Bild: Philipp Schulze/dpa
Was #respeggt bedeutet und wo du die Eier bekommst.

Das Töten von männlichen Küken aus wirtschaftlichen Gründen könnte in Deutschland bald ein Ende haben. Nun werden bereits erste Eier verkauft, die das "Respeggt"-Logo tragen. Das bedeutet: Für die Produktion dieser Eier mussten keine lebenden, männlichen Küken getötet werden. Das liegt an einer neuen, einfachen Methode, mit der "männliche" Eier schon früh erkannt werden. (Guardian)

1 Wie funkioniert die neue Technologie? 

Forschende der Uni Leipzig haben ein Verfahren entwickelt, mit dem die Hormone in noch nicht geschlüpften Eiern untersucht werden können. Dafür wird mit einem Laser ein winziges Loch in die Schale gebrannt und eine Probe des Harns entnommen. Ist der noch nicht empfindungsfähige Embryo im Ei männlich, wird das Ei gar nicht erst nicht ausgebrütet

2 Was kosten die "Respeggt"-Eier?

Eine 6er-Schale kostet etwa zehn Cent mehr als eine herkömmliche Packung Freiland-Eier. 

3 Wo kann ich die Eier kaufen?

Bisher nur in Rewe- und Penny-Märkten in Berlin. Bis Ende 2019 soll es die Eier aber in mehreren tausend Supermärkten in Deutschland geben. 

4 Wieso werden männliche Küken getötet?

Nur weibliche Hühner können Eier legen. Außerdem wachsen weibliche Tiere schneller und etwickeln größere Brüste, sie sind daher als Fleischlieferantinnen beliebter. Männliche Küken sind zumindest für die Eier-Industrie nutzlos und für die Fleischindustrie weniger "ergiebig". In der Mast landen trotzdem viele männliche Tiere. (Animal Rights Watch)

Viele werden aber trotzdem kurz nach dem Schlüpfen getötet.

5 Wie viele Küken sind betroffen?

Etwa 45 Millionen männliche Küken werden bisher pro Jahr in Deutschland getötet. In der Fachwelt werden sie daher "Eintagsküken" genannt (Zeit Online). Weltweit sollen es nach Angaben von "respeggt" bis zu vier Milliarden Küken im Jahr sein.

6 Wie werden die Küken bisher getötet?

Die männlichen Küken werden an einem Laufband von Menschen aussortiert und in Tonnen oder Behälter gelegt. Die meisten werden darin vergast und anschließend geschreddert. Viele ersticken schon vorher am Gewicht ihrer Artgenossen, die auf ihnen liegen. Ein kleiner Teil der Küken wird an Zoos und Zoofachgeschäfte als Futter verkauft, der größere Teil wird aber bislang entsorgt. 

(Bild: Ralf Hirschberger/dpa)

7 Verstößt das Töten nicht gegen das Tierschutzgesetz?

Das OVG Münster hat 2016 entschieden, dass es mit dem Gesetz konform ist – aus "menschlichen Nutzungsinteressen" und weil das Aufziehen der Küken den "wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" entgegen stehe. Übersetzt heißt das: Profit bricht Tierschutz. (SPIEGEL ONLINE)

8 Wer steckt hinter "Respeggt"? 

Hinter der Marke stecken die Rewe-Group und die Forschenden der Uni Leipzig. Auch die Bundesregierung hat das Projekt mit mehreren Millionen Euro gefördert. (Respeggt)

9 Was muss ich als Verbraucher beachten?

Dass durch rechtzeitige Aussortierung auf die Tötung der männlichen Küken verzichtet wurde, bedeutet im Umkehrschluss noch nicht, dasss die weiblichen Hühner gut behandelt wurden. Wem am Tierschutz gelegen ist, der muss also weiterhin auf die Tierschutz-Siegel achten – und darauf, ob Öko-Standards eingehalten wurden und die Hühner aus Freiland- oder Bodenhaltung stammen.

Korrektur, 17.30 Uhr: In einer ersten Version dieses Beitrags stand, dass auch in der Hühnermast zur Fleiischgewinnung lediglich weibliche Tiere aufgezogen werden. Diesen Fehler haben wir korrigiert. 


Gerechtigkeit

Sea-Watch rettet 33 Geflüchtete im Mittelmeer – darf aber keinen Hafen anlaufen
"Was hat Horst Seehofer im Weihnachtsgottesdienst zu suchen, wenn er jetzt eine Lösung blockiert?"

Die deutschen Retter der Organisation Sea-Watch haben im Mittelmeer 33 Geflüchtete gerettet, dürfen aber bisher keinen sicheren Hafen anlaufen. Nach Angaben eines Sprechers habe man alle in Frage kommenden Staaten kontaktiert, darunter auch Deutschland. Bisher habe die Organisation aber keine Erlaubnis erhalten, einen sicheren Hafen anzulaufen. "Wir fordern eine sofortige Zusage, einen möglichst nahe gelegenen Hafen ansteuern zu dürfen", sagte Sprecher Ruben Neugebauer im Gespräch mit bento.