Bild: Joshua Rawson Harris / Unsplash
"Alpro" ist nicht so grün, wie du denkst.

Glückliche Tiere statt Massenhaltung, lieber den regionalen Bauern unterstützen als einen multinationalen Konzern: Viele Menschen versuchen, durch bewusste Entscheidungen beim Einkaufen einen Unterschied zu machen. Alles schön und gut. Doch sind die Sachen im Einkaufswagen wirklich vom Familienunternehmen in der Lüneburger Heide – oder doch vom Großproduzenten hergestellt?

Die Packung sieht nach Landidylle und Familienunternehmen aus, aber was steckt wirklich dahinter? Wir haben uns Öko-Produkte angeguckt und zeigen, welche Konzerne daran mitverdienen.

👆 Tipp einfach auf das Bild, um zu erfahren, welches Unternehmen dahinter steckt.

Los geht's mit Honest Bio Tea. Schickes Design, Glasflasche, bio – bestimmt eine lokale Manufaktur. Oder?

Auf der Website von Honest Tea ist die Rede von einer "Mission", von Fairtrade-Bio-Rohrzucker und Bio-Tee. Die Marke gehört zu Coca-Cola – dem nach eigenen Angaben größten Getränkeproduzenten der Welt.

Auch Coca-Cola hat erkannt, dass immer mehr Kunden Nachhaltigkeit und Bio-Labels wichtig finden. Bisher kennt man Coca-Cola vor allem als Hersteller von Brause mit viel Zucker. Laut der Weltgesundheitsorganisation sind zuckerhaltige Getränke eine der Hauptursachen für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes bei Kindern (WHO).

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch forderte daher Coca-Cola dieses Jahr dazu auf, keine Werbung für Kinder mehr zu machen. Coca-Cola verteidigte sich:  Werbung gebe es erst für Kinder über 12 Jahre. 

Weiter zu diesen hübschen Tee-Schachteln, die man aus Bioläden und Supermärkten kennt:

Unilever ist nach Nestlé, Procter & Gamble und Pepsi der weltweit größte Hersteller von Konsumgütern (OC&C). Genau wie die vor ihm platzierten wird auch Unilever häufig für seine Geschäftspraktiken kritisiert – etwa  für die Arbeitsbedingungen auf den Tee-Plantagen, von denen Unilever seine Produkte bezieht (Tagesspiegel, Greenpeace). Der britisch-niederländische Konzern Unilever kontrolliert gemeinsam mit dem indischen Unternehmen Tata und Associated British Foods rund 80 Prozent des globalen Teehandels. (SPIEGEL ONLINE)

2017 übernahm Unilever auch Pukka Herbs – eine schnell wachsende Biotee-Marke. Eine bayerische Biomarktkette warf das Produkt daraufhin aus dem Programm: "Wir wollen mit Unternehmen zusammenarbeiten, die sich für Umweltschutz, soziales Wirtschaften und fairen Handel einsetzen", erklärten die Inhaber von "Vollcorner". Damit flog Pukka aus dem Programm.(Utopia)

Was ist mit dieser Marke für Naturkosmetik?

Logogna, Sante, Heliotrop, neobio und Fitne gehören zu Logocos, einer Firma in Hannover. Die setzt auf natürliche Inhaltsstoffe, umweltschonende Verpackungen und spricht sich gegen Gentechnik aus. Im August 2018 wurde Logocos von L'Oreal gekauft, dem größten Kosmetikhersteller der Welt, an dem auch Nestlé einen großen Anteil besitzt.

Denn der Markt boomt: In Deutschland wird jedes Jahr 1,2 Milliarden Euro mit Naturkosmetik umgesetzt . Damit ist es der größte Markt für diese Produkte in Europa (Handelsblatt).

L'Oreal will davon profitieren – bei der Übernahme von The Body Shop 2006 hat diese Idee allerdings schon mal nicht funktioniert: Kunden wendeten sich enttäuscht von der Marke ab, der erhoffte Wachstum blieb in den Folgejahren aus. L'Oreal verkaufte 2017 den Body Shop an ein brasilianisches Unternehmen.

Seit der Übernahme von Logocos boykottieren einige Bioläden dessen Marken. (Utopia).

Wer sich vegan ernährt, weil er Tiere oder die Umwelt schützen möchte, greift oft zu Milchalternativen. Diese Marke haben vermutlich selbst die größten Fleischesser schon gesehen:

Es war ein Riesengeschäft: 2016 legte der größte Joghurtproduzent der Welt, Danone, etwa 11,3 Milliarden Euro auf den Tisch, um die Firma Whitewave zu kaufen. Diese hat sich auf die Herstellung von Bioprodukten wie veganen Nahrungsmitteln und pflanzlichen Milchalternativen spezialisiert. Zu Whitewave gehören Marken wie Alpro und Provamel – Klassiker in Supermärkten und Bioläden. (SPIEGEL ONLINE)

Die häufigste Kritik an Danone betraf in der Vergangenheit das Marketing. 2005 beklagte beispielsweise eine österreichische Verbraucherschutzorganisation, dass Danone seine zuckerhaltigen "Fruchtzwerge" als besonders gesund an Kinder vermarkte (OTS). Die Organisation Foodwatch verlieh Danone 2009 den "Goldenen Windbeutel" für irreführende Werbung. Dabei ging es um "Actimel" und dessen angeblich vor Erkältungen schützendem Effekt.

Das folgende Shampoo ist zwar nicht bio, aber wirbt vorne auf der Flasche so: "Hergestellt mit Plastik, das am Strand gesammelt wurde."

Dahinter steckt Procter & Gamble. Zu diesem gehören etliche Marken wie Pampers, Oral-B, Always, Ariel... Die Liste lässt sich lange weiterführen.

Für Bioprodukte ist das Unternehmen eher nicht bekannt. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2017 zeigte der Konzern jedoch eine Shampooflasche, die aus Plastikmüll hergestellt sein soll. Der Recycling-Anteil ist allerdings nicht besonders hoch. Gerade mal 20 Prozent – das erfährt man erst auf der Flaschenrückseite. Procter & Gamble handelte sich deshalb eine Klage wegen Verbrauchertäuschung ein (SPIEGEL ONLINE).

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Danone sei eine Nestlé-Tochter und Wella sowie Pringles gehörten zu Procter & Gamble. Das war falsch. Wir haben die Fehler korrigiert. 


Gerechtigkeit

Schule in Schweden setzt "MeToo"-Aufklärung auf den Lehrplan
Was die Mädchen und Jungs dabei lernen sollen.

Etwas mehr als ein Jahr ist die #MeToo-Bewegung nun alt. Angefangen hat alles mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein

In den Wochen und Monaten darauf teilten immer mehr Menschen – darunter auch zahlreiche Schauspielerinnen und ein Schauspieler – ihre Geschichten und zeigten, dass Belästigung, Vergewaltigung und Misshandlung zum Alltag gehört.

In Schweden ist #MeToo jetzt sogar Teil des Unterrichts. 

Alle 15-Jährigen Schülerinnen und Schüler der "Tullbroskolan" in Falkenberg nehmen an einer zweistündigen Unterrichtseinheit teil und lernen mehr über sexuelle Belästigung. Gemeinsam mit drei weiteren Kolleginnen und Kollegen plante Lehrerin Anna Karin Nilsson den Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler "wissen bereits einiges über die #MeToo-Bewegung, sie begreifen aber noch nicht, dass es auch sie persönlich betrifft", sagte sie. (The Local)

Wie ist der Unterricht aufgebaut?

Mädchen und Junges werden für einen Teil des Unterrichts getrennt, Lehrer arbeiten mit den Jungs, Lehrerinnen arbeiten mit den Mädchen. Den Jungs soll nicht das Gefühl gegeben werden, dass sie ständig beschuldigt werden – stattdessen müsse man mit ihnen darüber reden, wie eine gleichberechtigte Gesellschaft entstehen kann, so Anna Karin Nilsson.

Bei den Schülerinnen und Schülern kommt der Unterricht gut an.

Ihm sei nicht bewusst gewesen, wie groß das Problem ist und dass davon so viele Menschen betroffen sind, sagte ein Schüler. "Man hört viele Witze und hässliche Worte. Ich denke, dass der Unterricht das etwas reduzieren wird", sagte eine Schülerin. (SVT)