Man wird ja wohl noch träumen dürfen: Damals als Kind war es doch so schön im Bretterverschlag auf dem Baum. Ein Rückzugsort, abgehoben von der Welt.

Es muss also ein Baumhaus her. Wie das gelingt, weiß Andreas Wenning. Der Architekt aus Bremen hat sich auf Baumhausbau spezialisiert. Er hat selber eines und schwärmt von einem "Rückzugsort im Baum, an dem ich eine Weile verweilen und vielleicht sogar übernachten, es mir gemütlich machen kann" – viel mehr als bloß eine Kletteroase.

Fotostrecke: Wohnen zwischen Ästen
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Hier sind Wennings Tipps, damit der Bau gelingt – und Mensch und Baum keinen Schaden nehmen.
Lass dem Baum Raum zur Entfaltung.

Ein Baum wächst und bewegt sich. Dazu braucht er Freiheit – und die sollte man durch das Baumhaus nicht beschneiden. "Bei Sturm zieht die Bewegung des Baumes so an den Bauteilen, dass das Baumhaus kaputtgeht. Die Verbindungen müssen flexibel sein", sagt Wenning – ganz gleich, ob man das Haus mit Schrauben oder Gurtschlaufen am Baum befestige. Die Baumrinde sollte möglichst intakt bleiben. Und für das Baumhaus sollten bestenfalls gar keine Äste abgeschnitten werden müssen.

Suche dir deinen Baum sorgfältig aus.

Weniger als 20 Zentimeter Stammdurchmesser gehen nicht. Auch junge Bäume, die noch voll im Höhenwachstum sind, sollte man nicht mit einem Baumhaus belasten – genauso wenig wie kranke oder knorrige, alte, sterbende Bäume.

Es mag verlockend sein, direkt im Baumhaus Äpfel oder Kirschen pflücken zu können, aber Obstbäume eignen sich meist nur für Kinderspielhäuser. Der Grund: In Obstbäumen bricht schnell man ein Ast raus. Wenning empfiehlt große Waldbäume wie Esche, Eiche, Buche, Kiefer, Fichte oder Tanne. Wer lange an seinem Baumhaus Spaß haben will, sollte auch bedenken, dass Bäume wie Pappel, Birke und Weide vergleichsweise kurze Lebensspannen haben.

(Bild: www.baumraum.de)
Bloß nicht am Material sparen.

Wenning empfiehlt langlebige, witterungsbeständige Hölzer wie Lärche, Douglasie, Edelkastanie, Robinie, Zeder oder Tropenhölzer. "Da allerdings bitte auf nachhaltige Forstwirtschaft achten."

Hol dir Hilfe.

Auch wenn es manchmal verlockend sein mag, Baum-Einsiedler zu werden: Für den Baumhaus-Bau solltest du mindestens einen Helfer haben. "Zu zweit ist es viel leichter, gerade wenn Balken hochgehoben werden müssen. Alleine muss man sich für jede Sache viel mehr Zeit nehmen", sagt Wenning.

(Bild: www.baumraum.de)
Bitte seil dich an.

Selbst sichere Kletterer sollten sich anleinen und einen Helm tragen. Wer in Brusthöhe eine kleine Plattform baut, mag darauf noch verzichten können. Aber es gibt auch Baumhäuser in zehn Metern Höhe. Spätestens da kann ein Unfall üble Folgen haben – wie ein Sturz aus dem dritten Stock.

Auch wenn's unschön aussieht: Im Zweifel Stelzen bauen.

Prinzipiell braucht man keine im Boden verankerten Stützen. Es sei denn, der Baum knirscht – das ist ein deutliches Indiz, dass das Haus zu schwer ist. Wer Stelzen braucht, sollte darauf achten, mit der Verankerung die Wurzeln nicht zu beschädigen.

Ohne Werkzeug geht nichts. Gar nichts.

Es ist mühsam und gefährlich, Balken mit Schnüren aufzuhängen, bevor du sie am Baum anbringst. Wenning empfiehlt, sich ein Gerüst zu bauen. "Darauf kann man stehen und Balken ablegen." Ansonsten gibt es alles Notwendige im Baumarkt oder im Bastelkeller der Eltern: Bohrmaschine, Akkuschrauber, Handreissäge, Stichsäge.

In der Slideshow: Die schönsten Baumhäuser
Wenn's größer wird: Geh vielleicht mal zum Bauamt.

Wenn du ein kleines Spiel-Baumhaus baust, kann man darauf verzichten, sagt Wenning. Du solltest aber zumindest die Nachbarn fragen und (wenn sie darauf Wert legen) drei Meter Abstand zur Grundstücksgrenze halten. In der freien Natur jenseits von Ortschaften darfst du eigentlich gar nichts bauen – eigentlich. "Da ist es eine Ermessenssache, ob man das Risiko eingeht, etwas zu bauen und zu hoffen, dass es stehenbleiben darf", sagt Wenning.

Der Architekt empfiehlt, ab einer Größe von vier Quadratmetern beim Bauamt nachzufragen. Auf allzu viel Kulanz solltest du aber nicht hoffen. Wenning: "Die fürchten Präzedenzfälle und halten sich im Zweifel immer an ihre Vorschriften."

(Bild: www.baumraum.de)
Strom, Wasser, Heizung – Baumhausbau für Ambitionierte.

Stromanschluss im Baumhaus ist simpel: Wer keinen Wert auf feste Steckdosen legt, braucht nur ein Verlängerungskabel. Damit ließe sich beispielsweise ein Boiler betreiben, der wiederum im Kombination mit einem Wasseranschluss für eine Dusche reichen würde. Wasser ist aber etwas komplizierter: Du brauchst eine Pumpe – und eine Idee, wo das Abwasser hin soll. Beim Dusch-Beispiel schlägt Wenning vor, sie so zu bauen, dass das Abwasser einfach nach unten fällt. Der Umwelt zuliebe solltest du in diesem Fall auf herkömmliches Shampoo verzichten.

Das Baumhaus-Buch

Baumhäuser: Neue Architektur in den Bäumen von Andreas Wenning, erschienen bei DOM publishers, 304 Seiten, 58 Euro.

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