Dänemark ist europäischer Spitzenreiter im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung: In fünf Jahren konnte das Land seine Essensabfälle um 25 Prozent senken. Zu verdanken haben das die Dänen unter anderem einer Frau – Selina Juul.

Die 36-Jährige, die mit 13 Jahren aus Russland nach Dänemark kam, war geschockt von den Massen an Essen, die dort täglich weggeschmissen werden. Und widmete ihr Leben dem Kampf gegen den Abfall. (BBC)

2008 gründete sie die Facebookseite "Spot Spild Af Mad" – "Stoppt die Essenverschwendung".

Dort gab sie Tipps, wie man die Abfälle reduzieren könnte: Sie ermutigte die Menschen etwa, eine Einkaufsliste zu schreiben oder ein Foto ihres Kühlschranks zu machen, bevor sie einkaufen gehen.

"Ich begann die Seite als wütender Konsument, aber Dänemark ist ein kleines Land, und so bekam mein Anliegen schnell Aufmerksamkeit", sagt Juul der BBC.

Mittlerweile leitet sie die gleichnamige Organisation mit zahlreichen Initiativen gegen Essenverschwendung: Sie hat ein "Leftover"-Kochbuch veröffentlicht, arbeitet mit drei Regierungen zusammen und entwickelt Aufklärungsprogramme für Schulen. "Eigentlich habe ich kein Leben mehr – und keine Wochenenden", sagt sie lachend.

Einer ihrer größten Erfolge: Sie überzeugte Dänemarks größte Discounter-Kette Rema 1000, anstatt Aktionen wie "3 für den Preis von 2" einzelne Lebensmittel zu reduzieren. Auf Bananen, die sonst im Müll gelandet wären, steht nun "Nimm mich, ich bin Single":

Laut eines Händlers werden in seinem Laden so heute nur noch zehn statt hundert Bananen täglich weggeworfen. Immer mehr dänische Supermärkte haben "stop food waste areas" eingerichtet – Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums stehen, werden dort günstiger verkauft. Jeder dänische Supermarkt hat mittlerweile eine eigene Strategie gegen Essenverschwendung (Deutsche Welle).

Die Gründerin ist durch ihre Aktionen zu einer nationalen Ikone geworden. 2016 erhielt sie den Womenomics Influencer Award, spricht bei TED Talks und dem Europäischen Parlament und wurde 2014 zur Dänin des Jahres ernannt.

Was treibt sie an?

"In allen westlichen Ländern sind die größten Lebensmittelverschwender die Konsumenten – also wir selbst", beklagt Juul. Die Ernährungs– und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass weltweit ein Drittel des Essens verdirbt oder weggeworfen wird. Insgesamt 1.3 Billionen Tonnen. (FAO)

"Essenverschwendung ist respektlos", beschreibt Juul ihre Motivation. "Es ist ein Fehlen von Respekt gegenüber unserer Natur, den Tieren, unserer Gesellschaft und den Menschen, die unser Essen produzieren. Ebenso ist es ein fehlender Respekt gegenüber dir selbst: Weil du das Essen wegschmeißt, das du gekauft hast – du verschwendest deine Zeit und dein Geld!"

Ihr Projekt funktioniere, "weil wir Lösungen präsentieren, nicht nur Probleme", so Juul. Sie promotet Aktionen wie "Sunday leftover tapas" oder die Idee, dem Nachbar all seine Lebensmittel zu übergeben, sobald man wegfährt.

Wie Juul die Mentalität der Dänen verändern konnte, beschreibt die Food-Bloggerin Malau Rotvel Pagh im Gespräch mit dem "Guardian": "Früher haben sich die Leute nicht getraut, nach einem 'Doggy Bag' im Restaurant zu fragen – als würde es darum gehen, Überreste mitzunehmen, die nur noch gut genug für den Hund wären."

Selina benannte sie einfach in "Goody Bags" um – gefüllt mit Essen, für das du schon bezahlt hast. Insgesamt 80.000 solcher Goody Bags ließ Juul an Restaurants verteilen. (The Guardian)

Selina Juul ist das perfekte Beispiel, um zu zeigen: Der Einzelne kann eben doch etwas verändern.

Gerechtigkeit

Bundestag beschließt heimlich ein neues Gesetz zur Videoüberwachung

Okay, nicht wirklich heimlich – aber mit möglichst wenig Aufsehen. Das sogenannte "Videoüberwachungsverbesserungsgesetz" (hier ein Link zum Gesetz) wurde in der Nacht zum Freitag im Bundestag durchgewinkt.

In der Tagesordnung für Donnerstag war die Beratung über das Gesetz auf 23.50 Uhr angesetzt. Ein für uns alle wichtiges Sicherheitsgesetz wurde als kurz vor Mitternacht von einigen womöglich übermüdeten Parlamentariern diskutiert.