Bild: Britta Pedersen/dpa
Eine Liebeserklärung.

Auf reddit berichtet gerade ein Mensch unter dem Titel "Was ist nur los mit dieser Generation?" von einer Begegnung mit zwei Sechstklässlern, die einfach so – ohne Zwang oder Projektauftrag – den Wald aufräumten. Im Regen. Weil ihnen, so sagt er, der Zustand des Waldes nicht gefiel. 

Ich weiss nicht mehr, was ich so mit 12 Jahren gemacht habe, aber ich bin mir sicher, dass der Großteil davon mit Pokemon zu tun hatte und auf keinen Fall auch nur ansatzweise so produktiv war.
reddit-User wadonkl

Auch, wenn reddit-Geschichten wegen der schwierigen Beweisbarkeit mit Vorsicht zu genießen sind, ist der Bericht exemplarisch: 

Generation Z* räumt auf. 

Die Klimastreiks, die unter dem Titel "Fridays for Future" jeden Freitag für leere Klassenräume und volle Innenstädte sorgen, sind ein wichtiges Ventil. Die Jugend ist zurecht sauer: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!", brüllen sie auf den Straßen. 

Und das – welch Überraschung – gefällt vor allem vielen älteren Menschen nicht

Es ist unglaublich leicht, sich darüber aufzuregen und die Proteste kleinzureden: "Die wollen halt die Schule schwänzen" ist die überwiegende Meinung, die Menschen mit grauem Haar, "I love my Diesel"- oder Katzen-Profilbildern unter Presseberichten bei Facebook kundtun. 

Klar, junge Leute kann man schnell für dumm halten, für faul oder naiv. Immerhin haben die mit Fidget-Spinnern gespielt und den Fortnite-Dance populär gemacht.

Aber ist es nicht bedeutend dümmer, fauler und naiver, so weiter zu leben, wie bisher? Mit billigem Fleisch aus Massentierhaltung, subventioniertem Kohlestrom für die Industrie und zwei blinden Augen beim Thema "Elektroauto"? Ist es bei der überwältigenden Last der Forschungsergebnisse nicht schon grenzdebil, zu glauben, dass die Probleme durch den Klimawandel von alleine weggehen oder niemals eintreten? 

Der Dürre-Sommer 2018, da sind sich Klimaforschende einig, war nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll. Kleine Kartoffeln werden dann unser geringstes Problem sein. (bento) Wer sich trotzdem noch über die Schulstreiks aufregen möchte, kann ja mal darüber nachdenken:

Wenn ab Mitte des Jahrhunderts jeden Tag Hitzefrei ist, bleiben die Schulen dauerhaft leer. Und das kann nun wirklich niemand wollen. 

Die Nörgler sind die gleichen Leute, die junge Leute an allen anderen Tagen als "unpolitisch" beschimpfen. Die ihnen die Schuld am von Alten organisierten Brexit geben ("hätten die mal mit abgestimmt") und ihnen am Tag nach der Demo wieder vorwerfen, sich ja nur für Handys und ach so klimaschädliche Avocados zu interessieren. 

(Bild: Britta Pedersen/dpa)

Studien zeigen: Es ist einfacher, sich über einen Menschen aufzuregen, der einen Missstand anprangert, als über den Missstand selbst. Ein Grund dafür, dass Veganer so unbeliebt sind. (bento)

Was die Kritiker eigentlich sagen sollten: "Danke, liebe Schülerinnen und Schüler! Wir haben es verkackt!"

Und darum sage ich das hier, stellvertretend für alle, die noch älter sind als ich: Danke! 

Schon wir Millennials haben es – so viel Ehrlichkeit muss sein – nicht geschafft. Weil wir uns in zu kleine Grabenkämpfe verwickelt haben: Wir haben hier und da Lebensmittel aus Containern gerettet, öfter den ÖPNV als das Auto gennutzt und Bio-Honig gekauft, damit die Bienen nicht sterben. Wir haben Stoffbeutel hip gemacht und uns über Billigmode zwar echauffiert, sie dann aber doch getragen. 

Wir haben die Verantwortung für das Klima beim Individuum gesucht. (Weil wir verarscht wurden, wie der britische Guardian zeigt.)

Diese individuelle Verantwortung für Klima und Umwelt kann aber nichts bewirken, wenn große Unternehmen weiterhin ungehindert Kohlestrom nutzen und von der Öko-Zulage befreit werden. Oder, wenn die Bundesregierung die Interessen der Energie-, Vieh- und Automobilwirtschaft über die der Bevölkerung stellt. Oder, wenn es legal bleibt, die Produktion in andere Länder zu verlagern, um Auflagen zu umgehen. 

Wer ist der Autor?

Sebastian Maas ist bento-Redakteur, hat Politikwissenschaften studiert und beschäftigt sich seit Jahren beruflich mit der politischen Auseinandersetzung in sozialen Medien.

Ja, es sind nicht gerade kleine Probleme, die dem Schutz unseres Planeten im Weg stehen. Die Politikerinnen und Politiker werden aber nicht müde zu betonen, wie wichtig ihnen die Jugend sei, und wie sehr ihnen die Zukunft des Landes am Herzen läge. 

Liebe Schülerinnen und Schüler, ihr seid beides: Die Jugend und die Zukunft. Ihr könnt es schaffen, ein Umdenken zu bewirken, wenn ihr weitermacht. 

Leicht wird das nicht. Und doch könnt ihr den "Erwachsenen"™ vorleben, was sie selbst verpennt haben. Ihr könnt es besser machen als wir, die vor euch kamen. Und vor allem könnt ihr bei allen kommenden Wahlen dafür sorgen, dass eure Forderungen in die Tat umgesetzt werden

*GenZ sind die, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Davor kamen die Millennials, die heute etwa zwischen 22 und 40 sind. 


Future

Diese Menschen haben sich mit ihrem Chef angelegt – das ist passiert

Der Job macht Spaß, die Kollegen sind nett – aber der Chef oder die Chefin nicht? Dann kann eines helfen: die Konfrontation suchen. Der Vorgesetzten sagen, was falsch läuft, dass sich etwas ändern muss. 

Aber hilft das? Oder kann einen das den Job kosten? Und wie fühlen sich diese Gespräche an?

Wir haben drei junge Leute gefragt, die in ihren Jobs unglücklich waren – und das Gespräch mit ihrer Chefin oder ihrem Chef gesucht haben. 

Monika, 30, Social-Media-Managerin. Arbeitete vorher in einer PR-Agentur. Suchte dort das Gespräch mit ihrer Chefin – es endete mit Geschrei. 

Konkurrenzdenken, ein harter Ton – so läuft es in vielen PR-Agenturen. Aber die Agentur, in der ich zwei Jahre gearbeitet habe, war noch viel, viel schlimmer. Jeder, wirklich jeder, hatte Angst vor der Chefin und den Teamleitern. Niemand traute sich, der Chefin schlechte Nachrichten mitzuteilen oder Probleme anzusprechen. Manche mussten sich vor Gesprächen mit ihr übergeben.