Bild: dpa / Sebastian Gollnow
Kein Obst, keine Tiefkühlpizza, keine Salami mehr.

"Warum gibt's denn hier nix?", fragt ein älterer Herr und blickt auf die leeren Obstregale. Außer Bananen und Ananas sieht er nur leere Regale. 

Keine Äpfel, keine Birnen, keine Kiwis, Mangos oder Melonen.

"Biene weg. Regal leer" steht auf Postern, die an den freien Flächen hängen. Schnell eilt eine Verkäuferin herbei: "Weil wir heute alle Produkte ausgeräumt haben, die es ohne Bienen nicht mehr gäbe", erklärt sie. "Und wann gibt's das denn alles wieder?", fragt der grauhaarige Herr nur und schiebt seinen Einkaufswagen schon weiter.

Und so leer war der Supermarkt in Hannover:

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Der Kunde hat Glück: Der Penny-Markt in Hannover-Langenhagen simuliert an diesem Montagmorgen eine Welt ohne Bienen nur. Aber das sehr deutlich: Rund 60 Prozent der Produkte fehlen in dem Discounter - etwa 1600 von 2500 Penny-Produkten. Die meisten Regale, Kühlschränke und Tiefkühltruhen sind leer - oder so lückenhaft bestückt, als wären die letzten Lkw-Ladungen stecken geblieben. "Wir haben die Kunden bewusst vorab nicht informiert", sagt Andreas Krämer, Sprecher der Rewe-Gruppe, zu der Penny gehört. "Eine Welt ohne Bienen wäre fundamental anders - damit wollten wir sie hier konfrontieren."

Denn nicht nur viele Obst- und Gemüsesorten sind von der Bestäubung durch Bienen und Insekten abhängig.

Auch Kaffee, Kakao, Schokolade, Fertiggerichte, Tiefkühlkost, Säfte, viele Pflegeprodukte und sogar Weingummi wie Haribo würde es kaum oder gar nicht mehr geben. In Tiefkühl-Pizzen etwa stecken Öle wie Sonnenblumenöl, für dessen Gewinnung bestäubt werden muss. In Deos, Cremes und Spülungen sind pflanzliche Inhaltsstoffe etwa aus Zitrusfrüchten oder Shea-Butter enthalten. Und Gummibärchen? "Die sind alle mit Bienenwachs beschichtet, damit sie nicht aneinander kleben", sagt Till David-Schade vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der zusammen mit Rewe die Aktion geplant hat.

Leer sind auch die Regale mit Babykost - außer Pampers und Babywasser gibt es nichts. Denn pflanzliche Öle, Obst oder Gemüse sind in jedem Brei enthalten. Außerdem fehlt Kleidung, denn auch Baumwolle muss bestäubt werden.

"Besaufen können wir uns in Zukunft noch, aber sonst wird's eng"

"Ich wollte eigentlich Weintrauben und Obst kaufen, das ist ja nun alles weg. Aber meine Suppe kochen kann ich noch", sagt Penny-Kundin Brunhilde Streit. In ihrem Einkaufswagen liegen Lauch, Kartoffeln, Sahne, Frischkäse und Hackfleisch. Denn einige Gemüsesorten wie Brokkoli, Blumenkohl, Tomaten, Paprika oder auch Lauch sind unabhängig von den Bienen. Und in den Kühlregalen steht weiterhin Milch, Sahne und Käse sowie Fleisch - allerdings nur pur.

Sobald Frucht im Joghurt oder Kräuter in der Salami sind, "fliegen sie raus", sagt David-Schade vom Nabu. Auch Brot aus reinem Getreide - also ohne Körner oder Rosinen - ist zu haben. "Getreide wächst ohne Bestäubung. Da haben wir die Grenze gezogen. Aber natürlich hängt die Samenbildung wieder von der Bestäubung ab", sagt der Nabu-Experte.

Am vollsten sind die Regale mit Wein, Bier und Spirituosen - denn Wein und Hopfen bestäuben sich selbst. 

"Besaufen können wir uns in Zukunft noch, aber sonst wird's eng", sagt Stefan Nagel, Rewe-Vorstand.

Tatsächlich gilt die Biene nach Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Mehr als 90 Prozent der Wild- und 75 Prozent der Kulturpflanzen sind auf die bestäubenden Insekten angewiesen. Schätzungen zufolge erbringen sie einen wirtschaftlichen Nutzen von jährlich bis zu 500 Milliarden Euro.

Doch die Insekten sind in Gefahr: In den vergangenen dreißig Jahren ist ihr Bestand, in Biomasse gemessen, um 75 Prozent zurückgegangen. Das ergibt eine großangelegte wissenschaftliche Studie, für die Forscher in sechzig Naturschutzgebieten Nordwestdeutschlands drei Jahrzehnte lang Insektenfallen aufgestellt und ausgewertet haben. Ein weiterer Indikator ist die Rote Liste: Von 450 Wildbienen-Arten in Deutschland ist die Hälfte bedroht oder bereits ausgestorben. Die Bestände anderer Insekten sind ähnlich rückläufig.

"Schuld daran ist vor allem die industrielle Landwirtschaft", sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Pestizide wie Glyphosat, fehlende blühende Ackerrandstreifen und Brachflächen - all das töte Bienen direkt oder biete ihnen weder Nahrung noch Unterschlupf.

Obwohl doch grade die Landwirtschaft der größte Nutznießer der Bienen und Bestäuber-Insekten ist.

Um die Biene zu retten, sei eine radikal andere Landwirtschaft nötig - naturnaher, biologischer, bienenfreundlicher. Miller setzt dabei Hoffnung in das neue Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung. Und auf die EU, die grade die bienengefährlichsten Neonicotinoide verboten hat.

Kundin Brunhilde Streit bekommt derweil im Penny Hannover-Langenhagen ein Samentütchen vom Nabu, damit sie Blumen für die Bienen ziehen kann. Und einen Penny-Einkaufsgutschein, als Entschädigung für den Bienen-Ausfall sozusagen. Denn schon nach wenigen Stunden ist die Aktion vorbei. Ab 14 Uhr räumt Penny die Produkte wieder ein. 

Noch sind die Bienen ja da.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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