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Regen und Temperaturen um die null Grad bedeuten in Deutschland: Modegeschäfte räumen die letzten, einsamen Übergangsjacken aus den Fenstern – und tauschen sie gegen dicke Mäntel, Schals und Boots. Auch in diesem Jahr sind viele davon mit Pelz versehen: als Bommel auf der Mütze, Kragen an der Kapuze oder als Native-Applikation am Stiefel. 

Kunstpelz, denken da viele, denn erstens wollen jetzt sogar Luxusmarken wie Chanel auf Tierfell verzichten (SPIEGEL ONLINE), weil viele Verbraucher kein Symbol für leidende Tiere spazierentragen wollen – und zweitens, weil Hersteller ja verpflichtet sind, auf den Etiketten anzugeben, welche Stoffe in einem Kleidungsstück verarbeitet wurden. 

Doch gerade beim "Kunstpelz" zeigt sich, dass die Angaben regelmäßig falsch sind. Eine Studie von Stiftung Warentest warnte schon 2016, dass echter Pelz immer wieder als Kunstpelz verkauft wird. 

"Das Fell des Marderhunds aus chinesischen Farmen ist oft billiger oder zumindest genauso billig wie Kunst­fell", sagt die Biologin Lea Schmitz vom Deutschen Tier­schutz­bund. Daher werde oft Echt­fell verwendet, ohne dass der Käufer darüber aufgeklärt wird. (Stiftung Warentest)

Das kommt nicht gerade selten vor: Eine Stichprobe des Tierschutzvereins "Vier Pfoten" in Hamburg und München zeigte vergangenes Jahr, dass 44 von 49 Teilen falsch deklariert waren. (GEO)

In Halle, Braunschweig und Wiesbaden zogen Ende November in dem Zusammenhang deswegen als Polizisten verkleidete Tierschützer des sogenannten Tierschutzbüros durch die Innenstädte. Sie erklärten Kunst- und echten Pelzträgern, woraus ihre Mode gemacht ist. Schon 2017 sorgte die Aktion für Aufsehen, am Ende ermittelte die Polizei gegen die Aktivisten. (SPIEGEL ONLINE)

Was ist gegen Pelz einzuwenden?

Etwa zwei Drittel der Deutschen wollen keinen echten Pelz tragen, fand 2017 eine Studie der Uni Ravensburg heraus. Die Pelzindustrie hat den Ruf, Tiere besonders schlecht zu behandeln. 

Nicht ohne Grund, denn da die Pelze bei der Schlachtung nicht beschädigt werden sollen, werden Tiere auf teils grausame Art und Weise getötet: Mit Eisenstangen erschlagen oder durch Elektroden im Anus von innen gekocht. (NDR)

Da die Tiere meist nicht gegessen werden, werden hygienische oder gesundheitliche Probleme bei der Haltung der Tiere ignoriert. Undercover-Aufnahmen der Tierschutzorgansation PETA zeigten chinesische Farmen, in denen Tieren die Haut bei lebendigem Leib abgezogen wird. Ein rein chinesisches Problem ist das nicht: 2014 geriet ein spanischer Zulieferer von Luxusmarken in die Kritk, nachdem Kaninchen lebendig gehäutet und anschließend auf dem Müll geworfen wurden. (Zeit Online)

Trotz solcher Horror-Meldungen ist das Geschäft mit Pelz in Deutschland seit Jahrzehnten stabil: Seit den 1990ern liegt der Umsatz jährlich bei etwa einer Milliarde Euro, wie das wirtschaftsnahe "Deutsche Pelzinstitut" angibt. Weltweit hat sich der Umsatz der Pelzbranche an der Börse allein zwischen 2010 und 2015 verdreifacht. (SPIEGEL ONLINE)

Wo kommt der in Deutschland verkaufte Pelz her? 

Der Großteil stammt aus ausländischen Pelzfarmen. Die meisten in Deutschland verkauften Pelze kommen schon fertig geschneidert als Kleidung aus China. Die größten Quellen für nicht verarbeitete Pelze sind Argentinien, Russland und Kanada. Etwa 15% der hier verkauften Pelze stammen laut "Pro Wildlife" aus Wildfang per Falle, der in der EU eigentlich verboten ist. Vor allem in Nordamerika ist diese Jagdmethode verbreitet. 

In China werden nach Schätzungen jedes Jahr auch zwei Millionen Hunde und Katzen gefangen und zu Schuhen oder Accessoires verarbeitet. Hier erfährst du, unter welchen Decknamen diese Hunde- und Katzenfelle in Deutschland verkauft werden.

Viele Länder der EU haben in den vergangenen Jahren Pelzfarmen verboten oder Verbote auf den Weg gebracht, darunter Großbritannien, Slowenien und die Niederlande. In anderen EU-Ländern wie Finnland oder Italien steigt der Absatz. (Zeit Online

In Deutschland ist die Produktion durch starke Regulierungen unwirtschaftlich geworden, nur eine Farm mit 4000 Nerzen ist laut Tierschutzbund noch in Nordrhein-Westfalen in Betrieb. (bento)

Andere Quellen für Fell und Pelze sind "Abfälle" aus der Fleischproduktion (z.B. Kaninchen, Lämmer, Ziegen) und aus der Jagd (z.B. Waschbären, Biber, Eichhörnchen). 

Der Pelzlobby-Dachverband "Fur Europe" gibt an, dass 2017 weltweit 63 Millionen Zuchtnerze für die Pelzproduktion getötet wurden. Die zwei in diesem Jahr geschlossenen, deutschen Farmen mit Platz für zusammen etwa 16.000 Nerze fallen da kaum ins Gewicht. Und die vielen Millionen Füchse, Kaninchen und Marderhunde sind da noch gar nicht mit eingerechnet. (Fur Europe)

So erkennst du, ob der Pelz an deiner Jacke echt oder künstlich ist: 

1 Puste auf die Haare

Wenn du auf das Fell pustest, legt sich bei echtem Fell das leichte Deckhaar zur Seite und du kannst die meist ungleichmäßig gewachsene Unterwolle sehen. Kunstpelz ist meist starrer und oft gleich lang geschnitten

2 Suche nach Haut

Wenn du mit den Fingern bis zur Basis des Fells gehst, solltest du bei Kunstfell eine gewebte Textilschicht sehen. Bei echtem Pelz hingegen ist Leder erkennbar, weil ja einem Tier die Haut abgezogen wurde. 

3 Mach Feuer

Dieser Test ist im Laden schwer durchzuführen. Bei deinen bereits gekauften Stücken kannst du so aber auf Nummer sicher gehen: Schneide zwei, drei Haare ab und halte kurz ein Feuerzeug dagegen. Ist der Pelz künstlich, riecht es nach Plastik und die Kunsthaare kräuseln sich zu einem Klumpen. Ist es echter Pelz, riecht es wie dein vergessenes Glätteisen und die Haare zerfallen zu Asche. 

Wichtig ist: Eine hundertprozentige Antwort kann nur ein Labortest ergeben, weil echtes Fell oft so stark chemisch verarbeitet wurde, bis es nicht mehr klar vom Kunstfell zu unterscheiden ist. 

Wer kein echtes Fell möchte und sich nicht sicher ist, was im Laden hängt, sollte also lieber ein Kleidungsstück ohne Bommeln kaufen.



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