschen erreiche man mit dem "reichweitenstärksten Werbemedium", bewirbt die Deutsche Post ihre wöchentliche Werbesendung "Einkauf aktuell" im Internet. Zusammen mit einem TV-Programm landen jeden Samstag regionale Werbeprospekte in 20 Millionen Briefkästen. Oftmals landet das gesamte Paket direkt im Müll.

Eine riesige Ressourcenverschwendung, sagen die Initiatoren von "Letzte Werbung". Die Initiative will die Papierflut beenden und es der Deutschen Post verbieten, ungefragt Woche für Woche die Prospekte zu verteilen. Und es geht nicht nur um Papier: Jede Ausgabe von "Einkauf aktuell" ist zudem in einer Plastikfolie eingepackt. (SPIEGEL ONLINE)

Weil es nicht einmal möglich ist, schriftlich der Werbung zu widersprechen, bereitet die Initiative momentan Klagen gegen die Deutsche Post vor. 

Wir haben mit Katharina Wallmann von "Letzte Werbung" über die Pläne gesprochen.

(Bild: privat)

Wie kam euch die Idee zu eurer Initiative "Letzte Werbung"?

Einfach, indem wir das Problem gesehen haben: Man öffnet morgens den Briefkasten und findet einen Riesenhaufen Werbung vor, den niemand angefordert hat. Man schmeißt ihn weg, wie viele Nachbarn offensichtlich auch, denn der Papierkorb unter den Briefkästen ist schon voll. 

Meistens geht man einfach dran vorbei und denkt nicht weiter drüber nach – aber wir wollten das nicht mehr ignorieren. Das ist ja eine beträchtliche Menge an Müll, der für die Tonne produziert wird. Und mit ein bisschen Recherche weiß man dann auch, was eigentlich die Papierproduktion an Energie und Wasser verbraucht, die hier verschwendet werden.

Mein Mitgründer Sebastian und ich haben deshalb eine Initiative gestartet, die dagegen vorgeht. Zunächst mit den "Keine Werbung"-Aufklebern. Die sind rechtlich bindend: Wenn man einen am Briefkasten hat, darf man tatsächlich keine Werbung mehr bekommen.

Reichen die Aufkleber nicht?

Aktuell haben etwa 26 Prozent der Briefkästen in Deutschland einen Aufkleber – da wäre noch mehr möglich. Aber es wäre natürlich viel einfacher, wenn man das Problem von der anderen Seite löst. Es müsste eine Gesetzesänderung geben.

Wie soll diese Gesetzesänderung aussehen?

Wir wollen das nach Amsterdamer Vorbild ändern: Dort bekommt man Werbung nur, wenn man sie will und einen entsprechenden Aufkleber am Briefkasten hat. Das wurde von der Bevölkerung auch sehr gut aufgenommen: Heute haben 23 Prozent der Amsterdamer Haushalte einen Sticker, während davor 75 Prozent Werbung bekommen haben. Die Verhältnisse sind also sehr ähnlich wie in Deutschland.

Ihr wollt gegen die Deutsche Post klagen. Was genau erhofft ihr euch davon?

Vor acht Jahren hatte ein Rechtsanwalt aus Lüneburg damit schon Erfolg: Er wollte kein "Einkauf aktuell" mehr haben, allerdings auch keinen Sticker am Briefkasten anbringen, weil er andere Werbung noch bekommen wollte. Die Post argumentierte, dass es für sie ein zu großer organisatorischer Aufwand sei und sagte ihm, dass er einen Aufkleber anbringen müsse. 

Das Gericht gab allerdings dem Anwalt Recht – und wenn die Post ihm weiter "Einkauf aktuell" eingeworfen hätte, hätte ihr ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro gedroht. 

Der Fall ist dann lange Zeit in Vergessenheit geraten, bis wir die Idee hatten, einfach den schriftlichen Widerspruch für alle zu ermöglichen. Wir haben mit der Kampagne "plastikpost.de" 60.000 Widersprüche eingesammelt und an die Deutsche Post weitergeleitet. 

Diese hat uns in einem Schreiben mitgeteilt, dass sie die Widersprüche für ungültig erklärt, weil wir die Vollmacht dieser Menschen nicht hätten. Sie hat uns aber auch keinen alternativen Vorschlag gemacht, wie man sich von der Zustellung von "Einkauf aktuell" abmelden kann. Sie möchte das einfach gar nicht.

Uns geht es jetzt darum, dass wir dieses Recht einklagen, sich einfach schriftlich oder sogar per Telefon abzumelden. Aber dazu braucht es ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs, damit das zu bundesweit geltendem Recht wird.

Und wenn das nicht funktioniert?

Wir versuchen weiterhin, das Problem über die Städte und Abfallentsorger zu lösen. Und wir animieren Geschäfte dazu, bei sich die Aufkleber auszulegen. In München beispielsweise verschickt der Entsorger gratis "Keine Werbung"-Aufkleber. Dort bekommen deshalb inzwischen 53 Prozent der Haushalte keine Prospekte. Und wir möchten auch die Unternehmen, die darin werben, davon überzeugen, dass es bessere Möglichkeiten des Marketings gibt als mit dieser Verschwendung.

Ihr steckt viel Arbeit in die Initiative – gemessen am gesamten Müll, der jedes Jahr in Deutschland produziert wird, machen die Werbeprospekte aber eher wenig aus. Ist es das wirklich wert?

Deutschland ist einer der größten Papierverbraucher der Welt. Laut WWF verbraucht jede und jeder Deutsche etwa 253 Kilo Papier im Jahr. Bedrucktes Papier macht davon ungefähr 35 % aus. Wenn wir es geschafft haben, ungewollte Werbung im Briefkasten abzuschaffen, dann haben wir einen gar nicht so unbeträchtlichen Beitrag zur Müllvermeidung geleistet.


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