Bild: Photo by Emma Simpson-Wells on Unsplash/ cc 0
Wir haben eine Imkerin und eine Naturschützerin gefragt, was man tun kann

Die Bienen sind in Not – und das wird auch für uns Menschen ein Problem. Bienen bestäuben Pflanzen, deshalb bedeuten weniger Bienen auch weniger neue Pflanzen und damit weniger Nahrung und grüne Umwelt für uns. Schuld daran sind neben Insektiziden auch die vielen Monokulturen in der Landwirtschaft. Seit 1982 ist die Zahl der Insekten in Deutschland um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. (SPIEGEL)

Doch nicht nur auf dem Land, auch in Städten sieht man immer wieder schwächliche Bienen und Hummeln. Das liegt vor allem daran, dass es hier zeitweise zu wenig Nahrung für sie gibt: Nicht jede Pflanze liefert zu jeder Zeit ausreichend Nektar, Grünflächen und Bäume werden zu oft beschnitten. Anders als viele Säugetiere legen etwa Hummeln keine Fettreserven an, kurze Schwankungen im Angebot sorgen schnell für ein Massensterben. (Nabu)

Kann man etwas für die Bienen tun? Vielleicht sogar mit begrenzten Möglichkeiten vom Fensterbrett, Balkon oder Garten aus? bento hat zwei Fachfrauen gefragt: 

  • Edda Gebel ist 1. Vorsitzende des Hamburger Imkerverbandes
  • Daniela Franzisi leitet beim Naturschutzbund NABU die Aktion "Insektensommer" 

1 Pflanz', so viel du kannst! 

Frühblüher blühen etwa ab Mitte Februar bis Ende Mai. "Bei Insekten beliebt sind Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen, aber auch Gänseblümchen", erklärt Imkerin Edda Gebel. 

Besonders Gewächse, die für den frühen Start genug Energie in Zwiebeln oder Knollen gespeichert haben und nicht erst keimen müssen, kann man auch schon im Herbst pflanzen, damit sie zum Frühlingsbeginn blühen. 

Wer gerne kocht, kann mit einem Kräuterbeet für Bienen sorgen, zum Beispiel mit Thymian, Minze, Borretsch, Koriander, Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse. Entscheidend sei die Vielfalt, damit jederzeit und für Arten mit unterschiedlichen Geschmäckern Nahrung vorhanden sei, sagt Nabu-Expertin Daniela – "und natürlich, dass man nicht alles schon vor der Blüte erntet." 

Biene ist nicht gleich Biene

Die Honigbiene ist nur eine Art. Dazu gibt es in Deutschland es etwa 560 Wildbienenarten, von denen die Hälfte gefährdet ist. In Hamburg etwa trifft man rund 250 Arten, unter anderem Hummeln – von denen es in Deutschland 36 Arten gibt. Wie Honigbienen haben alle Wildbienen eine wichtige Rolle beim Bestäuben von Pflanzen. (Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung, Aktion Bienenretter)

2 Auch im Sommer und Herbst gibt es Engpässe

Vor allem unter Linden finden sich in Städten zum Hochsommer massenweise tote Hummeln. Die Bäume sind in der heißen Zeit vielerorts die letzte Nahrungsquelle. Ist ihr Nektar aufgebraucht, verhungern die Tiere beim Versuch, dort welchen zu finden. 

Wie kann das sein, wenn überall in Gärten Blumen blühen? Das Problem: Nicht alles, was gut aussieht, bietet auch Nahrung. "Blumen werden heute mehr auf Optik gezüchtet und liefern oft wenig bis keinen Nektar mehr", erklärt Naturschützerin Daniela Franzisi. 

Die bei Menschen beliebten Geranien, Dahlien, Chrysanthemen und Petunien sind für die meisten Insekten quasi nutzlos. Viele Blumen haben durch die Zucht keine freiliegenden Staubgefäße mehr, sie sind – so nennen es Botaniker – "gefüllt". Im Fachhandel erfährt man, ob Blumen gefüllt oder ungefüllt sind. Nur ungefüllte sind für Bienen als Nahrungsquelle geeignet. 

Schauen die Staubblätter heraus, findet die Biene eher etwas zu fressen

(Bild: Aaron Burden / Unsplash)

Auch exotische Pflanzen wie Forsythien sind trotz der schönen Blüte ungeeignet, weil die Tiere sie nicht anfliegen: "Besser sind heimische Pflanzen wie die Kornelkirsche, die blüht ebenso gelb und im Sommer darf man sich über Früchte freuen", sagt Daniela. 

Der Naturschutzbund hat hier eine ausführliche Liste zusammengestellt, welche Pflanzen Insekten glücklich machen. Darauf stehen zum Beispiel jegliche Art von Klee oder die Kugeldistel, aber auch Lavendel, Sommerflieder oder Heidekraut. Gut geeignet ist auch der Efeu, solange er nicht am Ende des Sommers schon beschnitten wurde. Dann liefert er nämlich bis in den Oktober hinein Nahrung.

Wer all das zu kompliziert findet, kann in jedem Fall zu einem Beutel mit Samen einer "Wildblumenmischung" greifen. Oder einfach aufhören, seinen Rasen zu mähen – damit Pflanzen wie Löwenzahn und Klee eine Chance haben. (NRS Studie, 2018)

3 Für den Winter braucht es Unterschlupf

Selten hilfreich: das Insektenhotel

(Bild: Photo by Meg G on Unsplash)

Honigbienen überleben den Winter gemeinsam in ihrem Bienenstock. Die gefährdeten Wildbienen brauchen andere Orte zum Überwintern. 

Im Handel erhältliche Insektenhotels sind zwar eine nette Idee, allerdings nur für wenige Arten eine Hilfe. In der waagerechten Lage und in der starken Bündelung der Holzröhren will meist nur die Mauerbiene überhaupt nisten. Lacke, das falsche Holz oder Zugluft schrecken auch sie ab. Nur sieben Prozent aller gekauften Insektenhotels sind daher überhaupt bewohnt (Deutschlandfunk Nova). Der Rest bleibt Deko.

Wer selbst eine Nisthilfe bauen will, das mehr Arten gerecht wird, findet hier eine Anleitung. 

Für die anderen Arten kann man vieles tun: 

  • Totholz nicht wegräumen: Selbst einzelne Äste auf dem Balkon sind beliebte Immobilien für Insekten. 
  • Markstängel bereitstellen: Das sind längliche Holzreste von Pflanzen wie Brombeere oder Flieder. Circa 50 Zentimeter lange Stängel, senkrecht in Beete gesteckt oder am Balkongitter mit Draht befestigt sind ideal. Bis zu einem Dutzend Tiere nagen sich in das Mark eines einzigen Stängels hinein und verbringen dort den Winter. 
  • Sandflächen von Kies und Steinplatten freihalten: Schon eine Blumenkiste mit Sand und ein paar kleinen Kieseln kann eine bodenbrütende Biene zum Nisten anlocken. Besser sind aber große Flächen. 

Bio für Bienen

Monokulturen und in der Landwirtschaft verwendete Gifte sind die Hauptgründe für das Insektensterben. Wer statt herkömmlicher Erzeugnisse auf "Bio"-Siegel achtet, unterstützt eine oftmals schonendere und nachhaltigere Anbaumethode. Das kommt indirekt auch den Bienen und anderen Insekten zugute. 

4 Selber Imkern?

Edda Gebels Imkerverband in Hamburg umfasst etwa 1000 Mitglieder. Das Durchschnittsalter lag im letzten Jahrzehnt konstant bei 56 Jahren, es zeichnet sich aber eine leichte Trendwende an: 

Es gibt deutlich mehr jüngere Interessenten, die das Handwerk lernen wollen.
Edda Gebel

Bienen-Papa oder -Mama als nachhaltiges Hobby? Vor allem bei Großstädtern ist das wieder gefragt. Der Deutsche Imkerbund schätzt, dass über 120.000 Menschen in Deutschland imkern und sich aktiv damit um Honigbienenvölker kümmern. Seit 2008 sind die Zahlen um 43 Prozent gestiegen. (Spiegel+)

Imkerin Edda freut das, gleichzeitig wünscht sie sich aber mehr Verantwortungsbewusstsein und Engagement beim Nachwuchs: "Gerade zur Ferienzeit im Sommer ist die Imkerei besonders zeitraubend. Anfängern kann es schnell über den Kopf wachsen, ihre Bienenvölker büxen regelmäßig aus und siedeln sich um." Deshalb empfiehlt sie, sich mit erfahrenen Imkerinnen zu vernetzen, um sich gegenseitig zu helfen. 

Allerdings: Durch die vielen neuen Völker, die teilweise sogar vom Land zum Füttern in die Stadt gebracht werden, sinkt das ohnehin knappe Nahrungsangebot. Manche Imkerinnen füttern daher Zuckersirup zu. Naturschützerin Daniela sieht das kritisch: "Viele denken, man müsste lediglich der Honigbiene helfen. Aber die Hälfte der Wildbienenarten sind gefährdet. Der Konkurrenzdruck durch die vielen neuen Honigbienenvölker macht es für sie nicht einfacher."

Eine bunte Mischung aus heimischen Kräutern, Bäumen und Wildblumen sowie ein ungemähter und unaufgeräumter Garten (am besten mit Holzresten!) macht Bienen und andere Nützlinge glücklich.


Fühlen

Leb wohl, Hansa! Warum ich aus meinem Lieblingsverein austrete

Jonas*, 25, ist Hansa Rostock-Fan und seit seinem 18. Geburtstag Vereinsmitglied. Seit er denken kann, verfolgt er die Spiele im Stadion oder am Fernseher. Doch das Verhältnis zu seinem Lieblingsverein ist belastet. Unserem Autor hat er von seinen Gefühlen erzählt:

Der Weg von der Wohnung meiner Familie zur S-Bahn führt mich am Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen vorbei. Der graue Betonklotz, der dem Viertel Anfang der Neunzigerjahre durch die rassistischen Übergriffe auf vietnamesische Migranten zu trauriger Berühmtheit verhalf, ist für mich ein Mahnmal: eine ständige Erinnerung daran, weltoffen, tolerant und empathisch zu sein. 

Ich wünsche mir, dass Rostock nie wieder wegen fremdenfeindlicher Übergriffe oder rechtem Gedankengut in den Schlagzeilen steht. 

Ich liebe die Menschen hier, das Meer, die Luft – und auch den Fußballverein der Stadt. Mit drei Jahren stand ich das erste Mal bei einem Spiel von Hansa Rostock im Ostseestadion.

Beim DfB-Pokal Spiel von Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Montag erhielt meine Liebe allerdings einen starken Dämpfer. 

Während aus den Stadionlautsprechern "Auf gute Freunde" von den "Böhsen Onkelz" dröhnte, präsentierte der Fanclub "Wolgastä" auf der Südtribüne eine Choreografie. Die "Wolgastä" sind ein Fanclub aus der Stadt Wolgast, nahe der Insel Usedom. Einige Mitglieder sind in Szenekreisen als rechts und nationalistisch bekannt. Beim Pokalspiel feierte der Fanclub sein 20-jähriges Bestehen mit einer Geburtstags-Choreografie. 

In Frakturschrift stand auf einem blauen Banner "Außer Rand und Band, für Verein und Vaterland". daneben: der Bundesadler. Ein anderes zeigte einen Totenkopf mit Lorbeerkranz und der Aufschrift "Wolgastä Multikriminell seit 1999". 

Der Verein ließ später verlauten, den "Wolgastän" sei im Vorfeld der Partie das Okay dafür erteilt worden – und die Choreografie nicht rechtswidrig. Für mich war das Ganze aber alles andere als okay.

Ein Fußballstadion ist eine Begegnungsstätte für alle Mitglieder der Gesellschaft.

Hier verbindet der kleinste gemeinsame Nenner, die Liebe zum Sport, Jung und Alt, Arm und Reich und eben auch Links und Rechts. Mir ist klar, dass – trotz der Liebe zum gleichen Verein – Meinungspluralismus auf den Rängen nicht aufhört. "Politik gehört nicht ins Stadion" ist sowohl in Rostock als auch in vielen anderen Städten deshalb ein ungeschriebenes Gesetz, das Zusammenstöße verhindern soll. 

In den sozialen Netzwerken behaupteten einige Fans, dass die Aussage weder politisch noch meinungsäußernd war – lediglich patriotisch. Ich halte es für blauäugig, zu glauben, dass nicht mehr dahintersteckte. 

Wenn ein Fanclub wie die "Wolgastä" in Frakturschrift von Vaterland spricht, eine deutsche Flagge mit Bundesadler präsentiert und dazu ein Lied einer ehemals Rechtsrock-nahen Band spielt, liegt die Assoziation zum äußeren rechten Spektrum nahe. 

Zumindest die AfD zeigte an der Aktion Gefallen: Der Rostocker Kreisverband der Partei postete ein Statement auf Facebook, in dem die Aktion gelobt wurde. Mittlerweile hat der Verein der AfD verboten, Fotos der Choreografie für Werbezwecke zu nutzen.

Dass ausgerechnet diese Aktion Hansa Rostock deutschlandweit in die Schlagzeilen bringt, ärgert mich.

Denn sie bestätigt mal wieder, was viele Menschen ohnehin über den Verein zu wissen glauben. Wenn ich sage, dass ich Rostock-Fan bin, lautet die erste Frage meistens: "Bist du auch rechts?"

Als Individuum im Fan-Kollektiv habe ich mich gegen dieses Klischee stets gewehrt – und weise darauf hin, wie divers die Szene in Wahrheit ist. Auch der Verein selbst hat in der Vergangenheit versucht, sich diskriminierungs- (Hansa Rostock) und gewaltfrei (Hansa Rostock) zu zeigen. 

Prominente Fans wie Marteria oder die Band "Feine Sahne Fischfilet" wiesen ebenfalls auf die Meinungsvielfalt im Ostseestadion hin. 

Doch durch Vorfälle wie beim Pokalspiel gegen Stuttgart geraten solche positiven Entwicklungen schnell in Vergessenheit.