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Die Union kritisiert eine Novelle der Straßenverkehrsordnung, die mein Leben retten könnte.

Morgens komme ich leicht verschwitzt, aber beseelt im Büro an. Die Wangen sind noch kalt und sofort muss ich die Nase putzen. Im Schnitt fahre ich 20 Kilometer Rad am Tag: zur Arbeit und zurück, dann zum Sport, zur Uni oder abends in die Schanze. Ich bin geübt, fahre schnell, schlängele mich an Autos vorbei. Man könnte sagen, ich bin eine ziemlich abgebrühte Radfahrerin.

Im Fahrstuhl zur Redaktion fällt mir dann ein, wie ich vorhin den LKW-Fahrer geschnitten habe. Und wie ich das Auto penetrant angeklingelt habe, bis es mir aus dem Weg fuhr. Ha! 

Beide Fahrer hatten sicher panische Angst. Angst vor Radrowdys wie mir, denke ich und lache leise.

Okay, den letzten Satz habe ich mir ausgedacht. Aber so oder so ähnlich stellen sich die Unionsparteien offenbar Viel-Radlerinnen wie mich vor. 

Gerade haben CDU und CSU deshalb die Vorschläge der Landesverkehrsminister für besseren Fahrrad-Verkehr kritisiert. 

Die Politik dürfe "Radrowdys" nicht entgegenkommen. (SPIEGEL ONLINE) Bei der FDP befürchtet man sogar, dass "der motorisierte Verkehr überhaupt nicht mehr vorankommt" (ZEIT ONLINE). 

Dabei wird es Zeit, dass Radfahrer in der Straßenverkehrsordnung ihren Platz bekommen.

Denn die neuen Vorschläge könnten Viel-Radlerinnen wie mir das Leben retten. 

Radfahren, gerade im Stadtverkehr, ist noch immer gefährlich. Auch wenn man vorsichtiger fährt als ich. Durch die 15 Maßnahmen soll es sicherer und attraktiver werden. Die Verkehrsminister aller Bundesländer haben die Vorschläge gemeinsam erarbeitet. Bis Ende des Jahres soll das Bundesverkehrsministerium sie in die Straßenverkehrsordnung aufnehmen (SPIEGEL ONLINE).

Wer soll auf der Straße herrschen? Benzinjunkies.

CDU und CSU fanden das gar nicht lustig. Sie haben Angst vor einer Privilegierung von Menschen, die lieber Rad als Diesel fahren. Privilegien hatten bisher die Benzinjunkies. Das soll, bitte schön, auch so bleiben.

In den 15 Vorschlägen steht zum Beispiel, dass ein Auto beim Überholen eines Fahrradfahrers oder einer Radfahrerin einen Abstand von mindestens 1,5 Metern einhalten soll und Lastwagen in Orten nur in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen dürfen, um einen radelnden Menschen nicht über den Haufen zu rollen. Kaum vorstellbar was passiert, wenn diese Maßnahmen tatsächlich eingehalten würden: Radfahrer würden sich auf den Straßen sicher fühlen.

Zu sicher! Denn wer weiß, was diese Territorialbesessenen als nächstes fordern. Man stelle sich nur eine Straße vor, auf der zwei Räder nebeneinander herfahren und denselben Platz einnehmen wie Autos. Räder und Motoren gleichberechtigt – wo kämen wir da hin?

Wir sind die Radfahrgeneration.

Die Debatte zeigt eine Absurdität einer alternden Gesellschaft. Ältere Menschen sind zwar immer noch am liebsten mit dem Auto unterwegs, was laut Forschern aber daran liege, dass sie damit aufgewachsen sind (DLR). Junge Leute hingegen wollen meist kein Auto mehr fahren, immer weniger von ihnen machen heute den Führerschein. Besonders in Städten fahren sie lieber Rad (ZEIT ONLINE).

Trotzdem werden Straßen weiterhin für Autos gemacht. Gut ausgebaute Fahrradwege sind selten und Ampeln werden so geschaltet, dass man die Grünphase nur mit ordentlich PS schafft.

Aber wer sind eigentlich diese Radrowdys?

Oft wird uns Radfahrenden vorgeworfen wir würden den Verkehr behindern, weil wir rücksichtslos auf die befahrene Straße fahren. Radrowdys! Aber bleibt uns etwas anderes übrig? Die 30 Zentimeter breiten Fahrradwege mit Schlaglöchern sind zugeparkt oder mit Grünzeug bewachsen. Wohin sollen wir denn ausweichen? Flugräder könnten eine Lösung sein, aber spätestens wenn die Flugtaxis kommen, haben wir in der Luft dasselbe Problem.

Es wird Zeit, dass wir mehr Platz, mehr Privilegien und Respekt bekommen. Dass der Straßenverkehr nicht nur auf rasende Benzinjunkies, sondern auf unsere Sicherheit ausgelegt ist.

Oder anders gesagt: Es wird Zeit, dass wir Radrowdys die Macht über die Straße an uns reißen. Das wäre nicht nur zeitgemäß und fair, sondern auch noch gut für die Umwelt.


Fühlen

Warum er nicht kommen muss, damit der Sex gut war

Wenn Frauen und Männer miteinander Sex haben, kann alles mögliche passieren. Am Ende geschieht aber fast immer dasselbe: 

Es geht solange weiter, bis er einen Orgasmus hat

Und dann ist es vorbei.

Ich bin ein Mann und finde: Das muss nicht sein. Ich muss nicht kommen, damit der Sex gut war. 

Es gibt schließlich auch andere Dinge, die Sex gut machen. Wie ich das genau meine, erkläre ich oben im Video.