Drei Fragen, drei Antworten

Kostet die Maß Bier auf dem Oktoberfest bald 23 Euro? Forscher haben herausgefunden, dass Bier infolge des Klimawandels nicht nur knapp, sondern dadurch auch teurer werden könnte. 

Was hat der Klimawandel mit Bier zu tun?

Bei einem ungebremsten Anstieg der Temperaturen würden sich die Bierpreise weltweit im Schnitt etwa verdoppeln, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature Plants"

Denn durch das häufigere gleichzeitige Auftreten von Dürre- und Hitzeperioden, leidet die Ernte von Gerste

Was ergab die Studie genau?

Die Forscher um Studienleiter Steven Davis von der University of California in Irvine (USA) hatten 

  • zunächst auf Basis historischer Daten die Anfälligkeit von Gerste für Wetterextreme ermittelt. 
  • Dann prüften sie, wie häufig unter verschiedenen Klima-Zukunftszenarien gleichzeitig extreme Hitze und Dürre auftreten...
  • ...und wie sich das auf die Erntemengen in 34 Weltregionen auswirkt. Sie berücksichtigen die Entwicklung zwischen 2010 und 2099. 
  • Das Resultat: Im Schnitt würden die Ernteerträge um 3 bis 17 Prozent sinken – je nach Szenario. Unter den extremsten klimatischen Veränderungen drohten Ländern wie Belgien, Tschechien oder Deutschland Einbußen in der Verfügbarkeit von Gerste von 27 bis 38 Prozent. 

Im Jahr 2011 ging etwa 17 Prozent der weltweiten Gersten-Ernte in die Bierherstellung. 

Klingt erst mal nach gar nicht so viel. Doch wenn von etwas weniger da ist, dann muss man es natürlich auch anders verteilen. Das heißt, dass... 

  • mit sinkender Erntemenge die Verfügbarkeit von Gerste zum Brauen überproportional sinken dürfte, da das Getreide aller Voraussicht nach für andere, wichtigere Zwecke genutzt werden würde, etwa als Tierfutter. 

Denn Hunger ist nunmal schlimmer als Bierdurst.

Die Folge: Weniger Bier auf der Welt.

Das würde den Bierpreis deutlich in die Höhe treiben, nämlich durchschnittlich verdoppeln. Selbst unter einem weniger starken Temperaturanstieg ist den Analysen zufolge mit einer Verteuerung von 15 Prozent zu rechnen.

Für Deutschland errechneten die Wissenschaftler einen Rückgang des Konsums zwischen 0,74 und 2,55 Milliarden Litern jährlich, vom geringsten bis zum stärksten angenommenen Temperaturanstieg. Dies entspräche einem Rückgang des pro Kopf-Verbrauchs von 18 bis 63 Halbliter-Flaschen im Jahr. 

Das Bier wird teurer... ist das nicht eher ein First World Problem?

Allerdings. "Die Welt sieht zahlreichen, lebensbedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels entgegen; etwas mehr Geld für Bier ausgeben zu müssen, erscheint angesichts dessen vielleicht trivial", sagt Davis. "Aber es gibt definitiv eine interkulturelle Anziehungskraft von Bier."

Und am Ende eines zunehmend gewöhnlich heißen Tages kein kühles Bier zu bekommen, würde das Ganze noch schlimmer machen.
Studienleiter Steven Davis
(Bild: Giphy )

Die Forscher schränken ein, dass ihre Studie Unsicherheiten und Schwächen aufweist. So seien etwa keine denkbaren Anpassungen berücksichtigt, die die Erntemengen auch in Zeiten des Klimawandels stabilisieren könnten, wie neue Technologien oder die Nutzung angepasster Sorten. 

Alle Schätzungen beruhten auf derzeitigen Daten zur Weltwirtschaft, Bevölkerung, landwirtschaftlichen Praktiken oder Ernährungsgewohnheiten. Das Wachstum der Weltbevölkerung dürfte den Bierbedarf allerdings nach Ansicht der Forscher eher noch steigen lassen.

Die wirklich ernsten Folgen des Klimawandels siehst du in der Slideshow:

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Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Der Prozess gegen Mesale Tolu wird fortgesetzt und sie reist dafür wieder in die Türkei
Warum eine Einreise riskant sein könnte.

Die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu durfte nach einer Ausreisesperre erst im August die Türkei verlassen – jetzt reist sie für ihren Prozess wieder zurück.

Ganz ungefährlich ist ihr Vorhaben nicht.

Am Dienstag wird der Prozess gegen Mesale Tolu in Istanbul fortgesetzt. Sie möchte persönlich erscheinen, sich gegen die Vorwürfe wehren und Freispruch beantragen. Die Teilnahme am Prozess geht aber auch mit einem bestimmten Risiko einher. Die Behörden könnten ihr die Einreise verweigern. (Tagesschau)

Was wurde Mesale Tolu vorgeworfen?

Die Staatsanwaltschaft warf ihr die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Sie habe Propaganda betrieben. Tolu soll zwei Gedenkveranstaltungen für kurdische Kämpferinnen besucht haben, die Frauen waren im Krieg gegen den IS gefallen. Außerdem soll sie an einer Demonstration für Frauenrechte und einer Beerdigung für Mitglieder einer verbotenen kommunistischen Partei teilgenommen haben. (bento)

Der Prozess könnte sich ziehen.

Tolus Anwältin, Kader Tonc, geht nicht davon aus, dass der Prozess am Dienstag beendet ist und ein Urteil gefällt wird, die Vertagung des Prozesses ist wahrscheinlicher. Dem Prozess werden die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp und ein Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Istanbul beiwohnen. (Tagesschau)