Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit dem Abiturienten.

Als der Energiekonzern RWE im Oktober plant, den Hambacher Forst abzuholzen, sind viele empört. Auch der Kölner Abiturient Sergio Carlos Quiñones Maletti, 19, genannt Carlos. Er will etwas tun, am liebsten gemeinsam mit anderen. Das Problem: Sich zu engagieren ist anstrengend und manchmal öde. Carlos weiß das – von Antikriegsdemos bis Umweltpolitik ist er überall dabei.

"Ganz Köln war damals aufgeregt wegen des Hambacher Forsts – aber keiner hat sich darum gekümmert, an den Schulen, mit den Schülern etwas zu machen." Aber Carlos, der hat eine Idee. Er organisiert die #Hambifahrt, eine Klassenfahrt in den Hambacher Forst. Nicht bloß irgendeine, die "größte in der Geschichte der Bundesrepublik". 

Carlos und seine Freunde wollen zeigen: So fühlt es sich an, in einem der ältesten Wälder Deutschlands zu stehen – und gegen seine Abholzung zu kämpfen. Innerhalb von zwei Wochen stellen sie die #Hambifahrt auf die Beine. Mit Workshops und Waldführung, Gesprächsrunden über Nachhaltigkeit und einem Picknick im Forst. (Zeit Campus)

Carlos hat uns erzählt, wie es für ihn im nächsten Jahr weitergeht.

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr?

Ich müsste eigentlich sagen: mein Abitur. Aber es war wohl die Hambifahrt. Ich organisiere viele politische Kampagnen, letztes Jahr bestimmt ein Dutzend. Aber die Klassenfahrt in den Hambacher Forst war die schönste: Ich bin richtig aufgegangen und hatte Spaß. 

Wir hatten damals gesehen: Da läuft ganz klar etwas falsch und dachten, wir könnten was erreichen. Und dann ist es über alles hinausgegangen, was wir vorher gemacht haben. Es kamen viele Leute, die vorher nie politisch aktiv waren. Die haben ein politisches Bewusstsein entwickelt und sind später sogar selbst aktiv geworden. Viele engagieren sich jetzt weiter für die Umwelt. Leute zu motivieren, die man sonst gar nicht erreichen würde – das war für mich ein Riesenerfolg.   

Welche Herausforderung gab es dabei – und wie hast du sie gemeistert?

Die größte Herausforderung hatten wir uns selbst gestellt. Wir wollten die Jugendlichen vom Rechtsrhein in Köln erreichen, die auf Realschulen und Hauptschulen gehen. Beim Umweltschutz werden oft nur Gymnasiasten und Leute der Mittelschicht und Oberschicht aktiv – das wollten wir brechen. Es war verdammt schwer, aber am Ende sind die Leute tatsächlich gekommen. Das war der schönste Sieg für mich. 

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019?

Ich finde, Engagement sollte vielfältig und kreativ sein – mehr als nur Demonstrationen. Wir sollten neue Formen von öffentlichkeitswirksamen Aktionen finden. Ich persönlich will nächstes Jahr ein Solidaritätskommittee für Rojava in Nordsyrien gründen.

Was brauchst du, um es umzusetzen?

Drei Dinge: dass das Thema in den Köpfen der Menschen ist, dass die Mittel da sind und meine Erfahrung. Wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: mehr Solidarität. Und dass auch Organisationen kooperieren, die sonst vielleicht nicht zusammenarbeiten würden.

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Grün

19 für 2019: Marie Nasemann macht nachhaltige Mode schön
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit der Schauspielerin und Bloggerin.

Marie Nasemann, 29, macht den Eindruck, als würde sie ohne Probleme einen randlos gefüllten Terminkalender bewältigen. Früher war sie bei "Germany's Next Topmodel", heute steht sie als Schauspielerin auf der Bühne und setzt sich als Model auf ihrem Blog "Fairknallt" für nachhaltige Mode ein. 

Ihre Looks und Ideen zeigen, wie viel Stil fair produzierte Mode haben kann und dass wir uns von einem spießig, verstaubten Image der Nachhaltigkeit verabschieden müssen. Hauptberuflich aber spielt Marie Theater in Karlsruhe. Seit diesem Jahr ist sie Mitglied im Ensemble des Jungen Staatstheaters.

Wir haben mit Marie Nasemann gesprochen und sie gefragt, auf was sie sich 2019 am meisten freut.