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Ab Januar könnten die Hochschulen Bücher und Aufsätze auf ihren digitalen Lernplattformen sperren.

An Unis und FHs droht ein Rückfall in analoge Zeiten. Ab Januar könnten viele Onlineaufsätze für Studenten gesperrt werden. Der Grund: Digital zur Verfügung gestellte Texte auf Lernplattformen wurden bisher mit der VG Wort, welche die Rechte der Urheber vertritt, pauschal abgerechnet. Das hatte das Bundesverfassungsgericht kritisiert, der entsprechende Vertrag läuft Ende 2016 aus.

Im Oktober hatten KMK und VG Wort deshalb einen neuen Rahmenvertrag zur Einzelabrechnung ausgehandelt. (Den Vertrag im Wortlaut findest du hier.) Er sollte am 1. Januar in Kraft treten und sieht vor, dass in Zukunft 0,008 Euro pro Seite, Student und Semester von der Universität zu zahlen sind.

Was ist das Problem mit dem Vertrag?

"Der enorme Mehraufwand durch die geforderte Einzelerfassung sowie zahlreiche offene rechtliche, technische und organisatorische Fragen" würden die Neuregelung blockieren, sagt Klaus Hoffmann-Holland, Vizepräsident für Studium und Lehre an der FU Berlin. Die FU werde deshalb, wie die anderen Berliner Unis auch, dem Vertrag nicht beitreten. Ähnliche Ankündigungen gab es aus allen Bundesländern.

Für Studenten heißt das: Die Copycard erlebt ein Revival.

Was bisher digital auf Laptop oder Tablet geladen und auch ausgedruckt werden konnte, muss jetzt wieder Seite für Seite aus den entsprechenden Lehrbüchern kopiert werden. So kündigten etliche Hochschulen an, ihre Onlinekurse zum Ende des Monats abzuschalten.

Sie sollten daher vorsorglich alle Dokumente, die für Ihre Arbeit wichtig sind, bis zu diesem Datum auf Ihre Rechner herunterladen.
Der Kölner Rektor Axel Freimuth in einer Mail an seine Studenten
Welche Unis betrifft das?

Fast alle Hochschulen haben sich mittlerweile entschlossen, den Rahmenvertrag zwischen KMK und VG Wort zu boykottieren. Sie verweisen auf einen Testlauf an der Uni Osnabrück, wo durch das neue Meldeverfahren enorme Kosten entstanden waren. "Das Verhandlungsergebnis konnte genauer auf seine Praxistauglichkeit geprüft werden", sagt Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin in NRW – und kritisiert, "dass vor allem der administrative Aufwand aus Sicht der Hochschulen unverhältnismäßig hoch ist".

Das ist nicht praxistauglich.
Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin in NRW
Auch Studenten unterstützen den Boykott, obwohl sie die Leidtragenden sind.

Weil in der Lehre ohnehin viel Geld fehle, begrüße er die Ankündigung seiner Uni, den Vertrag zu boykottieren, sagt Holger Rosebrock vom Asta der Goethe Universität Frankfurt: "Es geht nicht darum, keine Vergütung an die Autorinnen und Autoren zu leisten – die Neuregelung führt jedoch lediglich zu einem Rückschritt im Bereich der Digitalisierung", so der Studentenvertreter. Das Meldeverfahren sei so kompliziert, dass es in Zukunft kaum noch Onlinetexte geben werde.

"Der Effekt ist der erzwungene Rückschritt ins analoge Zeitalter für viele Studierende in Deutschland."
Holger Rosebrock vom Asta der Goethe Universität Frankfurt
Es gibt noch eine letzte Hoffnung.

Kultusminister und VG Wort, die den Vertrag ausgehandelt hatten, haben mittlerweile eingesehen, dass die Vereinbarung nicht zu retten ist, wenn die Hochschulen nicht mitziehen. Am Freitagnachmittag kündigten die Verwertungsgesellschaft, die KMK und die Hochschulrektorenkonferenz deshalb die Gründung einer Arbeitsgruppe an, um "eine einvernehmliche Lösung für die Handhabung des Urheberrechts im Kontext der Lehre an den Hochschulen zu entwickeln".

Den Mitgliedern der AG steht ein sportliches Adventsprogramm bevor: Man werde "rechtzeitig vor dem Jahresende 2016 einvernehmlich einen Lösungsvorschlag vorlegen", heißt es in einer Erklärung. Mit anderen Worten: Die Studenten sollten vielleicht doch noch ein wenig warten, bevor sie hohe Copycard-Guthaben auf ihren weihnachtlichen Wunschzettel schreiben.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Gerechtigkeit

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